Schwache Auftragslage
Produktion in Deutschland weiter gesunken

Überraschenderweise ist die deutsche Produktion im September weiter auf breiter Front gesunken. Die Unternehmen des Produzierenden Gewerbes stellten saisonbereinigt 1,2 % weniger her als im August, wie das Bundeswirtschaftsministerium (BMWA) am Freitag mitteilte.

HB BERLIN. Die deutsche Produktion ist im September überraschend weiter auf breiter Front gesunken. Die Unternehmen des Produzierenden Gewerbes stellten saisonbereinigt 1,2 % weniger her als im August, wie das Bundeswirtschaftsministerium (BMWA) am Freitag mitteilte. Allerdings sei bei den vorläufigen Daten mit einer deutlichen Aufwärtskorrektur zu rechnen.

„Das ist auf jeden Fall eine Delle“, sagte Uwe Angenendt von der ING-BHF Bank mit Blick auf die wirtschaftliche Erholung. Allerdings deute das Ifo-Geschäftsklima nicht auf eine deutliche Abschwächung der Konjunktur hin. „Wir sind optimistisch, dass wir im vierten Quartal bei Produktion und Aufträgen wieder eine Aufwärtsentwicklung haben werden.“ Skeptischer äußerte sich Jens Kramer von der NordLB. „In diesem Jahr schleppen wir uns noch am Strohhalm der außenwirtschaftlichen Impulse über die Runden.“ Wenn Anfang 2005 nicht endlich der Funke vom Export auf die Binnennachfrage überspringe, werde die deutsche Wirtschaft im kommenden Jahr wohl noch nicht einmal ein Wachstum von ein Prozent erreichen.

Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt mit einem Produktionsanstieg um 0,4 % gerechnet, wobei selbst die pessimistischste Prognose nur einen Produktionsrückgang um 0,5 % vorhersagte. Schon im August hatte der Sektor 1,2 % weniger produziert. Im September lag die Produktion nach Reuters-Berechnungen auf Basis von Bundesbank-Daten um 2,5 % über dem September 2003. Zwischen Juli und September 2004 sank die Produktion im Vergleich zum zweiten Quartal um 0,5 %.

Mehrere Wirtschaftsindikatoren hatten zuletzt ein Abflauen der Wirtschaftserholung angedeutet. Die Reuters-Einkaufsmanagerindizes hatten sich überraschend abgeschwächt und die deutschen Industriefirmen hatten im September unerwartet weniger Aufträge erhalten.

Volkswirte reagierten unterschiedlich auf den jüngsten Produktionsrückgang. Während einige eine Abwärtsrevision ihrer BIP-Prognose für das dritte Quartal in Aussicht stellten, zeigten sich etwa Angenendt und Ralph Solveen von der Commerzbank weiterhin überwiegend optimistisch. „Ich wüsste auch nicht, warum der Aufschwung jetzt schon zu Ende gehen sollte, die Rahmenbedingungen sind eigentlich noch immer gut“, sagte Solveen. „Vielleicht ist das auch eine Korrektur nach dem starken Anstieg im Frühjahr.“ Kramer betonte, es werde auf die Impulse des Exportgeschäfts ankommen. „Wenn es in den USA eine leichte Abkühlung gibt, muss die Binnenwirtschaft einspringen. Das ist bisher aber nicht zu erkennen und das ist enttäuschend.“

Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) geht nach eigenen Worten nicht von einer Verlangsamung des Wirtschaftswachstums im dritten Quartal aus.

Innerhalb des Produzierenden Gewerbes reduzierte die Industrie ihre Produktion im September um 1,2 %, die Energiewirtschaft um 1,2 % und der Bau um 1,3 %. Im weniger schwankungsanfälligen Zwei-Monats-Vergleich August/September zu Juni/Juli sank die Produktion um 1,2 %. Die Industrieproduktion reduzierte sich hier um ein Prozent, die Energieerzeugung um 2,3 % und die Produktion im Bauhauptgewerbe um 1,9 %.

Unter den Industriesparten verbuchten die Hersteller von Konsumgütern im September ein Minus von 1,3 %, wobei die Hersteller von Gebrauchsgütern 3,7 % weniger herstellten und die Verbrauchsgüterproduzenten 0,8 % weniger. Investitionsgüterproduzenten stellten 1,1 % weniger her. Die Vorleistungsgüterproduzenten drosselten ihre Produktion um 1,2 %.

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