Schwache Konjunktur
Mehr als drei Millionen Franzosen ohne Arbeit

In Frankreich ist zum ersten Mal seit 13 Jahren die Marke von drei Millionen Arbeitslosen durchbrochen worden. Der Druck auf den neuen Präsidenten Francois Hollande steigt. Rufe nach Kurzarbeit werden lauter.
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ParisIn Frankreich gibt es erstmals seit 13 Jahren wieder mehr als drei Millionen Arbeitslose. Die psychologisch wichtige Marke wurde im August durchbrochen, wie das Arbeitsministerium am Mittwoch mitteilte. Die Zahl der Menschen ohne Job stieg demnach den 16. Monat in Folge.

Den erst seit wenigen Monaten amtierenden sozialistischen Präsidenten Francois Hollande setzt die Misere am Arbeitsmarkt zunehmend unter Druck, zumal zahlreiche Großkonzerne wie Carrefour oder Peugeot Massenentlassungen angekündigt haben. Rufe nach Kurzarbeit nach deutschem Vorbild wurden zuletzt lauter. Bis Jahresende sollen wichtige Reformen am Arbeitsmarkt besiegelt werden.

Insgesamt waren im August 3.011.000 Menschen arbeitslos. Das waren 23.900 mehr als im Vormonat und der höchste Stand seit Juni 1999. „Das ist schlecht, ganz klar schlecht“, kommentierte Arbeitsminister Michel Sapin die Zahlen. Er machte die Vorgängerregierung unter dem konservativen Präsidenten Nicolas Sarkozy für die desaströse Lage verantwortlich. „Es handelt sich im Kern um die drei Millionen Arbeitslosen, die wir bei Antritt vorgefunden haben“, sagte er dem Sender „France 2“.

Die hohe Arbeitslosigkeit drückt mittlerweile auch auf die Stimmung der Verbraucher. Das Barometer für das Konsumentenvertrauen sank im September um einen Punkt, wie das Statistikamt mitteilte.

Hollande hat am 9. September versprochen, den negativen Trend am Arbeitsmarkt bis 2013 umzukehren. Die Sozialpartner sind aufgerufen, sich bis Ende diesen Jahres auf wichtige Arbeitsmarktreformen zu einigen. Er sprach von einem „historischen Kompromiss“, der nötig sei.

Sein Industrieminister, Arnaud Montebourg, schlug am Dienstag vor, auch über Konzepte nach deutschem Vorbild wie Kurzarbeit nachzudenken. Frankreich solle die Möglichkeit schaffen, dass Firmen im Abschwung die Arbeitszeit reduzieren könnten, damit sie nicht gleich entlassen müssten. Deutschland sei damit gut durch die Krise gesteuert, sagte Montebourg.

Diese Woche intervenierte die Regierung bereits beim Pharmakonzern Sanofi. Sie konnte dadurch nach eigenen Angaben das Sparprogramm etwas abmildern. Insgesamt ist Hollandes Handlungsspielraum mit Blick auf das Budget allerdings klein. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone hat einen Schuldenberg von 90 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung angehäuft, spielt an den Finanzmärkten aber bislang in einer Liga mit Deutschland.

Damit das so bleibt, muss Hollande am Freitag einen ehrgeizigen Haushalt vorlegen, um EU-Defizitziele zu erreichen. Bislang hat er sich eher weniger als Reformer präsentiert. Er plädierte vielmehr für höhere Steuern und das Einfrieren staatlicher Ausgaben.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Schwache Konjunktur: Mehr als drei Millionen Franzosen ohne Arbeit"

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  • @kein-Respekt ich hatte halt den Traum so vielleicht in die "Hall of fame" einer deutschen Tageszeitung zu kommen. Wieder nix, so what? wie unsere Politiker/Journalisten und weltmännische Mitbürger sagen. ok? sorry!

  • @Zezette,
    Nein es hat alles mit Sprachvorteil in Unterhandlungen zu tun. Wenn ich als Muttersprachler jemand anders meine Sprache aufdränge, dann bringe ich den anderen in der Regel in eine Position, wo er schwächer ist.

    Deshalb ist es eine Frage der Höflichkeit eine Sprache zu wählen, wo man sich auf gleicher Augenhöhe begegnen kann. Dies findet man bei Französischsprachigen in der Regel nicht. Die sprechen nämlich selbstverständlich ihre Sprache und der andere kann sich rumwinden (oft wird darüber dann auch noch gelacht wie dumm und unkultiviert derjenige nicht, der sich bemüht). In meiner Familie gibt es sowohl Französischsprachige wie auch andere. Wer macht da Bemühungen, um die Sprache des anderen zu sprechen und wer nicht, weil es ja viel zu anstrengend ist und ausserdem ist die andere Sprache (egal, was für eine) hässlich. Es hat System, wie man auch in Belgien zB an dem Sprachstreit deutlich sieht.

    Das hat mit einer Amerikanisiserung überhaupt nichts zu tun.

  • Die Fremdenlegion löst dann wohl beide Probleme...

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