Scharfe Kritik an Zinssenkung
„Draghi missbraucht das Euro-System“

Die Kritik an der Niedrigzinspolitik der EZB reißt nicht ab. Ifo-Präsident Sinn spricht gar von Missbrauch. Die Probleme der Euro-Krisenstaaten würden so nicht gelöst.
  • 7

Berlin/MünchenDer Präsident des Münchener Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, hat angesichts der jüngsten Leitzinssenkung harsche Kritik an EZB-Chef Mario Draghi geübt. „Draghi missbraucht das Euro-System, indem er den Südländern Billig-Kredite gibt, die sie am Kapitalmarkt so nicht bekommen würden“, sagte der Ökonom der „Bild“-Zeitung. Die Rettung der Krisenländer sei nicht Aufgabe der EZB, sondern des dafür vorgesehenen Rettungsschirms.

Mittlerweile seien fünf Jahre verstrichen, ohne dass sich die Wettbewerbsfähigkeit in den Krisen-Staaten nennenswert verbessert habe, monierte Sinn. „Damit die Euro-Krisenländer mehr sparen und dringend überfällige Reformen umsetzen, brauchen sie höhere Zinsen, die ihrem höheren Konkursrisiko angemessen sind, nicht niedrigere Zinsen.“

Auch der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW), Michael Hüther, hatte betont, die aktuellen Probleme in Südeuropa seien nicht durch Zinssenkungen zu lösen. „Denn das Problem liegt in den Bilanzen der dortigen Banken, die immer noch viel Müll da drin haben. Und man muss deshalb die Bilanzen bereinigen.“

Am Donnerstag hatten Europas Währungshüter den Leitzins von 0,5 auf das historische Tief von 0,25 Prozent gesenkt. EZB-Präsident Draghi hatte den Schritt mit der niedrigen Inflationserwartung und der zögerlichen Konjunkturerholung begründet.

Niedrige Zinsen verbilligen tendenziell Kredite und Investitionen und kurbeln so die Wirtschaft an. Allerdings gab es nach der EZB-Entscheidung zahlreiche kritische Stimmen. Das niedrige Zinsniveau entwertet Geldanlagen und stellt etwa Lebensversicherer vor große Probleme, angemessene Überschüsse für ihre Kunden zu erwirtschaften. Zudem droht eine Blasenbildung am Immobilienmarkt.

Zumindest hier gibt Sinn aber Entwarnung. Der Immobilienboom in Deutschland werde zwar in den nächsten Jahren anhalten, sagte er der „Wirtschaftswoche“. Gleichzeitig widersprach er aber Warnungen, der Markt sei überhitzt.

Seite 1:

„Draghi missbraucht das Euro-System“

Seite 2:

Greenspan zweifelt an politischer Union in Europa

Kommentare zu " Scharfe Kritik an Zinssenkung: „Draghi missbraucht das Euro-System“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Es ist volkswirtschaftlich richtig, hier zu kritisieren!
    Diesr Prof. hat einfach recht. Wir sollen für unsere rente sparen, haben aber eine netagive !!! Spar-Entwicklung , da die Inflation höher ist als der Sparzins.

  • Habe mich auch mehrfach beschwert... keine wirkliche Reaktion!! Schade !!

  • Nachdem diese Feiglinge in Berlin sich ausser Stande sehen, diesem kriminellen Treiben ein Ende zu setzen, bleibt für uns in D nur noch eine Notwehr: wie in einem Drittweltland das "gesetzliche Zahlungsmittel" ignorieren und den US-Dollar als heimliches Zahlungsmittel einführen!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%