Rodrigo Rato
Scheidender IWF-Chef verbreitet Zuversicht

Der scheidende IWF-Chef Rodrigo Rato beurteilt die Wachstumsaussichten der Weltwirtschaft und die Erfolgsaussichten für die geplante Reform des Internationalen Währungsfonds zuversichtlich.

HB WASHINGTON. Die Auswirkungen der jüngsten Finanzkrise würden noch einige Zeit zu spüren sein, aber nicht dramatisch, sagte Rato am Donnerstag in Washington im Vorfeld der Herbsttagung von IWF und Weltbank. Das Wachstum werde kräftig und nur leicht gedämpft bleiben. Es sei aber unbestreitbar, dass die Risiken zugenommen hätten. Von einer Annäherung der Positionen sprach Rato, der sein Amt Ende des Monats aufgibt, bei der umstrittenen Neuordnung des IWF-Quotensystems. Ziel ist dabei, die Einflussstrukturen unter den 185-Fonds-Mitgliedsländern neu zu ordnen.

„Auch wenn sich nach den Turbulenzen im Juli und August die Lage beruhigt hat, werden die Auswirkungen auf die reale Wirtschaft doch einige Zeit zu spüren sein“, sagte Rato voraus. Das weltwirtschaftliche Wachstum werde gedämpft, „aber nicht in einem dramatischen Maße“, ergänzte er. Klar sei aber auch, dass abseits dessen die Risiken in den letzten Monaten größer geworden seien. So sei die Gefahr ungeordneter Anpassungen bei den großen weltwirtschaftichen Ungleichgewichte gewachsen.

Weitere Risikofaktoren seien protektionistische Tendenzen und die hohen Ölpreise. Bis dato hätten letztere die Weltwirtschaft aber nur begrenzt gebremst. Den hohen Euro, der in einigen europäischen Ländern, namentlich Frankreich, sehr besorgt gesehen wird, sieht der IWF-Chef ungeachtet mancher Kritik im Rahmen der mittelfristigen wirtschaftlichen Fundamentaldaten.

Die jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten, ausgehend von der US-Hypothekenkrise, haben nach Angaben des IWF-Chefs einmal mehr die Risiken der Globalisierung deutlich gemacht. Dies erfordere mehr internationale Kooperation. Es komme darauf an, dabei zu Tage getretene Schwächen im Rahmenwerk der Finanzmärkte aufzuarbeiten. Von daher stehe die Frage Finanzmarktstabilität ganz oben auf der Agenda der Herbsttagung des IWF.

Der IWF könne in diesem Prozess, Lehren aus den jüngsten Unsicherheiten zu ziehen, eine zentrale Rolle spielen, machte Rato klar. Er wies auch die These zurück, der IWF werde zunehmend überflüssig. Aber er müsse sich verändern, räumte Rato ein. So müsse Fonds seine Reformen vorantreiben, um seine Legitimation zu erhöhen. Es gelte, entsprechend der wachsenden wirtschaftlichen Bedeutung von Schwellenländern wie China, diesen mehr Gewicht im IWF zu geben. Dazu gebe es inzwischen „wachsenden Konsens unter den Mitgliedsländern“. Entschieden werden soll die Frage einer Neuordnung des IWF-Quotensystems bis in einem Jahr. Die IWF-Quote eines Landes ist maßgeblich für seinen Einfluss im Fonds, der sich vor allem als Wächter internationaler Finanz- und Währungsstabilität versteht. Wie von Deutschland und anderen Industriestaaten gefordert, will der Fonds angesichts ungelöster Finanzprobleme zu Rotstift greifen. Rato sprach von einer Ausgabenkürzung von sechs Prozent in den nächsten Jahren, die der Fonds seiner Etatplanung zu Grunde gelegt habe.

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