Schattenrat
EZB-Zinserhöhungsplan stößt auf geteiltes Echo

Am Donnerstag wird der EZB-Rat über die Höhe des Leitzinses entscheiden. Eigentlich war eine Erhöhung angekündigt. Doch das war vor dem Beben in Japan mit all seinen Folgen. Im EZB-Schattenrat ist die Meinung geteilt.
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Frankfurt

Während viele deutsche Volkswirte eine schnelle Zinserhöhung für richtig halten, machen sich Experten außerhalb Deutschlands vor allem Sorgen um das Finazsystem und um die Konjunktur.Von den Mitgliedern des EZB-Schattenrats, einem 2002 gegründeten Gremium von 15 renommierten internationalen Ökonomen, stimmten nur drei für eine Zinserhöhung: Thomas Mayer von der Deutschen Bank, Jörg Krämer von der Commerzbank und Andrew Bosomworth von der Pimco in München. Die übrigen elf Mitglieder, die an der Abstimmung teilnahmen, sprachen sich gegen eine Zinserhöhung schon in dieser Woche aus.

"Wenn die Zinsen noch länger so niedrig bleiben, werden Unternehmen, Regierungen und Privathaushalte ihre Finanzierungsentscheidungen immer stärker auf der Annahme dauerhaft niedriger Zinsen gründen", warnt etwa Thomas Mayer. Wenn die Zinsen deutlich steigen müssen, um Inflationsgefahren einzudämmen, sei dann die Gefahr von Verwerfungen groß. "Der Wirtschaft im Euroraum geht es nicht mehr schlecht genug, um einen Leitzins von nur einem Prozent zu rechtfertigen", setzt Jörg Krämer hinzu.

Außerhalb des deutschen Sprachraums werden eher die Risiken betont, denen Konjunktur und Finanzsystem derzeit ausgesetzt sind. "Solange selbst Länder wie Spanien jederzeit wieder einen Vertrauensverlust erleiden könnten, der unser ganzes Finanzsystem gefährdet, kann ich eine Zinserhöhung nicht sinnvoll finden", sagte Jacques Cailloux von der Royal Bank of Scotland. Elga Bartsch von Morgan Stanley fügte hinzu, dass aller Voraussicht nach die Jahresteuerungsrate wieder deutlich sinken werde, wenn der scharfe Anstieg der Ölpreise der letzten Monate aus dem Vorjahresvergleich fällt.

Da die Lohnsteigerungen noch gering seien, sei auf absehbare Zeit keine Preis-Lohn-Spirale zu befürchten, betonten die Gegner eine Zinserhöhung. Deshalb gebe es für die EZB keinen Zeitdruck.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent

Kommentare zu " Schattenrat: EZB-Zinserhöhungsplan stößt auf geteiltes Echo"

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  • @ azaziel ein sehr guter aussagekräftiger Artikel so wie es beschrieben wurde ist die nun bald Realität wieder besseren Wissens haben aus reiner gier ein paar wenige einen zweiten Gau diesmal auf den Finanzsektor gestartet und den hat die Welt wirklich so noch nicht erlebt.

  • Vor einem Jahr hatten die PIGS Staaten nicht die noetige Liquiditaet um ihre Schulden bedienen zu koennen, was unter anderem auch an der erhoehten Zinslast lag. Heute sind diese Staaten und ihre Retter noch hoeher verschuldet.

    Erhoehen die Zentralbanken die Zinsen, werden die kritschen Staaten wiederum ihre Schulden nicht bedienen koennen. Fuer die anderen wird die Zinslast immer drueckender. Inzwischen steigt die Inflation wahrnehmbar. Auch die Retter muessen hoehere Zinsen zahlen, denn kein Anleger wird bei steigenden Inflationserwartungen niedrigverzinsliche Staatsanleihen kaufen wollen, auch keine deutschen.

    Will man also die Zinsen niedrig halten muss man auf die Finanzierung ueber den Markt verzichten. Staatsanleihen werden dann wohl von den Zentralbanken gekauft. Das ist eine weitere Erhoehung der Geldmenge mit entsprechendem Schub fuer die Inflation. Wenn man nicht einen anderen exotischen Ausweg findet (z.B. Zwangsanleihen fuer Vermoegende), werden die Zentralbanken weiter Geld pumpen um die Zinsen niedrig zu halten. Eine symbolische Zinserhoehung um 25 Basispunkte aendert an diesem Sachverhalt nichts.

    Die Zentralbanken werden allmaehlich die Faehigkeit zur Zinsgestaltung verlieren. Schliesslich werden sie auch die Kontrolle ueber die Inflation verlieren. Die Inflationspirale wird sich teuflisch und immer schneller drehen. Vielleicht kommt dann eine schmerzliche Waehrungsreform mit viel Armut und Verlust – auch fuer die Reichen, die dann ihren Goldhort aufgeben muessen und fuer ihre Immobilien einen Lastenausgleich zahlen muessen. Im schlechtesten Fall verlieren wir unsere freie Wirtschaftsordnung.

    Vor einem Jahr standen wir vor dem Abgrund. Heute sind wir einen Schritt weiter!

  • END THE FE...ähhh ich meine EZB.

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