„Risiken zugenommen“
EZB sieht kein Ende der Finanzkrise

Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht zehn Monate nach dem Beginn der weltweiten Finanzkrise noch keinen Grund für Entwarnung. Im Gegenteil hätten die Risiken für die Stabilität des europäischen Finanzsystems noch zugenommen, so die Zentralbank in einem Bericht über Lage und Zukunftsperspektiven der Branche.

HB FRANKFURT. Banken und andere Akteure an den Finanzmärkten müssten "wachsam" sein, weil weitere Schockwellen ausgehend von den angeschlagenen Immobilienmärkten nicht ausgeschlossen werden könnten, warnte die EZB. Auf Sicht von sechs bis zwölf Monaten bleibe das Finanzsystem verletzlich.

EZB-Vizepräsident Lukas Papademos sagte bei der Vorstellung des Berichts in Frankfurt: "Die Risiken für die Finanzstabilität haben im Vergleich zur Situation vor sechs Monaten zugenommen." Ursachen dafür seien das sich eintrübende konjunkturelle Umfeld, die massiven Abschreibungen im Zusammenhang mit Engagements auf dem US-Immobilienmarkt und die Verschärfung der Kreditstandards. Eine schnelle Beruhigung der Branche sei unwahrscheinlich, was negative Folgen hinsichtlich der Verfügbarkeit von Krediten haben könne. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet sagte in Paris, die Korrektur an den Finanzmärkten dauere an. Es wäre aus seiner Sicht falsch, die Krise als beendet anzusehen. "Es ist nicht die Zeit für Selbstgefälligkeit was die Finanzmärkte betrifft", sagte er am Abend. Während der bisherigen Krise hätten die Zentralbanken weltweit "sehr, sehr intensiv" zusammengearbeitet.

Die EZB, die US-Notenbank Federal Reserve und andere Notenbanken versorgen insbesondere den Geldmarkt seit Monaten immer wieder mit frischer Liquidität, weil sich die Banken untereinander aus Mißtrauen kein Geld mehr leihen. Man werde dies auch weiter tun wann immer es notwendig sei, teilte die EZB am Montag mit. In den vergangenen Tagen hätten die Spannungen am Geldmarkt wieder zugenommen. "Zentralbanken haben die klare Pflicht die Märkte davor zu bewahren sich festzufressen, mit unkalkulierbaren Folgen für die Akteure am Finanzmarkt und die Wirtschaft generell", sagte Papademos.

Ein Ende der Krise sei erst absehbar, wenn der Preisverfall am US-Häusermarkt ein Ende fände, sagte der EZB-Vize. Dort hatte die Krise im Sommer vergangenen Jahres begonnen und danach auf die meisten anderen Finanz- und Kreditmärkte ausgestrahlt und zu teils heftigen Turbulenzen geführt. "Es gibt einen breiten Konsens, dass die Immobilienpreise noch weiter fallen müssen, bevor sich der gesamte Häusermarkt stabilisieren kann", sagte Papademos. Aktuell gebe es sowohl in den USA als auch in Europa Anzeichen für eine weitere Verschlechterung, vor allem an den Märkten für Geschäftsimmobilien.

Für die Banken bedeutet dies nach Einschätzung der EZB, dass ihre Profite auch in den kommenden Monaten unter Druck bleiben werden. Allerdings hätte sich in der Vergangenheit gezeigt, dass ihre Kapitalausstattung bislang in der Regel ausgereicht hätte, um die Krise zu überstehen. Bislang sei auch die Kreditvergabe an private Haushalte und Unternehmen nicht signifikant betroffen. Allerdings habe die Verletzbarkeit des Finanzsystems zuletzt zugenommen, warnte die EZB. Entsprechend werde es auch noch einige Zeit dauern bis sich die Lage an den besonders stark gebeutelten Verbriefungsmärkten wieder beruhigen werde.

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