Schattenrat stimmt EZB-Politik zu
Markt erwartet Zinssignal

Die meisten Finanzmarktteilnehmer und Analysten rechnen fest damit, dass der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet die Öffentlichkeit am Donnerstag auf eine Zinserhöhung Anfang Oktober einstimmen wird.

HB FRANKFURT. Seit Dezember hat die EZB in vier Schritten ihren Leitzins von zwei auf drei Prozent hochgeschleust. Obwohl eine fortgesetzte Straffung der Geldpolitik in Europa im Gegensatz zu zunehmenden Zinssenkungserwartung für die USA steht, findet sie breite Unterstützung in Expertenkreisen. Eine große Mehrheit der Mitglieder des EZB-Schattenrats vertrat auf seiner jüngsten Sitzung die Ansicht, dass die Leitzinsen aus heutiger Sicht noch weiter steigen müssten. Das Gremium, dem achtzehn renommierte Volkswirte aus Banken, Hochschulen und Forschungsinstituten angehören, gibt seit November 2002 regelmäßig Zinsempfehlungen für den Euroraum.

Gleichzeitig sprach sich die große Mehrheit der Mitglieder gegen eine Beschleunigung des Straffungskurses aus. Mit 14 zu drei Stimmen votierte das Gremium für die Empfehlung an die EZB, auf der nächsten Sitzung nicht bereits wieder den Leitzins anzuheben. „Mittelfristig wird die EZB den Leitzins weiter erhöhen müssen. Dies schon nächste Woche zu tun wäre aber übereilt und unnötig, weil sich die Inflation in nächster Zeit nicht beschleunigen dürfte“, sagte Daniel Gros, Direktor des Brüsseler Forschungsinstituts CEPS im Sinne dieser Mehrheit.

Drei Schattenräten ist das Tempo in dem die Notenbank den Leitzins in Richtung auf ein „normaleres“ Niveau anhebt, allerdings zu langsam. Sie empfehlen der EZB bereits auf der nächsten Sitzung ihren Leitzins auf 3,25 Prozent oder gar 3,5 Prozent anzuheben. „Die Geldpolitik sollte sich nicht zu sehr nach kurzfristigen Konjunkturzyklen richten, zumal Geldmenge und Kreditvolumen weiterhin deutliche stärker wachsen als die Wirtschaft insgesamt“, sagte Thorsten Polleit, Deutschland-Volkswirt von Barclays Capital und Mitglied der monetaristisch orientierte EZB-Beobachtergruppe ECB Observer.

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