Schuldenkrise
IWF-Chef Strauss Kahn sieht Europa in „ernster Lage“

„Die Lage in Europa ist ernst“ – mit diesen Worten skizziert der IWF seinen Eindurck von der derzeitigen Euro-Schuldenkrise. Zugleich versicherte der Fonds, im Fall der Fälle als Rettungshelfer bereit zu stehen. Weniger schwarzseherisch gibt sich Bundeswirtschaftsminister Brüderle. Der FDP-Mann sieht Europa gut gewappnet – im Gegensatz zu den USA und Japan.
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HB DELHI/BERLIN. Der Fonds könne seinen Mitgliedern finanzielle und technische Unterstützung leisten, betonte IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn am Donnerstag bei einem Indien-Besuch in Neu-Delhi. „Die Lage in Europa ist ernst“, fügte er hinzu. Zuletzt hatten an den Märkten Spekulationen über massive Schritte zur Bekämpfung der Schuldenkrise in der Euro-Zone die Runde gemacht.

Die USA sind demnach Kreisen zufolge bereit, eine Ausweitung des Euro-Rettungsschirms über eine höhere Beteiligung des IWF zu unterstützen. Der IWF ist mit 250 Milliarden Euro an dem Schirm beteiligt, der zur Rettung von klammen Euro-Zonenländern aufgespannt wurde. Bislang hat Irland als einziger Staat der Währungsgemeinschaft Hilfen aus diesem mit insgesamt 750 Milliarden Euro gefüllten Topf beantragt. Zuletzt waren auch weitere Wackelkandidaten ins Visier der Märkte geraten - darunter Portugal und Spanien. Spaniens Regierungschef Jose Luis Rodriguez Zapatero schloss in einem Interview mit dem US-Sender CNBC erneut aus, dass sein Land unter den Rettungsschirm schlüpfen werde.

Angesichts des Marktdrucks auf die Schuldenstaaten der Euro-Zone erwägen die Regierungen ein Gipfeltreffen. Aus spanischen Regierungskrisen verlautete, bei den Staats- und Regierungschefs sei ein baldiges Spitzentreffen im Gespräch. Dies sei allerdings davon abhängig, welche Signale von der EZB-Sitzung ausgingen. „Falls das Signal der EZB unzureichend ausfallen sollte, steigt die Notwendigkeit eines Treffens. Das Ergebnis des EZB-Treffens kann die Dinge verändern“, hieß es weiter. An den Märkten wird darauf spekuliert, dass sich die EZB auf ihrer Zinssitzung dazu durchringt, ihr umstrittenes Staatsanleihen-Ankaufprogramm auf weitere unter Druck stehende Länder wie etwa Spanien auszuweiten. Dafür hatte sich erst am Mittwochabend der Zinssitzung EU-Währungskommissar Olli Rehn ausgesprochen.

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle sieht derweil die USA und auch Japan auf einem falschen Kurs in der Geld- und Konjunkturpolitik. „Ich sehe die Gefahr sehr groß, dass es unsere amerikanischen Freunde übertreiben“, sagte Brüderle am Donnerstag in Berlin. „Die Amerikaner produzieren permanent Liquidität“, klagte er. Und auch Japan befinde sich auf einem ähnlichen Weg, den er für falsch hält. „Die Konsolidierung des Haushalts, nicht das Gelddrucken, ist ein nicht-keynesianisches Wachstumsprogramm“, sagte er. „Das permanente Drucken von Geld ist nicht die Lösung.“ Der Minister sagte, er glaube, es sei Zeit für eine Umkehr nach den krisenbedingten expansiven Liquiditäts- und Konjunkturprogrammen, nicht nur in Deutschland.

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Kommentare zu " Schuldenkrise: IWF-Chef Strauss Kahn sieht Europa in „ernster Lage“"

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  • Wieso kloppen wir nicht den ganzen Schlipsträgern und Finanzdienstleistern in London und USA auf die Rübe?
    Schröder und Fischer sind dank üppiger Pensionen und diverser beraterverträge auch gut im Geschäft und können für ihren angerichteten Müll bezahlen.
    Dann wären da ja noch ein paar "SED DDR Milliarden"
    von denen ein Gysi die Kontonummern in der Schweiz kennt.

    Wäre das nix Herr Finanzklabautermann?

  • brüderle hat völlig Recht, wenn er das Vorgehen der USA anprangert. Leider begibt sich die EZb Schritt für Schritt weiter auf diesen falschen Weg der Monetarisierung von Staatsschulden der PiiGS. Soeben beschloß laut Trichet die EZb, damit weiter zu machen, obgleich Trichet zuvor angekündigt hatte, das Gegenteil heute verkünden zu wollen. Strauss-Khan vom iWF stößt in dasselbe Horn wie US-Fed und -Regierung: EU erhält noch mehr Geld (=Kredit) c/o iWF; erwartet wird jedoch die Fortsetzung und Ausweitung der EZb-Käufe bei den Anleihen der Pleitekandidaten der EU. Wie zu beobachten läuft Trichet in die Richtung, in welche die neuen US-Zügel ihn lenken. Ein trauriges bild und höchst gefährlich für Deutschland, Europa und auch die PiiGS ebendort. brüderle sieht das Problem, vermag dagegen jedoch nichts auszurichten, solange Merkel und ihr hlg. Geist Schäuble nicht aktiv werden. Frankreich als perspektivistisch weiterer Wackelkandidat kann da nicht hilfreich werden.

  • brüderle: "Der Minister sagte, er glaube, es sei Zeit für eine Umkehr ..."
    Welche Umkehr meint der wohl? Für Nebelkerzen bezahlen wir ihn nicht!

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