Schlechtere Wirtschaftslage
Konjunkturkrise: Voll erwischt

Der deutschen Wirtschaft geht die Luft aus. Schon 2009 könnte die Arbeitslosigkeit wieder steigen. Wie andere europäische Länder denkt auch die Regierung in Berlin an Gegenmaßnahmen. Tatsächlich haben die jüngsten Konjunkturindikatoren die Bundesregierung in Alarmbereitschaft versetzt.

FRANKFURT/BERLIN. Dieser Mann weiß, wovon er spricht. Alan Greenspan leitete erst wenige Wochen die US-Notenbank Fed, als er die US-Finanzkrise 1987 managen musste. Zehn Jahre später steuerte Greenspan die Weltwirtschaft sicher durch die Finanzmarktturbulenzen in Asien. Und jetzt sieht Greenspan die Weltwirtschaft erneut vor großen Herausforderungen. "Diese Krise ist anders - ein Ereignis, wie es ein oder zwei Mal pro Jahrhundert vorkommt, tief verwurzelt in den Ängsten vor der Insolvenz großer Finanzinstitutionen", prophezeit der einst mächtigste Notenbanker der Welt.

Wegen der US-Immobilienkrise droht nicht nur ein Absturz der US-Wirtschaft. Nach Einschätzung des inzwischen pensionierten Greenspans muss sich auch Deutschland auf eine Rezession gefasst machen.

Tatsächlich haben die jüngsten Konjunkturindikatoren die Bundesregierung in Alarmbereitschaft versetzt. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) arbeitet mit Hochdruck an einem Rettungspaket für die Konjunktur. Im Mittelpunkt steht die Beseitigung der kalten Progression. Kostenpunkt: zwischen zehn und zwölf Mrd. Euro. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) sorgt sich dagegen um seine schönen Pläne für den Schuldenabbau, und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) fürchtet steigende Arbeitslosenzahlen im Wahljahr 2009.

Führende deutsche Ökonomen rechnen in den kommenden Monaten sowie 2009 mit einer deutlich schlechteren Wirtschaftslage. "Ich kann eine Rezession in Deutschland nicht mehr ausschließen", sagte Gustav Horn, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), dem Handelsblatt. Man dürfe das zweite Quartal zwar nicht überbewerten, auch wenn es sehr schlecht gelaufen sein dürfte - schließlich sei es größtenteils eine technische Reaktion auf das Vorquartal. Das war wegen des Auslaufens steuerlicher Vorteile und guter Wetterbedingungen für die Bauwirtschaft sehr positiv ausgefallen. "Sorgen bereiten uns allerdings vor allem die Aussichten auf das dritte und vierte Quartal", sagte Horn.

Viele vorlaufende Indikatoren wie die offenen Stellen am Arbeitsmarkt haben sich zuletzt schlecht entwickelt. Und der wichtigste deutsche Stimmungsindikator, der Ifo-Geschäftsklimaindex, war im Juli so stark gesunken wie bislang nur einmal in der seit 1991 laufenden Geschichte des Barometers, im Herbst 2001. "Die Finanzmarktkrise und der starke Euro wirken sich härter und später auf die deutsche Wirtschaft aus, als wir bislang angenommen haben", sagte Horn. Die Zunft der Ökonomen habe sich "im Timing verschätzt".

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