Schnellere und härtere Reformen gefordert
IWF-Chef Rodrigo Rato im Interview

Das Handelsblatt sprach mit IWF-Chef Rodrigo Rato über die deutsche Wachstumsschwäche, Ölpreis-Risiken und den Stabipakt. Lesen Sie hier das Interview im Wortlaut:

Der Ölpreis steigt und steigt. Ab welcher Höhe ist das Wachstum der Weltwirtschaft ernsthaft gefährdet?

Die Ölpreise haben das Wachstum im vergangenen Jahr einen Viertel- bis einen halben Prozentpunkt gekostet. Das wurde jedoch durch günstige Faktoren wie den Aufschwung in Asien oder die hohe Liquidität ausgeglichen. Der neueste Ölpreisschub ist vor allem auf eine gestiegene globale Nachfrage zurückzuführen: Deshalb sind damit weniger Störungen verbunden als bei den Preissteigerungen in der Vergangenheit, die in erster Linie durch Engpässe beim Angebot hervorgerufen wurden.

Wie sehen Ihre Prognosen für den Ölpreis aus?

Wir haben unser Kalkulation für den durchschnittlichen Ölpreis im Jahr 2005 deutlich nach oben revidiert. Im vergangenen September lag unsere Hochrechnung noch bei 37,30 Dollar. Im März sind wir auf 46,50 Dollar gegangen. Und jetzt haben sich unsere Schätzungen auf der Basis der Terminmärkte bei einem Durchschnittspreis von 51,90 Dollar eingependelt. Auch in diesem Jahr wird der hohe Ölpreis das Wachstum der Weltwirtschaft um mindestens 0,25 bis 0,50 Prozent reduzieren. Darüber hinaus sind die Preise zum Teil wieder angestiegen, vor allem in den Entwicklungsländern. In den industrialisierten Staaten sehen wir hingegen keinen hohen Inflationsdruck. Hier wirken zudem der effizientere Energieverbrauch sowie die höhere Glaubwürdigkeit der Zentralbanken entlastend.

Würden Sie von einem Risiko sprechen?

Die hohen Ölpreise sind ein zunehmendes Abwärtsrisiko. Das Gleiche gilt für die wachsenden globalen Leistungsbilanz-Defizite, die Kluft bei Wachstum und Sparraten. Asien, China und die USA verfügen über eine dynamische Konjunktur - Europa und Japan hinken dagegen hinterher. In Asien und Russland werden Währungsreserven angehäuft, während in den USA die Defizite weiter steigen. Bislang ist es der Welt gelungen, diese Ungleichgewichte in einer geordneten Weise zu absorbieren: Der Dollar wurde ohne größere Brüche abgewertet, es gab keine negativen Auswirkungen auf die Zinsen. Wenn hingegen Ölpreise, Inflation oder Devisen-Bewegungen abrupte Veränderungen auslösen, könnte sich die Lage dramatisch verschlechtern.

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