Schere zwischen der Angebots- und Nachfragekurve für Öl öffnet sich weiter
Energiepreise außer Kontrolle

Die stark gestiegenen Ausgaben für Öl und Gas lösen weltweit Proteste in der Bevölkerung aus. Die Politik agiert hilflos. Mögliche Steuererleichterungen und Subventionen vergrößern das Problem der schwindenden Ressourcen. Die Macht des Ölkartells wächst.

LONDON. Der Aufruhr kennt keine Grenzen: Die Fischer streiken in Italien, Spanien und Portugal, Bauern protestieren in Frankreich, Lastwagenfahrer blockieren englische Autobahnen. Europa hat die höchsten Benzinpreise der Welt, doch auch anderswo ist der Zorn über steigende Preise groß. Proteststreiks in Indien, Blockaden in Südkorea, Demonstrationen in Indonesien.

Kein Preis hat eine solche Signalfunktion für Konsumenten und Kleinbetriebe wie der Preis für Benzin und Diesel. Durch ihn wirken die rapide steigenden Rohölpreise direkt auf den Endverbraucher. Doch die Treibstoffpreise sind auch politische Preise, in manchen Ländern durch Steuern aufgebläht, in anderen durch Subventionen gedrückt. Das macht die Proteste verständlicher - der Benzinpreis ist ein politischer Preis, weil der Staat ihn manipuliert.

Kein Wunder, dass sich Regierungen weltweit zu Reaktionen herausgefordert sehen. In Österreich hat die Regierung bereits eine Anhebung der Pendlerpauschale versprochen. Die britische Regierung hat ihre Heizkostenhilfen für Einkommensschwache erweitert und denkt darüber nach, auf die geplante Anhebung der Kfz-und Benzinsteuer zu verzichten. Auch in Italien und Frankreich wollen die Regierungen den Bürgern helfen.

So verständlich das aus kurzfristigen politischen Erwägungen sein mag: Die relativ hohen Energiepreise in Europa haben in den vergangenen Jahrzehnten entscheidend dazu beigetragen, dass die Ölnachfrage des Kontinents trotz steigender Wirtschafts- und Fahrleistung von 1980 auf 2006 um rund drei Prozent zurückging. Hohe Preise reizen den Verbraucher zum sparsameren Umgang mit dem schwarzen Gold - das ist aktuell in den USA zu beobachten, wo der lange Boom der Geländewagen und Kleinlaster abrupt zu Ende ging. Hier lag der aktuelle Verbrauch laut Energieministerium im Mai um ein Prozent niedriger als vor einem Jahr.

Das Problem ist nur, dass die sinkende Nachfrage in Europa, Japan und jetzt auch in Nordamerika von dem steigenden Bedarf in China, Indien und anderen Schwellenländern mehr als kompensiert wird. Hier steigt die Nachfrage ungebrochen, und eine der Ursachen dafür ist, dass viele dieser Länder Treibstoff subventionieren, im Gegensatz zu Europas Regierungen also per Staatseingriff verbilligen.

Seite 1:

Energiepreise außer Kontrolle

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Seite 5:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%