Schlechte Bilanz
Meltzer: IWF soll Armutsbekämpfung aufgeben

Allan H. Meltzer sieht im Internationalen Währungsfonds einen schlechten Anwalt der Armen. Trotz aller Instrumente zur Armutsbekämpfung sei die Bilanz des IWF auf diesem Gebiet „erschreckend“. Die passenden Ratschläge zur Verbesserung hat der US-Ökonom auch parat.

HB WASHINGTON. Der Internationale Währungsfonds (IWF) steuert nach Ansicht des US-Ökonomen Allan H. Meltzer in die falsche Richtung. „Das größte Problem des IWF besteht heute darin, dass der Fonds seine Funktion verloren hat - und dass er keine neue findet“, sagte der Geldmarkttheoretiker dem Handelsblatt (Dienstagsausgabe).

Meltzer leitete die nach ihm benannte Kommission, die im Jahr 2000 umfassende Reformvorschläge für den IWF vorlegte. Äußerungen des designierten IWF-Chefs Dominique Strauss-Kahn, dass man den Armen mehr helfen müsse, indem man ihnen Geld leiht, zeigten, dass der Fonds sich in die falsche Richtung bewege: „Man hilft den armen Ländern tatsächlich am besten dadurch, indem man sie dazu bringt, ihren innenpolitischen Kurs zu ändern. Das heißt: Den Markt zu öffnen, Recht und Gesetz Geltung zu verschaffen, weniger korrupt und dafür offen und attraktiv zu sein für Auslandsinvestitionen“, sagte Meltzer.

China und Indien hätten die Armut in ihren Ländern in einem Jahr stärker reduziert als dies dem IWF in 40 Jahren gelungen sei. Meltzer empfiehlt dem IWF, das Arbeitsfeld der Armutsbekämpfung komplett aufzugeben, weil der Fonds hier in der Vergangenheit nur eine „erschreckende“ Bilanz aufzuweisen habe. Stattdessen sollte sich die Organisation auf ihre Stärken konzentrieren - die Menge und Qualität von Finanzinformationen zu verbessern und auf Abruf für jene Länder zur Verfügung zu stehen, die in Not geraten. Vor allem müsse der Währungsfonds sich aber um seine Finanzierungsprobleme kümmern, so Meltzer: „Der IWF kann nicht mit den Problemen anderer umgehen, bevor er nicht seine eigenen Probleme angepackt hat.“

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