Schuldenkrise
US-Notenbank muss Farbe bekennen

Analysten erwarten von Fed-Chef Ben Bernanke angesichts der Marktturbulenzen klare Worte. Die Nullzinspolitik dürfte bis 2013 Bestand haben. Spannend bleibt, ob die US-Notenbank weitere Staatsanleihen kauft.
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Washington/FrankfurtAngesichts der Kurseinbrüche an den Aktienmärkten rechnen Experten mit einer deutlicheren Sprache der US-Notenbank Federal Reserve nach der Zinssitzung heute Abend. Allerdings zweifeln einige Analysten auch daran, dass die Notenbank viel gegen die schlechte Stimmung an den Börsen ausrichten kann. Der Offenmarktausschuss (FOMC) dürfte bekanntgeben, für wie lange mindestens er den Leitzins bei praktisch null Prozent halten wird. Außerdem wird darüber spekuliert, dass die Federal Reserve ein drittes Programm zum Ankauf von Staatsanleihen beschließen könnte. Wenn die Notenbank Staatsanleihen oder andere Wertpapiere aufkauft, erhöht sie damit die in Umlauf befindliche Geldmenge. Das übt Druck auf den Dollar aus und könnte die Neigung der Banken zur Kreditvergabe erhöhen.

Nach dem Ende des Milliardenprogramms der Fed hieß es, die Bestände würden erst bei einer Konjunkturerholung wieder abgebaut. Die Fed hatte den Markt mit Geld überschwemmt und Anleihen im Volumen von 600 Milliarden Dollar (mehr als 400 Milliarden Euro) gekauft. Ende Juni wurde das umstrittene Fed-Programm, bereits das zweite dieser Art, wie geplant beendet.

Am Wochenende hatten Fed-Vorsitzender Ben Bernanke und Finanzminister Timothy Geithner bei Krisengesprächen der G-7-Staaten teilgenommen. In einer Erklärung der sieben führenden Industrienationen hieß es im Anschluss an die Telefonkonferenz, die G-7 stehe bereit, „alle notwendigen Maßnahmen zur Unterstützung der Finanzstabilität und des Wachstums“ zu ergreifen.

Weithin erwarten die Bankvolkswirte nun frühestens 2013 eine Abkehr der US-Notenbank von der Nullzinspolitik. „2012 kann die Fed die Zinsen noch nicht erhöhen“, schreiben übereinstimmend die Analysten der Helaba und von Barclays Capital unter Verweis auf die hohe Arbeitslosenquote und die schwache Konjunkturentwicklung. Die US-Bank Goldman Sachs hat ihre Wachstumsprognose für die USA kräftig nach unten revidiert. Sie erwartet nun im nächsten Jahr einen Anstieg der Arbeitslosigkeit auf 9,5 Prozent und ein Wirtschaftswachstum von lediglich gut zwei Prozent. Die Auswirkungen der Kursstürze gestern und heute sind dabei noch nicht berücksichtigt.

Der US-Chefvolkswirt von Unicredit, Harm Bandholz, kann sich zwar eine neue Runde von Anleihekäufen vorstellen, hält sie aber wegen der zuletzt gestiegenen Inflationsrate für unwahrscheinlich. Eher werde die Fed ankündigen, dass sie für längere Zeit Rückflüsse aus den früheren Käufen in Staatsanleihen anlegen und sich dabei eventuell stärker auf länger laufende Papiere konzentrieren werde. Das würde tendenziell die Langfristzinsen weiter drücken. „Es wird zwar nicht viel zur Verbesserung der Wirtschaftsbedingungen beitragen, aber es könnte die Stimmung verbessern“, meint Bandholz.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent
Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Mein Vorschlag:
    Jeder US-Bürger bekommt eine Schubkarre voll Dollarnoten?
    vom netten B.B. - das kurbelt die Binnenkonjunktur an,
    bringt Steuern in die leere US - Finanzkasse usw. das "PapierGeld" kommt also wieder zum Staat zurück!
    Die Spekulanten an der WallStreet "Börse" bekommen je 5 Schubkarren voll Dollarnoten? Bedingung: davon aber müssen mindestens 4 Schubkarren voll in US-Staatsanleihen investiert werden und der Rest in US Aktien.
    somit drohen der USA keine Zahlungsunfähigkeit mehr und die bösen Ratingagenturen müssen dann nur noch die Schubkarren zählen (sollten sich also nicht mehr verrechen) und feststellen : DIE USA hat Bestbonität AAAA*
    Dank Billionen gefüllter Schubkaren voll Dollars mit denen alle Gläubiger superschnell beliefert werden können.
    Die US-Army liefert diese, taggleich, kostenlos, mit ihren Transalls weltweit aus!
    Alle sind zufrieden, das eigene Volk (Konsumenten) die Börsenspekulanten, die Investoren u. Unternehmer, die Chinesen, die Europäer, das Militär, der Finanzminister, der Präsident und natürlich B.B.

  • Dem FED Privatbanksterkartell dürfte mittlerweile 2/3 von Amerika gehören........fortsetzung folg.
    Geld drucken zum Nulltarif, damit einkaufen gehen und noch Zins und Zinseszinsen kassieren.....

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