Schnelltender
EZB greift in Finanzmarktkrise ein

Die US-Hypothekenkrise erreicht den europäischen Geldmarkt. Die EZB hat mit einem Schnelltender 94,8 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt, um frisches Geld in den Markt zu pumpen. In den USA kam es ebenfalls zu heftigen Reaktionen auf die angespannte Liquiditätssituation.

HB FRANKFURT. Die Laufzeit der Offenmarktkredite betrage einen Tag, der Festzinssatz liege bei vier Prozent, teilte die Europäische Zentralbank (EZB) mit. Die EZB erhielt Gebote von 49 Banken, alle abgegebenen Gebote erhielten einen Zuschlag.

„Diese Feinsteuerungsoperation dient dazu, normale Verhältnisse am Euro-Geldmarkt sicherzustellen“, erklärte die EZB. Schnelltender werden nur von Fall zu Fall angewandt, um unerwartete Liquiditätsschwankungen auszugleichen. Zwischen Bekanntgabe und Bestätigung liegen nur eine bis zwei Stunden.

Die Notenbank hatte den Kreditinstituten erst am Dienstag bei einem regulären Tendergeschäft 292,5 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Das Gesamtvolumen des in der Euro-Zone umlaufenden Geldes in der aktuellen Mindestreserveperiode bezifferten Tagesgeldhändler heute auf rund 440 Milliarden Euro. In der Nacht hatte bereits die Schweizer Nationalbank ihren heimischen Geldhäusern frische Liquidität angeboten.

Die Nervosität am Geldmarkt wurde von verschiedenen Gerüchten geschürt. Es kursierten Spekulationen, wonach Banken Positionen in US-Dollar nicht glattstellen könnten und Liquidität im Euro gesucht hätten. Zudem kamen Befürchtungen über eine weitere Subprime-Schieflage im Bankensektor auf.

Die Furcht der Banken vor weiteren Turbulenzen hatte zum Abzug von Geld aus dem Kreislauf geführt und den Zinssatz für Tagesgeld kurzfristig bis auf 4,70 Prozent nach oben getrieben. Daraufhin hatte die EZB angekündigt, gegebenenfalls schnell zu handeln, um die Funktionsfähigkeit der Märkte zu sichern.

„Das Vertrauen ist gestört und es bleibt zu hoffen, dass die Zentralbanken das ihnen mögliche tun, um es wieder herzustellen“, sagte ein Geldmarkthändler einer deutschen Großbank. „Was wir sehen ist eine Verteilungskrise, noch keine Liquiditätskrise. Einige sitzen auf Geld, das andere wollen, und das führt zu sehr deutlichen Ungleichgewichten.“

In den USA reagierte der Geldmarkt ebenfalls heftig auf die angespannte Liquiditätssituation. Der Tagesgeldsatz für Dollar-Geschäfte sprang auf bis zu 5,80 Prozent und lag damit rund 60 Ticks höher als tags zuvor. So stark hatte er zuletzt vor acht Jahren geschwankt. Der Leitzins in den USA liegt derzeit bei 5,25 Prozent.

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