Schwache Konjunktur
Ökonomen prophezeien USA „quälende“ Zukunft

Miserable Konjunkturdaten haben die USA erschüttert. Die Preise am Immobilienmarkt sind im freien Fall - und auch das Konsumklima verheißt nichts Gutes. Ein Gesetz zum Schuldenlimit wurde abgeschmettert.
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DüsseldorfFührende Ökonomen in Deutschland sehen die USA angesichts der jüngsten enttäuschenden Konjunkturdaten vor schwierigen Zeiten. Seit März enttäuschten die US-Konjunkturzahlen "massiv" - nicht nur die Immobilien-, sondern auch die Arbeitsmarktdaten, sagte der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, Handelsblatt Online. Das laste auf dem Konsum. "Die US-Wirtschaft wird sich nur quälend langsam aus der Krise herausarbeiten", ist sich Krämer sicher. "Ich würde allerdings nicht so weit gehen und einen Rückfall in die Rezession prognostizieren", fügte er hinzu. "Die ordentlich wachsenden Unternehmensgewinne und die Nullzinspolitik der Fed dürften das verhindern."

Ähnlich äußerte sich der Konjunkturchef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Ferdinand Fichtner. "Angesichts des weiterhin sehr expansiven wirtschaftspolitischen Umfelds ist von negativen Wachstumsraten der US-Wirtschaft, also einem double dip, zum jetzigen Zeitpunkt nicht auszugehen", sagte Fichtner Handelsblatt Online. Gleichwohl sei die US-Wirtschaft "weit von einer Lösung ihrer Probleme entfernt". Weder sei am Arbeitsmarkt eine substanzielle Besserung zu beobachten, noch zeige der Immobilienmarkt Anzeichen einer Erholung. "Investitionstätigkeit und Preise entwickeln sich ausgesprochen schwach, eine dauerhaft hohe Liquidationsrate von Hypothekenverträgen weist auf anhaltende strukturelle Probleme hin", erläuterte Fichtner.

Zuvor waren enttäuschende Konjunkturdaten veröffentlicht worden. Das Konsumklima in den USA trübte sich im Mai unerwartet ein. Der Index für das Verbrauchervertrauen sank auf 60,8 von 66,0 Punkten im April. Analysten hatten im Schnitt mit einem Anstieg auf 66,5 Punkte gerechnet. Außerdem ist am amerikanischen Immobilienmarkt kein Ende des Preisverfalls in Sicht. Die Preise für Wohnimmobilien sanken in den 20 größten Städten im März um 0,2 Prozent, wie aus dem Index von Standard & Poor's/Case Shiller hervorgeht. Der Index liegt inzwischen sogar unter dem Tief aus den Zeiten der Finanzkrise, das er im April 2009 markiert hatte.

Die US-Staatsanleihen profitierten von den schlechten Daten. Als Grund nannte ein Finanzmarktexperte die Angst vor einem möglichen Rückfall der US-Konjunktur in die Rezession. Käufe der amerikanischen Notenbank Fed von langlaufenden Bonds hätten darüber hinaus die Kurse der Papiere beflügelt. Zudem nahmen professionelle Vermögensverwalter zum Monatsende Umschichtungen zugunsten der Staatsanleihen mit längeren Laufzeiten vor. Die zehnjährigen Staatsanleihen legten um 3/32 auf 100-20/32 zu. Sie rentierten mit 3,052 Prozent. Die 30-jährigen Bonds kletterten 12/32 auf 102-21/32 und hatten eine Rendite von 4,218 Prozent.

Von den privaten Haushalten erwartet DIW-Ökonom Fichtner auch in naher Zukunft keine Impulse für die Konjunktur. Die Amerikaner hätten immer noch mit den in der Finanzkrise erlittenen Vermögensverlusten zu kämpfen und würden sich daher in Zukunft mit ihren Konsumausgaben eher zurückhalten und stattdessen ihre Ersparnisbildung etwas intensivieren. "Auch von dieser Seite ist daher nicht mit einem kräftigen Wachstumsbeitrag zu rechnen", sagte Fichtner. "So wird sich das Tempo der konjunkturellen Erholung nach dem bereits relativ schwachen ersten Quartal wohl noch weiter verlangsamen."

Hinzu kommt, dass die Republikaner im US-Repräsentantenhaus ein Gesetz zur dringend notwendigen Erhöhung der Schuldenobergrenze abgeschmettert haben. 318 Abgeordnete lehnten am Dienstag eine Erhöhung des Limits von derzeit 14,3 Billionen Dollar (9,94 Billionen Euro) ohne gleichzeitige Einsparungsvorschläge ab. Auch 82 Demokraten votierten dagegen. Lediglich 97 Abgeordnete stimmten mit Ja.

Dadurch gewinnt das Ringen um die Staatsfinanzen weiter an Schärfe. Spätestens bis Anfang August muss das Parlament eine Erhöhung des Schuldenlimits beschließen - oder die USA drohen zahlungsunfähig zu werden - mit weltweit unabsehbaren Folgen auf den Finanzmärkten. Allerdings sind Republikaner und Demokraten hinter den Kulissen bereits dabei, nach Lösungen zu suchen.

Fichtner sprach von einem "außerordentlich fragilen" Aufschwung. Denn trotz des kräftigen Wachstums der US-Wirtschaft in den vergangenen Quartalen werde mehr und mehr deutlich, dass die Konjunktur zu ganz wesentlichen Teilen von einer extrem expansiven Geld- und Fiskalpolitik getrieben worden sei. "Jetzt zeigt sich, dass Niedrigstzinsen, hohe Liquiditätsbereitstellung durch die amerikanische Notenbank sowie im Rahmen der konjunkturstimulierenden Maßnahmen der vergangenen Jahre eingeführte Steuererleichterungen angesichts steigenden Inflationsdrucks und eines enormen Schuldenbergs der US-Regierung."

Kommentare zu " Schwache Konjunktur: Ökonomen prophezeien USA „quälende“ Zukunft"

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  • Wie die "Ökonomen" doch so schlau sind....
    Der Abschwung in den USA hat System. Auch hier wird der "Aufschwung" an einem Tag X ganz schnell vorbei sein.
    Auch das das System.
    Es ist Ziel die Masse der Menschen zu verarmen und in die Abhängigkeit zu treiben.
    Sehr bald wird ein weltweiter Finanzkollaps ausgelöst.
    Bewußt, geziehlt und geplanterweise !!
    Lasst euch nicht von den Politikern und den Medien für dumm verkaufen.......

  • Richtig.Deutschland mit einem xxl-Aufschwung,aber 2 Billionen Euro Schulden sind da.Selbst wenn es den US-Amerikanern heute schlecht geht,wird es ihnen früher oder später wieder gut gehen.Jeder Staat hat wirtschaftliche Probleme,so auch die USA.

  • Wenn es richtig hart kommt, entwickeln sich die USA zum "Griechenland" der Neuen Welt. Es wird einige Zeit brauchen, die amerikanische Wirtschaft so weit zu entwickeln, daß sie soviel Einkommen schafft, wie die Amerikaner verwenden wollen und müssen.

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