Rumänien
IWF schaut gebannt auf Wahl

Im jüngsten Mitgliedstaat der EU herrscht inmitten der Wirtschaftskrise politisches und wirtschaftliches Chaos: Rumänien steckt tief in der Rezession und ist derzeit ohne handlungsfähiges Kabinett. Die Präsidentenwahl am Sonntag ist deshalb von besonderer Bedeutung.
  • 1

BUKAREST. Für die Präsidentenwahl am Sonntag in Rumänien zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem konservativen Amtsinhaber Traian Basescu und dem sozialdemokratischen Senatsvorsitzenden Mircea Geoana ab. Dabei liegt Basescu laut Umfrage mit 34 Prozent knapp vor seinem Herausforderer mit 31 Prozent. Für die eventuell am 6. Dezember nötig werdende Stichwahl lassen Umfragen dann eine Niederlage des amtierenden Staatschefs erahnen.

Die Wahl im jüngsten EU-Mitgliedstaat ist von herausragender Bedeutung: Denn das Land ist nach dem Ausstieg der Sozialdemokraten aus der Regierung und einem Misstrauensvotum gegen Premier Emil Boc ohne handlungsfähiges Kabinett.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat soeben die Auszahlung einer dritten Tranche des 20-Mrd.- Euro-Kredits, den er zusammen mit Weltbank und EU zur Abwendung des Staatsbankrotts gewährt hatte, gestoppt. Das Geld soll erst bei stabilen politischen Verhältnissen fließen.

Rumänien wird von der Weltwirtschaftskrise hart getroffen, das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr voraussichtlich um 7,5 Prozent sinken. "Das ist der Preis für die Überhitzung in den letzten Jahren", sagte der Chefökonom der Nationalbank, Valentin Lazea. Der Schwarzmeer-Staat hatte 2007 mit 7,5 Prozent noch das größte Wachstum in der EU. Zugleich nahmen die Löhne um mehr als ein Fünftel zu, und die damalige liberale Regierung erhöhte als Wahlkampfgeschenk die Renten und stockte die Zahl der Staatsbediensteten auf.

Politisch ist das Land in der Sackgasse: Präsident Basescu weigert sich, den von der neuen Parlamentsmehrheit vorgeschlagenen rumäniendeutschen Bürgermeister von Hermannstadt (Sibiu), Klaus Johannis, als Regierungschef vorzuschlagen. Stattdessen versuchte er zweimal, einen Premier der ihm nahestehenden konservativen Liberaldemokraten durchzubringen. Sollte Basescu die Präsidentschaftswahl gewinnen, drohen vorgezogene Parlamentswahlen.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent

Kommentare zu " Rumänien: IWF schaut gebannt auf Wahl"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • basescu ist ein Mitglied der Securitate - Ceausescu's Staatspolizei. Alle demokratischen Parteien in Rumanien haben sich gegen ihn vereinigt: Nationalliberale Partei, UDMR (Partei der ungarischen Minderheit aus Rumanien), die anderen Minderheiten haben ihre Unterstuzung fur Mircea Geoana erklart, einschliesslich der burgermeister der Stadt Hermannstadt(Sibiu) Klaus Johannis, Vertreter der deutschen Minderheit aus Rumanien, der Rumaniens Ministerpresident werden soll. bASESCU MUSS AUS !!!!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%