Schuldenkrise
G20 verdoppeln Schlagkraft des IWF

Der internationale Währungsfonds erhält mehr Mittel zur Bekämpfung der Schuldenkrise. An dem zweiten Rettungsschirm beteiligen sich auch die Schwellenländer. Die Europäische Union zeigt sich erleichtert.
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WashingtonDer Internationale Währungsfonds (IWF) erhält im Kampf gegen die Schuldenkrise mehr Geld. Die führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) verständigten sich am Freitag in Washington darauf, die globale „Feuerkraft“ des Weltwährungsfonds um mehr als 430 Milliarden US-Dollar aufzustocken. Damit wird neben dem Ende März erhöhten Schutzwall um die Euro-Länder ein weiterer Rettungsschirm im Umfang von einer Billion US-Dollar für kriselnde Länder aufgespannt.

Bei der Aufstockung der Krisenabwehrmittel des Währungsfonds werden jedoch möglicherweise nicht alle G20-Länder mitziehen. Widerstand gab es zuletzt von den USA sowie einigen Schwellenländern. Die Euro-Länder hatten bereits 150 Milliarden Euro zugesagt und damit etwa die Hälfte der neuen Finanzspritze. Deutschland steuert über die Bundesbank 41,5 Milliarden Euro bei. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte zuvor eine breite Beteiligung der Geldgeber angemahnt.

Die G20-Länder sind größte Geldgeber und Anteilseigner des IWF. Mit der Mittelaufstockung wird das Volumen möglicher Notkredite der Finanzfeuerwehr für angeschlagene Länder von zuletzt 380 Milliarden Dollar etwa verdoppelt. Einschließlich verplanter Hilfen erhöht ich damit der globale IWF-Schutzwall auf mehr als eine Billion Dollar.

„Dies ist das Ergebnis einer umfassenden internationalen Zusammenarbeit, die eine signifikante Zahl an Ländern einschließt“, heißt es zur Mittelaufstockung in einer Erklärung der G20, die am Rande der Frühjahrstagung des IWF zusammenkamen. Auf Länder aufgeschlüsselt wird der Betrag nicht. Die Zusatz-Gelder seien nicht an Regionen gebunden und stünden allen 188 IWF-Mitgliedern zu.

Den Löwenanteil der 430 Milliarden Dollar stemmt mit rund 200 Milliarden die Euro-Zone. Japan steuert rund 60 Milliarden bei. Von Südkorea, Saudi-Arabien und Großbritannien kommen jeweils 15 Milliarden Dollar. Die USA und Kanada beteiligen sich wie zuvor angekündigt nicht.

Insgesamt 72 Milliarden Dollar stemmen auch die wirtschaftlich aufstrebenden BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China. Diese Länder haben sich offensichtlich noch nicht untereinander einigen können, wie viel jeder tatsächlich geben wird: China und Russland hatten vor dem G20-Treffen ihre grundsätzliche Bereitschaft signalisiert, sich an der Aufstockung zu beteiligen. Aus chinesischen Finanzkreisen war zu hören, dass China mindestens soviel wie Japan bereitstellen will, also 60 Milliarden Dollar.
Brasilien und Indien wollten sich vor der Tagung noch nicht beteiligen, haben sich aber offenbar von China und Russland umstimmen lassen. Sie müssen jetzt jedoch zunächst national klären, wie viel sie geben wollen. Malaysia, Thailand und Singapur wollen auch dabei sein - sie nannten aber noch keine konkreten Beträge.

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  • Es nimmt kein Ende. Immer neue Schulden, um die Zinsen der Altschulden aufbringen zu können.
    Selbst der Beitrag der hochverschuldeten Deutschen muß auf Pump finanziert werden. "Yes, we pay, Merkel"!
    Sind wir denn in einem Irrenhaus und werden von Geisteskranken regiert?

  • Peinlich für das Handelsblatt eine solche Ansammlung von unreflektierten Aussagen zusammenzuschreiben.

  • ... irgendwie komisch finde ich nur, daß ja eigentlich alles "absolut bestens" ist bzw. sich auf dem sicheren Weg dahin befindet. ... aber dezent panikartig muß mehr und mehr an "Sicherheiten" realisiert werden???

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