„Risikomanagement der Fed hat die Wirtschaft geschützt"
Greenspan verteidigt jüngste Geldpolitik

Der Chairman der Federal Reserve, Alan Greenspan, hat auf einer wissenschaftlichen Konferenz die Kritik zurückgewiesen, die US-Notenbank sei zuletzt zu wenig vorhersehbar gewesen. Die derzeitige Strategie der Fed sei der beste Weg, mit den schnellen Änderungen in der Wirtschaft umzugehen, sagte Greenspan am Freitag in Jackson Hole auf der jährlichen Tagung der Federal Reserve of Kansas City zu dem Thema „Geldpolitik und Unsicherheit“.

vwd JACKSON HOLE. Vor prominenten Notenbankern und Volkswirten verwies der Fed-Chairman darauf, dass mit dem „Risikomanagement“ der Fed die Wirtschaft vor zahlreichen Risiken geschützt werden solle.

Diese Vorgehensweise sei notwendig in einem Umfeld, in dem die Komplexität der US-Wirtschaft schneller wachse als die Kapazität der Fed, mit dieser Komplexität Schritt zu halten. „Einige Kritiker haben gesagt, diese Politik sei undiszipliniert (...), diskretionär und schwierig zu erklären“, sagte Greenspan. „Deshalb solle die Fed, so die Schlussfolgerung der Kritiker, formaler in ihrer Strategie sein und ihre Politik an eine feste Regel binden. Es ist jedoch höchst zweifelhaft, ob dies tatsächlich Verbesserungen bringt,“ sagte der Fed-Chairman und erteilte damit geldpolitischen Regeln wie Inflationszielen eine Absage.

Greenspan ging in seinen Ausführungen nicht auf die aktuelle Konjunkturlage in den USA ein. Die geldpolitischen Akteure der Fed waren in den vergangenen drei Monaten heftig dafür kritisiert worden, gegensätzliche Einschätzungen und Aussagen zu den geldpolitischen Absichten der Notenbank gemacht zu haben. Als Folge hiervon war es an den US-Anleihemärkten zu stärkeren Kursschwankungen gekommen.

"Die Fed hat einen großen Teil ihrer Glaubwürdigkeit verloren"

Im Mai und Juni noch hatten Mitglieder des Offenmarktausschusses (FOMC) der Fed tiefe Besorgnis über die Gefahr einer Deflation geäußert. Dies hatte Erwartungen geschürt, die Notenbank werde die Leitzinsen weiter senken beziehungsweise auf unkonventionelle Maßnahmen wie den Kauf von Anleihen zurückgreifen. Später wurde die Gefahr eine Deflation relativiert, Hoffnungen auf weitere expansive geldpolitische Maßnahmen zerschlugen sich und die Renditen zehnjähriger Anleihen stiegen um rund 150 Basispunkte. Einige Ökonomen sagten angesichts dieser Entwicklung, die Fed habe einen Großteil ihrer Glaubwürdigkeit verloren.

Greenspan machte am Freitag vor allem darauf aufmerksam, dass die schnellen Änderungen an den Finanzmärkten und in der US-Wirtschaft in den vergangenen zwei Jahrzehnten die Fähigkeit der Fed beschränkt hätten, die Wirtschaft mit geldpolitischen Mitteln zu kontrollieren. Der Fed-Chairman verwies dabei unter anderem auf das Auftauchen von zinsvariablen Krediten und hypothekengesicherten Wertpapieren. All dies erschwere die Analyse zukünftiger Entwicklungen und damit die Wahl der richtigen geldpolitischen Strategie, sagte Greenspan.

Greenspan zufolge würde das derzeitige Verständnis der Fed von der Funktionsweise der US-Wirtschaft offenbaren, dass eine Deflation in den USA nicht bevorsteht. Allerdings bestehe durchaus das Risiko, dass die Notenbank mit einer solchen Einschätzung falsch liegen könne. Vor diesem Hintergrund habe die Fed beschlossen, eine geldpolitische Vorgehensweise zu favorisieren, die das Risiko einer Deflation begrenzt. In diesem Zusammenhang verwies Greenspan auch auf die Russland- und LTCM-Krisen 1998, als die Fed mit mehreren Zinssenkungen ebenfalls die Gefahr einer globalen Wirtschaftskrise deutlich verringerte.

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