Rosige Aussichten
Chinas Wirtschaft knüpft an alte Boomzeiten an

Chinas Wirtschaft läuft wieder auf Hochtouren. Das Wachstum in der Industrieproduktion ist inzwischen so stark wie vor Beginn der weltweiten Finanzkrise, wie aus Daten vom Mittwoch hervorgeht. Auch die heimische Nachfrage belebt sich kräftig. Experten halten es nun für möglich, dass die Wirtschaft im laufenden Jahr stärker zulegt, als von der Regierung in Peking mit acht Prozent ohnehin angepeilt.
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HB PEKING. Und für das kommende Jahr sind die Aussichten für die weltweit drittgrößte Volkswirtschaft sogar noch besser. Die vielen staatlichen Infrastrukturprojekte, die bisher noch nicht umgesetzt wurden, die Belebung des Immobilienmarktes und die gigantische Summe an Krediten, die in diesem Jahr ausgereicht wurden, lassen eine Konjunkturbelebung 2010 als sicher erscheinen. „Die heimische Nachfrage als Ganzes belebt sich nachhaltig“, sagte Chris Leung von der DBS-Bank in Hongkong. „China bedeutet Stabilität für Asien und die Erwartungen auf die wirtschaftliche Entwicklung in der Region.“

Die Industrieproduktion wuchs in den zwölf Monaten bis Oktober um 16,1 Prozent und damit so stark wie seit März 2008 nicht mehr, bevor die Finanzkrise den Welthandel in die Knie gezwungen hat. Die Industrie macht 43 Prozent der chinesischen Wirtschaftsleistung aus und hat damit für das Schwellenland eine größere Bedeutung als der Dienstleistungssektor. Doch auch die Binnenwirtschaft kommt zunehmend in Schwung. So hatten die Einzelhändler 16,2 Prozent mehr in den Kassen als vor Jahresfrist, auch das ist eine Belebung seit September. Zugute kamen den Verbrauchern dabei fallende Preise: Die Lebenshaltungskosten verbilligten sich um 0,5 Prozent, die Erzeugerpreise gaben 5,8 Prozent nach.

Gleichzeitig schwächte sich der Rückgang bei den Exporten weiter ab, wenngleich mit 13,8 Prozent nicht so stark wie von Experten erwartet. Weil die Importe mit 6,4 Prozent deutlich kräftiger zurückgingen als vorhergesagt, schnellte der Handelsüberschuss in die Höhe. Das macht wenige Tage vor dem Antrittsbesuch von US-Präsident Barack Obama deutlich, wie groß die weltweiten Ungleichgewichte noch immer sind - zumal hier keine Entspannung in Sicht ist: Allein schon wegen eines statistischen Effekts dürften die Ausfuhren binnen Jahresfrist spätestens ab Dezember wieder steigen, weil dann die Zahlen mit den schwachen Vorjahreswerten verglichen werden.

„Das macht es für Peking schwieriger, den Rufen nach einer Aufwertung des Yuan aus dem Weg zu gehen“, sagte Brian Jackson von der Royal Bank of Canada in Hongkong. Durch einen stärkeren Yuan würden chinesische Ausfuhren teurer, Einfuhren dagegen billiger - das käme der Binnenwirtschaft zugute. Obama hatte in einem Reuters-Interview angekündigt, das Thema der Wechselkurse bei seinem Besuch offen anzusprechen.

Angesichts der zunehmenden Belebung der Konjunktur rückt an den Märkten nun die Frage in den Mittelpunkt, wann die chinesische Regierung ihre Konjunkturstützen zurückfährt. Bereits jetzt haben Verantwortliche die Banken aufgefordert, sich bei ihrer Kreditvergabe etwas zurückzuhalten - im Oktober wurden deutlich weniger neue Kredite ausgegeben als noch im Vormonat. Mit einem Anstieg der Leitzinsen wird dagegen erst im Verlauf des kommenden Jahres gerechnet. Die chinesische Notenbank bekräftigte, bei ihrer lockeren Politik bleiben zu wollen.

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