Schuldenkrise
Die USA prassen weiter, Europa spart

Die lahmende Konjunktur lässt Amerikaner und Europäer verzweifeln. In den USA hat Präsident Obama ein weiteres "Stimulusprogramm" angekündigt. Doch es herrscht Uneinigkeit, ob das der richtige Weg ist.

WashingtonWirtschaftspolitisch verbindet die USA und Europa eine Gemeinsamkeit: Diesseits und jenseits des Atlantiks wird verzweifelt nach einem Rezept gegen die lahmende Konjunktur gesucht. Der amerikanische Präsident Barack Obama hat zwar letzte Woche für die USA ein massives neues Stimulusprogramm angekündigt. Doch noch immer gibt es in Washington keine Einigkeit, ob dies tatsächlich der richtige Weg aus der Wirtschaftsflaute ist.

Den Europäern geht es nicht anders. Auf dem Treffen der G7-Finanzminister am Wochenende in Marseille einigte man sich daher lediglich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner: Jedes Land solle tun, was es für richtig hält. Beschlossen wurde nichts.

Obama hatte in seiner Rede vor beiden Häusern des US-Kongresses darauf gedrängt, ein staatliches Investitionsprogramm von rund 450 Milliarden Dollar zu verabschieden. Damit sollen Infrastrukturprojekte finanziert, entlassene Lehrer und Polizisten wieder in Arbeit gebracht und mit Steuererleichterungen solche Arbeitgeber belohnt werden, die Jobsuchenden eine Chance geben.

Doch die Begeisterung über Obamas Pläne ist begrenzt. Zum einen, weil es bereits 2009 ein rund doppelt so großes Konjunkturprogramm gegeben hatte, dessen Effekte nach weniger als zwei Jahren wieder verpufft waren. Zum anderen, weil sich die grundsätzliche Frage stellt, ob sich eine Konjunkturkrise wie die gegenwärtige überhaupt mit keynesianischen Maßnahmen beheben lässt.

Dieser Zwiespalt war auch einer Stellungnahme der G7-Finanzminister anzumerken. Dort hieß es nur, dass man eine "starke Antwort" auf die Konjunkturschwäche geben, Defizite abbauen, Vertrauen schaffen und koordiniert vorgehen wolle. Allerdings handelte es sich dabei nur um "Zielvorgaben" - nicht um eine Abschlusserklärung. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hatte schon vor dem G7-Treffen Forderungen vor allem der Amerikaner und des Internationalen Währungsfonds (IWF) nach "mutigen" Konjunkturspritzen zurückgewiesen.

In den USA machte nur wenige Stunden nach der Obama-Rede die Wirtschaftswissenschaftlerin Carmen Reinhart ihre Zweifel deutlich. Reinhart, die mit dem Harvard-Professor Ken Rogoff 2008 den Zusammenhang zwischen Schulden und Wirtschaftswachstum untersucht hatte, sieht die USA in eben dieser Schuldenfalle. Hätten die Schulden einmal die Schwelle von 90 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) überschritten, dann drücke dies das Wachstum um mindestens ein Prozent. Der Grund sei die Angst, dass die Verschuldung eines Tages von Steuerzahlern und Firmen beglichen werden müsse - und in der Folge die Investitionsbereitschaft sinkt.
Über den Erfolg eines Stimulus wird gestritten.

Seite 1:

Die USA prassen weiter, Europa spart

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%