Schwächere Zunahme im September
Exporte bremsen Wirtschaftswachstum

Die deutsche Wirtschaft hat im September etwas mehr Waren ausgeführt. Die Ausfuhren mit einem Wert von 61,9 Mrd. € stiegen saisonbereinigt um 1,2 % im Vergleich zum August, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte.

rtr BERLIN. Die Ausfuhren mit einem Wert von 61,9 Mrd. € stiegen saisonbereinigt um 1,2 % im Vergleich zum August, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. „Die Exporte sind zwar im Monatsvergleich gestiegen, aber im dritten Quartal waren sie vergleichsweise schwach“, sagte Ralph Solveen von der Commerzbank. Deshalb sollte sich der Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) - dessen Veröffentlichung am Donnerstag ansteht - etwas verlangsamt haben. „Die inländische Nachfrage ist noch immer zu schwach, um den etwas schwächeren Außenhandel auszugleichen“, betonte Jürgen Michels von der Citigroup.

Im September lagen die Exporte 5,8 % über dem Niveau von September 2003 - der geringste Jahreszuwachs seit Februar. In den vergangenen sechs Monaten hatten die Exportfirmen meist zweistellige Wachstumsraten verbucht. Der Wert der Importe stieg von August auf September um 1,7 % auf 49,8 Mrd. € und lag damit um 13,1 % über dem Vorjahr. Die Analysten wiesen jedoch darauf hin, dass ein Großteil dieses Anstiegs auf das Konto der höheren Ölpreise geht. Damit stieg das Plus in der deutschen Handelsbilanz im September auf 12,0 von 11,0 Mrd. € im August. Analysten hatten ein Plus von 12,3 Mrd. € erwartet. In der Leistungsbilanz verbuchte Deutschland einen Überschuss von 5,1 Mrd. €.

Im Schnitt erwarten von Reuters befragte Experten, dass die Wirtschaftsleistung im Sommer nur 0,3 % höher war als im Frühjahr, als das Quartalswachstum noch 0,5 % betrug. Der boomende Export ist bislang einzige Stütze des deutschen Wirtschaftswachstums, das Ökonomen und Bundesregierung in diesem Jahr insgesamt auf 1,5 bis 2,0 % schätzen.

Die Volkswirte warnten jedoch gleichzeitig vor Schwarzmalerei bei den deutschen Exporten. „Die Exportzahlen haben noch gute Zuwachsraten“, sagte Manfred Kurz von der Bayerischen Landesbank. „Die tragende Kraft der deutschen Wirtschaft ist der Export. Da gibt es keine Diskussionen.“ Auch Solveen gab sich ungeachtet des jüngsten Euro-Anstiegs zuversichtlich: „Ich würde den Einfluss des Euro nicht überbewerten. Die Weltwirtschaft wächst weiterhin - wenn auch etwas langsamer - und dies gibt dem Export weiterhin Impulse.“ Aus diesem Grund sollte das Wachstum auch nach Überzeugung von Michels nicht ganz abflauen: „Ich bin aber nach wie vor relativ optimistisch, dass wir nicht in eine neue Stagnation reinrutschen, sondern nur eine vorübergehende Verlangsamung erleben."

Jörg Krämer, Invesco Asset Management:
„Insgesamt sind die Exporte im dritten Quartal deutlich langsamer gestiegen als im zweiten Quartal. Dies erklärt, warum das Bruttoinlandsprodukt mit plus 0,3 % deutlich langsamer gewachsen sein sollte als im zweiten Quartal. Das schwache Exportwachstum spiegelt letztendlich die Tatsache wider, dass das BIP-Wachstum bei unseren Handelspartnern abgenommen hat. In den kommenden Monaten werden wir wahrscheinlich weiterhin nur langsame Wachstumsraten beim Export sehen.“

Ralph Solveen, Commerzbank:
„Das ist im Rahmen der Erwartungen. Die Exporte sind zwar im Monatsvergleich gestiegen, aber im dritten Quartal waren sie vergleichsweise schwach, was bedeutet, dass die Nettoexporte im dritten Quartal das Bruttoinlandsprodukt gedrückt haben. Ich würde den Einfluss des Euro nicht überbewerten. Die Weltwirtschaft wächst weiterhin - wenn auch etwas langsamer - und dies gibt dem Export weiterhin Impulse.“

Manfred Kurz, Bayerische Landesbank:
Die Exportzahlen haben noch gute Zuwachsraten. Die Importe sind zwar stärker; das hängt aber mit den teuren Rohstoffen zusammen. Wegen der höheren Preise wird vom Wert her mehr eingeführt. Die tragende Kraft der deutschen Wirtschaft ist der Export. Da gibt es keine Diskussionen. Ich sehe da auch derzeit keine deutliche Abschwächung. Das Wachstum vom Export unterliegt immer bestimmten Schwankungen. Wenn man ein Wachstum von vier bis fünf Prozent erreicht, dann ist das immer noch deutlich höher als die Expansion der Wirtschaft insgesamt. Die Exporte entwickeln sich wie erwartet. Das BIP für das dritte Quartal wird natürlich unter der Schwäche der privaten Nachfrage leiden. Ich rechne mit einer leichten Abschwächung auf 0,3 %. Das ist aber immer noch Wachstum.“ :

Jürgen Michels, Citigroup:
„Die Exporte haben sich im September wieder erholt. Auch die Importe sind wieder nach oben gegangen. Die Netto-Exporte sollten insgesamt im dritten Quartal einen negativen Beitrag zum BIP leisten - ganz im Gegensatz zu den vorherigen Quartalen, als die Exporte das Wachstum noch gestärkt haben. Die inländische Nachfrage ist noch immer zu schwach, um den etwas schwächeren Außenhandel auszugleichen. Deshalb wird das Wachstum im dritten Quartal etwas schwächer ausfallen, ich rechne mit 0,3 % zum Vorquartal. Das Risiko weist aber eher nach unten, es könnte auch 0,2 oder sogar 0,1 % herauskommen. Falls das Wachstum tatsächlich 0,3 % beträgt, dürfte das vierte Quartal dann wohl etwas schwächer ausfallen. Ich bin aber nach wie vor relativ optimistisch, dass wir nicht in eine neue Stagnation reinrutschen, sondern nur eine verübergehende Verlangsamung erleben.“

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