Robert Zoellick
Weltbankchef sieht gefährlichere Zeit für Weltwirtschaft

Weltbankchef Robert Zoellick warnt angesichts der Schuldenkrise vor einer „neuen und gefährlicheren“ Zeit für die Weltwirtschaft. Die Probleme der Eurozone sieht er dabei als besonders gravierend an.
  • 28

Sydney/Düsseldorf/RomWeltbankchef Robert Zoellick hat angesichts der Schuldenprobleme in zahlreichen Industrienationen vor einer „neuen und gefährlicheren“ Zeit für die Weltwirtschaft gewarnt. „Wir befinden uns am Beginn eines neuen Sturms“, sagte Zoellick der australischen Zeitung „Weekend Australian“. Italiens Regierung brachte derweil ein neues Sparpaket mit einem Volumen von rund 45 Milliarden Euro auf den Weg.

Während Schwellenländer und einige wenige Industrienationen ein gutes Wachstum verzeichneten, hätten „entwickelte Märkte“ große Schwierigkeiten, sagte Zoellick der Zeitung. Was derzeit geschehe, sei nicht vergleichbar mit der weltweiten Finanzkrise des Jahres 2008. Insbesondere hätten die Regierungen weniger Spielraum als damals, betonte der Weltbankchef.

Die Schuldenkrise im Euroraum sei zudem gefährlicher als die „mittel- und langfristigen“ Probleme der USA, die zur Herabstufung ihrer Kreditwürdigkeit durch die Ratingagentur Standard and Poor's geführt hätten, sagte Zoellick. Trotzdem seien die Reaktionen der Eurostaaten nicht ausreichend: „Die Lektion von 2008 ist, dass man umso mehr tun muss, je später man handelt.“

Im Kampf gegen seine Staatsschulden unternahm Italien unterdessen einen weiteren Schritt zur Etatkonsolidierung. Mit den neuen Einsparungen von etwa 45 Milliarden Euro würden Empfehlungen der Europäischen Zentralbank umgesetzt, sagte Regierungschef Silvio Berlusconi am Freitagabend. So sollten im kommenden Jahr 20 Milliarden und im Jahr 2013 weitere 25 Milliarden Euro eingespart werden.

Die Regierung will dazu unter anderem höhere Einkommen stärker belasten. Jahreseinkommen von mehr als 90.000 Euro sollen mit einer Sonderabgabe von fünf und solche von mehr als 150.000 Euro mit zusätzlichen zehn Prozent belegt werden. Außerdem sollen Verwaltungskosten reduziert und Privatisierungen vorangetrieben werden. Das Paket muss noch die Zustimmung des Parlaments erhalten, was nach Regierungsangaben bereits Anfang September geschehen könnte. Die geplanten Maßnahmen ergänzen einen Mitte Juli verabschiedeten ersten Dreijahresplan mit einem Sparvolumen von 48 Milliarden Euro. Italien will bereits im Jahr 2013 einen ausgeglichenen Etat erreichen.

Um die Finanzmärkte zu beruhigen, hatte das Land gemeinsam mit Frankreich, Belgien und Spanien am Freitag ein zweiwöchiges Verbot von Leerverkäufen für Finanzaktien in Kraft gesetzt. Insgesamt wurden in dem Land 29 Finanzinstitute mit dem Verbot belegt. In den anderen Ländern waren dutzende weitere Verssicherungen und Banken betroffen. Die Europäische Kommission und Deutschland, wo ein solches Verbot bereits seit dem Jahr 2010 gilt, sprachen sich daraufhin für ein europaweites Vorgehen aus.

Italiens Wirtschafts- und Finanzminister Giulio Tremonti forderte zudem am Samstag einheitliche europäische Staatsanleihen, sogenannte Eurobonds, die nach seiner Einschätzung die aktuelle Finanzkrise hätten verhindern können.

Seite 1:

Weltbankchef sieht gefährlichere Zeit für Weltwirtschaft

Seite 2:

Obama ruft Republikaner zur Mäßigung auf

Kommentare zu " Robert Zoellick: Weltbankchef sieht gefährlichere Zeit für Weltwirtschaft"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @ Pendler,

    Hatten wir schon, bis vor 65 Jahren!
    und kurz danach kam die Mauer.
    Besser wir lassen es mit dem "deutschen Fachwissen nach Brüssel schicken" wie Guido mal gesagt hat.

  • Bockfleisch soll aber gegrillt am besten schmecken.

    Wann haben wir das Griff Fest?

  • Wann endlich wird ein dt. Fachmann als Finanzminister in den mega-verswchuldeten Dolce Vita Ländern eingesetzt?

    Die EU-Mittelmeerländern sind offensichtlich dazu nicht in der Lage. wäre es nicht endlich Zeit für ein fachkompentens Finanz-Management in dcen Dolce Vita Ländern.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%