Schuldenkrise
IWF warnt zaudernde Griechen-Retter vor Crash

Das zögerliche Handeln der Politik in der Griechenland-Krise hat den IWF aufgeschreckt. Der Fonds hält die aufgeschobene Lösung für Athen für gefährlich. Stecken sich auch Kernländer der Eurozone an?
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Berlin/WashingtonDer IWF dringt auf ein rasches Ende der Diskussion über eine Umschuldung von Krisenländern wie Griechenland. „Es wird entscheidend sein, die unproduktive Debatte über eine sanfte oder harte Umschuldung schnell zu beenden“, heißt es in einem am Montag veröffentlichten Sonderbericht des Internationalen Währungsfonds (IWF) zur Euro-Zone. Zudem müsse der Eindruck vermieden werden, als würden Finanzhilfen unter dem geplanten neuen dauerhaften Euro-Rettungsmechanismus ESM an die Voraussetzung einer Umschuldung gekoppelt.

Zugleich warnte der Fonds in dramatischen Formulierungen vor den Ansteckungsgefahren der Krisen in EU-Randländern wie Griechenland auf die Weltwirtschaft. „Angesichts der tiefen fiskalpolitischen und finanziellen Verflechtungen könnte ein Misserfolg beim Bemühen, entschiedene Anti-Krisenmaßnahmen zu ergreifen, schnell auf die Kernländer der Euro-Gruppe übergreifen und auch große weltweite Ansteckungswirkungen auslösen“, heißt es in dem Bericht.

Notwendig sei daher in der aktuellen Lage ein starkes politisches Handeln der betroffenen Krisenländer in Europa. Flankiert werden müsse das von einem wirklich verbindlichen Hilfsansatz der anderen Euro-Länder. Dabei ständen die politisch Handelnden vor der Schwierigkeit, dass erhebliche Unsicherheit über den Ausgang der Krisenbekämpfung bestehe.

Mit Blick auf Griechenland und andere Krisenländer in der Euro-Zone forderte der IWF von dem Betroffenen die verbindliche Zusicherung, wirtschaftliche Anpassungsprogramme voranzutreiben. Gemeint sind sowohl Strukturreformen, die Öffnung für mehr Wettbewerb, Privatisierungen von Staatsbetrieben aber auch weitere finanzielle Hilfen von anderen Mitgliedern der Eurozone. Eine schnelle Implementierung der EFSF, der Europäischen Finanzstabilisierungsfazilität, würde das nötige Signal aussenden, das die Mitglieder der Euro-Zone bereit seien, „alles zu tun, was erforderlich ist“, um die Stabilität der Eurozone zu sichern. Es seien weitere Finanzhilfen der Euro-Länder nötig.

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  • Griechenland macht nur 3% der Eurozone und soll sich wirtschaftlich in keinem katastrophalen Zustand befinden(2010, Zitat Prof. Jean-Paul Fitoussi, Wirtschaftsberater des franz. Staatspräsidenten). Ich verstehe daher die Aufregung nicht!
    Das einzige Problem den die Griechen haben ist die Klientelpolitik, Korruption und die Schattenwirtschaft, wodurch dem griechischen Staat Steuereinnahmen von rund 20 Mrd. Euro jählich entgehen. Diesen Sumpf müssen die Griechen selbst mit mehr Sinn für das Gemeinwohl austrocknen. In dieser Stunde hat allein das griechische Volk hat sein Schicksal selbst in der Hand. Jeder Euro den die Griechen jetzt an Schulden neu aufnehmen wird Ihnen eher schaden und zukünftigen Generationen eine nicht tragbare Bürde sein.

  • Der IWF fürchtet inzwischen um seine eigene Glaubwürdigkeit und um seine Mittel, die sind auch weg, wenn die Griechen Insolvenz erklären und eine Währungsreform durchführen. Deshalb das Gezeter. Kein Staat außerhalb der EU ist von einer Griechen-Pleite wrilich betroffen, nur diverse Banken und einzelne Unternehmen, die in Vorleistungen gegangen sind. Fraucksausen, wei Ackermann...

  • Diese Warnung ist zutreffend.Sie ändert aber nichts daran, dass die grundlegenden Probleme auch bei neuen Hilfskrediten ungelöst bleiben:
    Die grundlegenden Konstruktionsfehler der Währungsunion, das Fehlen wirksamer,sanktionsbewehrter Instrumente gegen fehlende Haushaltsdisziplin, die Unfähigkeit von 17 Euroländern,EZB und Kommission zu einem koordinierten und überzeugenden Krisenmanagement. Dazu kommt noch die Grundsatzfrage, ob die verordneten Anpassungsprogramme politisch überhaupt durchsetzbar und geeignet sind, aufgestaute Strukturprobleme überhaupt zu lösen. Hierfür fehlt jedoch bislang jeder überzeugende Nachweis.Dies unterminiert jedoch die Zuversicht, dass die Wirtschaftsprobleme damit gelöst werden können.
    Ohne Umschuldung und eine Neuadjustierung der Anpassungsprogramme wird Griechenland nicht mehr auf die Beine kommen!

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