Rückenwind für den Euro
US-Notenbank zu weiteren Zinssenkungen bereit

Die US-Notenbank (Fed) ist nach den Worten von Fed-Gouverneur Ben Bernanke zu neuerlichen Leitzinssenkungen bereit, um der Wirtschaft weiteren Schwung zu geben und einer Deflation frühzeitig entgegenzuwirken.

Reuters LA JOLLA. „Lockerungen der Geldpolitik könnten für eine beträchtliche Zeit geboten sein“, sagte Bernanke am Mittwoch bei einer Universitäts-Veranstaltung im kalifornischen La Jolla. „Wir haben noch Spielraum.“ Priorität für die Fed habe derzeit die Verhinderung eines weiteren Inflationsrückgangs. „Wir sollten bereit sein, die Zinsen auch auf null Prozent zu reduzieren, wenn dies nötig sein sollte, um der Wirtschaft die dringend nötige Unterstützung zu geben.“ Mit seinen Äußerungen nährte Bernanke an den Märkten Spekulationen über baldige Zinssenkungen in den USA und damit einem weiter zunehmenden Zinsvorteil der Euro-Zone: Der Euro stieg auf ein Tageshoch von etwas unter 1,15 Dollar.

Bernanke bekräftigte mit seinen Zinsaussagen Signale von Fed-Chef Alan Greenspan aus der vergangenen Woche. Dieser hatte bei seinen Kongressanhörungen ungewohnt deutlich die Bereitschaft der Notenbank signalisiert, die Leitzinsen für längere Zeit auf niedrigem Niveau halten zu wollen. Viele Volkswirte hatten daraufhin gesagt, die Fed werde frühestens Ende 2004 den Leitzins von seinem derzeitigen 45-Jahres-Tief von 1,0 % wieder anheben. Das nächste Fed-Treffen ist für den 12. August geplant. In der Euro-Zone liegt der Leitzins derzeit bei 2,00 %.

Ähnlich wie Greenspan betonte auch Bernanke: „Den Schlüsselzins bei oder nahe seines derzeitigen Niveaus zu halten, könnte ausreichend sein.“ Doch die Fed sei selbstverständlich auch bereit, die Zinsen weiter zu reduzieren. Bernanke machte zudem deutlich, dass die Währungshüter notfalls auch zu unkonventionelleren geldpolitischen Maßnahmen wie dem massiven Rückkauf von Staatsanleihen mit langer Laufzeit greifen könnten, wenn sich die Wirtschaft auch bei einem Zinsniveau von null Prozent nicht spürbar erholen sollte.

Im Mittelpunkt der Fed-Geldpolitik steht Bernanke zufolge die Sorge vor einer Deflation in den USA, also einer konjunkturschädlichen Abwärtsspirale aus sinkender Nachfrage und rückläufigen Preisen. Eine derartige Deflationsphase könne die Wirtschaft empfindlich belasten und die erwartete Konjunkturerholung gefährden, sagte der Fed-Gouverneur. Allerdings sei das Risiko für dieses Szenario gering. Zum letzten Mal steckte die weltgrößte Volkswirtschaft in den 30er Jahren in einer Deflation. Rückläufige Preisentwicklungen hatten in den vergangenen Monaten Befürchtungen aufkommen lassen, der USA drohe eine derartige Abwärtsspirale, im Zuge derer auch die Aktienkurse einbrechen und das gesamte Finanzsystem ins Wanken geraten kann.

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