Schrittweiser Aufschwung möglich
Schröder und Issing verbreiten Konjunkturoptimismus

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Ottmar Issing, haben sich zuversichtlich über die Aussichten auf eine Erholung der Wirtschaft geäußert. Schröder sagte der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ laut Vorabbericht vom Samstag, immer mehr wirtschaftliche Kennziffern und Prognosen nationaler und internationaler Institute deuteten auf eine konjunkturelle Belebung hin.

Reuters BERLIN. Die Stimmung in der Wirtschaft habe sich aufgehellt, das Konsumklima habe sich deutlich verbessert. „Diese erfreulichen Zeichen geben Anlass zur Zuversicht, dass insbesondere ab dem nächsten Jahr die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland wieder deutlich nach oben geht“, sagte der Kanzler. Issing schrieb in einem Gastbeitrag für die Zeitung „Bild am Sonntag“, nach den wachstumshemmenden Unsicherheiten der vergangenen Monate und Jahre seien jetzt die Weichen für einen schrittweisen Aufschwung bei stabilen Preisen gestellt.

In der abgelaufenen Woche hatten sowohl ein leicht gestiegener Ifo-Geschäftsklimaindex, ein kräftig gestiegener Reuters-Einkaufsmanagerindex sowie ein gestiegenes Verbrauchervertrauen die Hoffnung auf eine baldige Erholung der deutschen Wirtschaft genährt. Unterstützt wurde diese Hoffnung auch durch ein stärker als erwartetes Wirtschaftswachstum in den USA im zweiten Quartal.

Schröder sagte, um die positive Entwicklung zu unterstützen und zu verstärken, komme es jetzt darauf an, noch in diesem Jahr die von der Regierung beschlossenen politischen Strukturmaßnahmen und das Vorziehen der Steuerentlastungen endgültig auf den Weg zu bringen. Die Union dürfe dies mit ihrer Mehrheit im Bundesrat nicht zerreden oder blockieren. Das Münchner Ifo-Institut hatte am Donnerstag wegen der angekündigten Steuererleichterungen seine Wachstumsprognose für dass kommende Jahr auf 1,7 von 1,5 % erhöht.

Issing schrieb, das Vertrauen von Verbrauchern und Unternehmen sollte allmählich wieder steigen. Die Inflationsrate in der Euro-Zone werde im kommenden Jahr unter zwei Prozent bleiben, was die Kaufkraft stärke, und die Zinsen seien niedriger denn je, was die Investitionen begünstige. „Wenn jetzt auch die Weltwirtschaft wieder Tritt fasst, dann ist moderater Konjunkturoptimismus durchaus angebracht.“ Da Risiken für eine weniger positive Entwicklung aber nicht zu übersehen seien, sollte Europa sich nicht auf Wirtschaftsimpulse von außen verlassen. „Es muss sich endlich auf eigene Stärken besinnen.“

Um die längerfristigen Wachstumsaussichten stehe es allerdings nach wie vor nicht zum Besten, schrieb Issing. „Ohne grundlegende Reformen, insbesondere auf dem Arbeitsmarkt, wird die Arbeitslosigkeit hoch und das Wachstum schwach bleiben.“ Deutschland müsse vom Schlusslicht in Europa wieder zum Wachstumsmotor werden.

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