Sachverständigenrat feiert Jubiläum
50 Jahre für die Tonne?

Zum Geburtstag wird der Sachverständigenrat gefeiert. Doch mit seinen Prognosen lag er oft daneben. Zudem schaffen es die fünf Weisen nicht, ihre Vorschläge in die Öffentlichkeit zu tragen. Das Gremium gehört reformiert.
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DüsseldorfDer frühere SPD-Fraktionschef Peter Struck hätte den Sachverständigenrat am liebsten abgeschafft. „Ich glaube denen kein Wort. Wenn man frühere Prognosen mit der eingetretenen Realität vergleicht, merkt man recht schnell, dass diese sogenannten Weisen vor allem viel heiße Luft produzieren“, sagte er 2008.

Struck fasste zusammen, was in den vergangenen 50 Jahren wohl viele seiner Kollegen ab und zu gedacht haben. Attacken aus der Politik waren in der Geschichte des Sachverständigenrats keine Seltenheit. Die Politiker beschwerten sich naturgemäß dann, wenn ihnen die Vorschläge der Ökonomen nicht in den Kram passten. Doch es waren nicht nur Politiker, die Kritik äußerten. Auch statistische Untersuchungen zeigen, dass die Sachverständigen bei ihren Prognosen nicht sehr treffsicher waren. Zudem ist ihre Stimme in der öffentlichen Debatte kaum wahrnehmbar.

Der größte Irrtum unterlief den Wirtschaftsweisen im November 2008. Zwei Monate nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers schrieben sie über die Aussichten für das kommende Jahr: Die Finanzkrise werde zwar erhebliche Folgen für die Realwirtschaft haben, „extreme Szenarien sind jedoch auszuschließen.“ Die Wirtschaft in Deutschland werde 2009 stagnieren, prophezeiten die Weisen daher.

Doch am Ende des Horrorjahres wusste man es besser: Die Wirtschaft war um fünf Prozent geschrumpft – ein Minus von 125 Milliarden Euro.

Zwar hatten die Wirtschaftsweisen von Abwärtsrisiken gesprochen. Doch eine wirkliche Schrumpfung des Bruttoinlandsproduktes zu prognostizieren, das hatten sie sich offenbar nicht getraut. Auch bei anderen Rezessionen hatten sie vorher allenfalls ein Nullwachstum vorhergesagt.

Natürlich war das Horrorjahr 2009 ein besonderer Ausreißer. Kaum jemand hatte im Herbst davor mit einem solchen Einbruch gerechnet. Doch wer die Treffsicherheit der Prognosen untersucht, die der Sachverständigenrat in den letzten Jahren herausgegeben hat, der stellt fest: Allzu gut sind sie nicht beim Blick in die Glaskugel.

Kommentare zu " Sachverständigenrat feiert Jubiläum: 50 Jahre für die Tonne?"

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  • @Autan, nichts ist sicherer als die traurige Tatsache, dass diese Leute bei der nächsten Wahl NICHT in den Orkus befördert werden, wo sie hingehörten.
    Welche Partei, wollen Sie denn wählen? Die Freien Wähler? Die gibt es doch nirgendwo.
    Wo bitte ist die Alternative, bei einer s.g. "Opposition", die den Schwachsinn noch zu toppen gedenkt, wenn das denn überhaupt noch möglich ist.

  • Sehe ich auch so: ein unheilbarer Keynesianer; das ist das Ergebnis einer Proporz-Wissenschaft, weichgespült und ohne Ecken und Kanten. Aber was mich ebenfalls stört, ist der Duktus des Autors, z.B. Sätze wie diese: "Wäre das BIP seit der Wiedervereinigung in dem von ihnen prophezeiten Maße gewachsen, wäre Deutschland heute 160 Milliarden Euro reicher." Für eher naive Leser könnte das so klingen, als seien die Sachverständigen dran schuld, dass "wir" jetzt nicht 160 Mrd reicher sind. Es geht nur noch um das Schüren von Emotionen. Das verkauft sich wohl am Besten.

  • Bofinger ist für mich ein Sinnbild der untergehenden Bundesrepublik: Große Klappe auf lokalem Parkett und in der Welt völlig unbedeutend. Von Seemännern zu Süßwassermatrosen gewandelt. Appeasement jederzeit.

    Mir reißt die Hutschnur, wenn ich sehe, wie Menschen wie Bofinger als Ökonom, Merkel, Schäuble, Steinbrück, Roth, Brüderle als Politiker die Stützen unserer Gesellschaft zersägen. Alles Menschen mit wenig praktischer Erfahrung in ihrem derzeitigen Metier. Süßwassermatrosen.

    In der Finanzkrise sprechen diese Leute von den Gefahren eines Umbruchs, den es zu vermeiden gelte, koste es die eigene Gesellschaft, was es wolle.
    Das Zerfasern der eigenen Gesellschaft birgt aber Gefahren, die die der Finanzkrise weit in den Schatten stellen. Davon sprechen diese Leute jedoch nicht.

    Es stellt sich die Frage, ob es nicht doch einen großen Plan dieser Leute gibt? Nämlich den, den eigenen Hintern auf Kosten der Gesellschaft zu retten.

    Hoffentlich wird die Wahl diese Leute in den Orkus befördern.

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