Russland
Notenbanker kämpfen gegen Rubel-Absturz

Die Sanktionen des Westens und gesunkene Ölpreise bringen Russlands Währung ins Wanken. Auf den Abwärtstrend antworten Russlands Geldhüter mit dem Verkauf von Devisen – dennoch geht der Rubel-Verfall weiter.
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MoskauDie russische Notenbank stemmt sich gegen den Verfall des russischen Rubel. Die Geldhüter verkauften mit Wirkung zum 2. Dezember Devisen im Wert von 700 Millionen US-Dollar, wie aus Daten auf der Internetseite der Zentralbank hervorgeht. Im Vergleich zu den früheren täglichen Interventionen, die oft bei mehr als zwei Milliarden Dollar lagen, fiel die Summe jedoch überschaubar aus.

Allerdings verliert der Rubel trotz der jüngsten Intervention der russischen Zentralbank weiter an Wert. Der Dollar verteuerte sich in der Spitze um zwei Prozent auf ein Rekordhoch von 54,91 Rubel. Der Euro markierte mit 67,90 Rubel ebenfalls eine Bestmarke.

Neben den westlichen Sanktionen hat vor allem der starke Rückgang der Ölpreise in den vergangenen Monaten dem Rubel stark zugesetzt. Die Regierung bestreitet einen Großteil ihrer Einnahmen mit Rohölexporten. Seit der Entscheidung der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) in der vergangenen Woche, ihre Fördermenge unverändert zu lassen, hat sich der Abwärtstrend der Währung noch einmal stark beschleunigt. Am Mittwoch mussten mit 54,3244 Rubel zeitweise soviel wie nie zuvor für einen US-Dollar gezahlt werden. Auch im Verhältnis zum Euro hat die russische Währung stark an Wert verloren.

Bereits im November hatte die russischen Zentralbank ihre täglichen Kontrollen des Rubelkurses aufgegeben. Der Kurs der schwer angeschlagenen Währung soll sich seitdem am Markt frei bilden. Stattdessen wollte die Notenbank gemäß ihrer Ankündigung auf den Devisenmärkten intervenieren, wenn es nötig sei.

Auch die russischen Dienstleister bekommen den Rubel-Absturz schwer zu spüren. Ihre Geschäfte liefen im November so schlecht wie seit fünfeinhalb Jahren nicht mehr, wie aus dem am Mittwoch veröffentlichten Einkaufsmanagerindex der Großbank HSBC hervorgeht. Dieser fiel um 2,9 auf 44,5 Punkte – erst ab 50 Zählern signalisiert das Barometer ein Wachstum. Die Dienstleister machen rund 60 Prozent der russischen Volkswirtschaft aus.

Der Rubel-Kurs hat seit Jahresbeginn mehr als ein Drittel zum Dollar verloren, was Importe verteuert. „Die Abwertung geht einher mit schneller steigenden Preisen, die wiederum Löhne, Einkommen und Gewinne drücken“, sagte HSBC-Ökonom Alexander Morozow. Auch die gegenseitigen Sanktionen im Ukraine-Konflikt mit dem Westen wirken sich auf die Preise und die gesamte Wirtschaft aus. Die Regierung rechnet für 2015 mit einer Inflationsrate von 7,5 Prozent. „Ein höherer Inflationsdruck senkt die Kaufkraft der Bevölkerung, was wiederum den Konsum belastet“, sagte der Vize-Wirtschaftsminister Alexej Wedew.

Die Regierung erwartet wegen der Sanktionen der USA und der EU sowie stark fallender Preise beim wichtigen Exportgut Öl inzwischen einen Konjunktureinbruch: Das Bruttoinlandsprodukt soll im kommenden Jahr um 0,8 Prozent schrumpfen. Zuvor war von einem Wachstum von 1,2 Prozent die Rede.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Im Dezember 2013 landeten täglich 35 Flugzeuge aus Russland in Dresden, brachten Einkäufer. Das wird es dieses Jahr nicht mehr geben. Und das ist nur ein Beispiel, wie Obamas Gier und Merkels Kadavergehorsam der deutschen Bevölkerung schaden.

  • Sehr schön das Benzin,Diesel und Heizöl fallen und nun erkennt man deutlich, wenn es um die Instabilität Russlands geht... ist alles möglich! Vorher wurden die Bürger ausgebeutet!Das hinter Putin 142 Millionen Russen stehen die auch
    nichts anders wollen als in Frieden leben ist egal. Deutsche Truppen an die Ostfront 2015 und schon haben wir und die Nato ein Zweifronten-Krieg von der Türkisch /Syrischen/Irakischen Grenze bis an die Grenze Russland/Ukraine.

    Der Zerfall der EU muss dagegen schon weit fortgeschritten sein, wenn man das einzige aufgibt, was die EU noch zusammen gehalten hat. Den Frieden in Europa! Aus!

    Die Falken bei uns.... Grüne,SPD,Union treten das Erbe vom Vorgänger an!

  • Auf Grund der riesigen Gewinnspanne in Ischgl hält sich hier mein Mitleid in Grenzen.
    Anders sieht es schon mit Hotelzimmern in der Türkei und Ägypten aus. Dafür kann man bei AI aber die Buffets erheblich verkleineren und den Vodka Einkauf stark reduzieren.

    Schönen Tag noch.

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