Schwächeres Wirtschaftswachstum
Kieler Ökonomen sehen schwarz

Das Kieler Institut für Weltwirtschaft erwartet nächstes Jahr nur 0,2 Prozent Wachstum. Deutschland dürfte zwar weniger stark an Schwung einbüßen als andere große Volkswirtschaften – das Konjunkturtal werde dennoch tiefer sein und eine Erholung länger auf sich warten lassen als bislang angenommen.

FRANKFURT. Die Wissenschaftler aus Norddeutschland korrigierten damit ihre Prognose insbesondere für 2009 massiv nach unten: von 1,0 auf 0,2 Prozent.



Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) zählt zu den Einrichtungen, die dem Bundeswirtschaftsministerium Mitte Oktober die Gemeinschaftsdiagnose vorlegen werden – an dem Ausblick orientiert sich die Bundesregierung bei ihrer Wachstumsprognose. Sollte das IfW recht behalten, würde sich die deutsche Wirtschaft ausgerechnet im Wahljahr so schwach entwickeln wie seit 2003 nicht mehr. Damals war die Wirtschaftsleistung geschrumpft.



Das geringere Wirtschaftswachstum werde die Finanzlage des Bundes empfindlich treffen, sagen die Kieler Ökonomen vorher. Das Budget des Staates dürfte im laufenden Jahr noch einen Überschuss in Höhe von rund zwei Mrd. Euro aufweisen, das strukturelle Budgetdefizit des Staates werde etwas höher ausfallen als 2007. Im kommenden Jahr dürfte für die Finanzpolitik wieder ein Defizit im Staatshaushalt entstehen von „wohl fünf Mrd. Euro“. Die Verschlechterung der Finanzlage des Staates sei zwar konjunkturbedingt. „Problematisch ist aber, dass das strukturelle Budgetdefizit des Staates nicht abnehmen wird, die Konsolidierung der öffentlichen Haushalte durch eine Kürzung insbesondere der Subventionen also nicht vorankommen wird“, kommentierte das IfW.

„Sollten die Konjunkturprognosen des Kieler Instituts zutreffen, fliegt uns der Bundeshaushalt um die Ohren“, sagte Otto Fricke (FDP), Vorsitzender des Haushaltsausschusses im Bundestag, dem Handelsblatt. Die kommende Haushaltswoche gebe der Kanzlerin und dem Finanzminister gute Gelegenheit zu zeigen, wie ernst sie es mit der Konsolidierung der Staatsfinanzen meinen.

Ausschlaggebend für die Wachstumsverlangsamung sind aus Sicht der Kieler „vor allem Einflüsse aus dem Ausland“. Insbesondere für den Euro-Raum sehen sie schwarz: Nachdem sie im Juni noch 1,4 Prozent Wachstum für 2009 vorhergesagt hatten, rechnet das IfW inzwischen nur noch mit einer Stagnation. Die Folge der Schwäche wichtiger Handelspartner liegt auf der Hand: Die deutsche Exportdynamik lässt nach. Zudem habe sich die preisliche Wettbewerbsfähigkeit bis zum Sommer wegen der Euroaufwertung verschlechtert. Aufgrund getrübter Ertragsaussichten dürfte die Investitionstätigkeit gedämpft worden sein. Und die Produktion habe sich durch den Preisanstieg auf den Weltrohstoffmärkten verteuert.

Die Preisschübe sind neben der Mehrwertsteuererhöhung auch die Hauptursache dafür, dass der private Konsum nicht die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllt. Mit dem abermaligen deutlichen Anziehen der Energiepreise habe sich die Belastung der verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte erneut erhöht. Die Menschen hätten ihre Konsumausgaben eingeschränkt, die Sparquote sei gestiegen – „möglicherweise als Reaktion auf die gestiegenen Arbeitsplatzrisiken“, vermutet das IfW. Die Zahl der Erwerbstätigen dürfte im Jahresverlauf 2009 „voraussichtlich um etwa 340 000 Personen sinken“. Im selben Ausmaß wie die Erwerbstätigkeit abnehmen werde, sei mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit zu rechnen. Ende 2009 dürfte sie mit 3,5 Millionen Personen wieder so hoch sein wie Ende 2007.

Immerhin: Die Inflation habe ihren Höhepunkt überschritten, so das IfW. Die Europäische Zentralbank werde daher 2009 eine Zinssenkungsphase einleiten und den maßgeblichen Leitzins bis zum Jahresende auf 3,25 Prozent senken.

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