Schwache Konjunktur
Portugals Defizit schnellt in die Höhe

Portugal muss mehr Kredite aufnehmen, um den Haushalt zu finanzieren als im vergangenen Jahr. In den ersten Monaten 2012 lag das Defizit dreimal so hoch wie im Vorjahr. Das verschärft die Sorgen um die Lage des Landes.
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LissabonPortugals Schuldenprobleme verschärfen sich. Das Haushaltsdefizit stieg nach Angaben des Finanzministeriums vom Mittwoch im Januar und Februar auf 799 von 274 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum und verdreifachte sich damit fast. Der scharfe Wirtschaftsabschwung führte zu einem Einbruch bei den Steuereinnahmen und schürte Sorgen, dass das Land seine Haushaltsziele im laufenden Jahr verfehlen könnte. Bereits jetzt gilt Portugal, das wie Griechenland und Irland internationale Rettungshilfen in Anspruch nimmt, wegen der schlimmsten Rezession seit den 70er Jahren als erneuter Kandidat für den Rettungsschirm.

Die Regierung rechnet damit, dass die portugiesische Wirtschaft in diesem Jahr um 3,3 Prozent schrumpft nach einem Minus von 1,6 Prozent im vergangenen Jahr. „Portugal hat bei der Konsolidierung der Staatsfinanzen einen Fehlstart hingelegt“, sagte Commerzbank-Analyst Ralph Solveen. Trotz der negativen Daten griffen Anleger am Mittwoch beherzt bei portugiesischen Staatsanleihen zu. Das Land platzierte erfolgreich Bonds über zwei Milliarden Euro am Markt. Der durchschnittliche Zins für die über vier Monate laufenden Anleihen lag bei 2,168 Prozent und damit so niedrig wie seit Ende 2010 nicht mehr.

Im Mai vergangenen Jahres hatte Portugal bei EU und IWF Finanzhilfen in Höhe von 78 Milliarden Euro angefordert. Erst am Montag hatte Finanzminister Vitor Gaspar betont, Portugal werde keine weiteren Hilfen benötigen. Das Land werde sich an den vorgegebenen Zeitrahmen für den Schuldenabbau halten. Analyst Filipe Garcia hält es trotzdem für möglich, dass man Portugal entgegenkommen muss: „Portugal gilt bei der Sparpolitik als guter Schüler. Wenn etwas also nicht funktioniert, muss wahrscheinlich etwas am wirtschaftlichen Anpassungsprogramm geändert werden.“

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Man bekommt so langsam die Wut, wie undifferenziert hier berichtet wird. Es wird völlig verschwiegen, dass diese Erhöhung durch VORGESEHENE und GEPLANTE Einmalausgaben verursacht wurde. Leider werden permanent Äpfel mit Birnen verglichen. Wenn selbst Analysten (Commerzbank) nicht in der Lage sind, dies zu erkennen, wird einem schlecht. Heute war das Land in der Lage, neue Kredite zu erheblich niedrigeren Zinsen aufzunehmen. Scheinbar gibt es doch noch Menschen, die Sachverstand haben. Zum Glück.

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