Saisonale Gründe
Experten rechnen mit steigender Arbeitslosigkeit

Die meisten Volkswirte erwarten im Juli zum ersten Mal seit Monaten wieder höhere Arbeitslosenzahlen. Dies ist ein Ergebnis einer Umfrage. Gleichzeitig geben die Experten jedoch Entwarnung. Grund zur Sorge bestehe nicht.

HB NÜRNBERG. Die Zahl der Arbeitslosen ist im Juli nach Einschätzung von Experten erstmals seit Monaten wieder gestiegen. Das sei aber kein Grund zur Sorge, sondern saisonal bedingt, erklärten von der Nachrichtenagentur AP befragte Volkswirte. Demnach würden sich traditionell im Juli zahlreiche Schulabgänger arbeitslos melden, bevor sie ein Studium aufnähmen oder eine Arbeits- oder Lehrstelle anträten. Außerdem würden einige Unternehmen mit Beginn der Ferienzeit Personal entlassen.

Die Experten gehen von einem Anstieg im Vergleich zum Juni zwischen 13 000 und 80 000 auf mehr als 3,7 Millionen Arbeitslose aus. Im Juni war die Zahl der Menschen ohne Job um 125 000 auf 3,687 Millionen gesunken und damit auf den niedrigsten Stand seit sechseinhalb Jahren. Die Arbeitslosenquote hatte sich auf 8,8 Prozent verringert.

Der für den Juli erwartete Anstieg liege deutlich unter dem Durchschnitt vergangener Jahre, erklärte Volkswirt Steffen Henzel vom Münchner Ifo-Institut. So sei die Zahl der Menschen ohne Arbeit von 1991 bis 2005 durchschnittlich um 130 000 im Juli gestiegen. Eine Ausnahme bildete das WM-Jahr 2006, in dem die Arbeitslosigkeit um 12 000 zurückging. Für den laufenden Monat prognostiziert Henzel einen Zuwachs um 40 000 auf etwa 3,73 Millionen. „Viele Schulabgänger melden sich in dieser Zeit vorübergehend arbeitslos“, erklärte er.

Gregor Eder von der Dresdner Bank in Frankfurt rechnet mit einem nur geringen Zuwachs um etwa 13 000. Mit Beginn der Ferien würden einige Unternehmen Arbeitskräfte entlassen. Das sieht auch Stefan Bielmeier von der Deutschen Bank so und erwartet einen Anstieg der Arbeitslosigkeit um etwa 80 000 auf fast 3,77 Millionen.

Wie die Wirtschaftswissenschaftler einstimmig betonten, hat sich an der insgesamt positiven Entwicklung am Arbeitsmarkt nichts geändert. Die Wirtschaftslage sei weiterhin robust, der erfreuliche Aufwärtstrend halte an. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) gibt die offizielle Arbeitslosenstatistik am (kommenden) Dienstag (31. Juli) in Nürnberg bekannt.

Unterdessen warnte der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, hat vor übertriebenem Optimismus am Arbeitsmarkt. Es könne noch Jahre dauern, bis die Arbeitslosenzahl unter die Marke von drei Millionen falle, sagte Weise der „Welt“ (Mittwochausgabe). Die Bundesregierung erwarte bis zum Jahr 2011 eine Arbeitslosenzahl von 3,2 Millionen im Jahresschnitt.

„Angesichts der starken Schwankungen im Jahresverlauf, könnte die Marke von drei Millionen in sehr guten Monaten, etwa in einem September oder Oktober, unterschritten werden.“ Gering qualifizierte Jugendliche, Einwanderer und Ältere, die schon lange nicht mehr gearbeitet hätten, hätten trotz der guten Konjunktur Probleme am Arbeitsmarkt, betonte der BA-Vorstandschef.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%