Konjunktur
Schweizer Modell – besser als jede Hartz-Reform

Die Wirtschaftsforscher in der Alpenrepublik erwarten in diesem Jahr weniger als vier Prozent Arbeitslose – Schon bei niedrigem Wachstum belebt sich der Arbeitsmarkt.

ZÜRICH. Auf die beneidenswert niedrige Zahl von 3,7 % haben sich die privaten und regierungsamtlichen Wirtschaftsforscher in der Schweiz geeinigt, wenn sie nach ihrer Einschätzung zur Arbeitslosenquote in diesem Jahr gefragt werden. Die niedrige Rate, die etwa 150 000 Arbeitslosen entspricht, ist jedoch kein Zeichen für einen Wirtschaftsboom, der zwischen Basel und Chiasso seinen Lauf nimmt. Im Gegenteil: Die vom Wirtschaftsministerium in Bern gestern vorausgesagten 1,8 % Wachstum bewegen sich innerhalb der OECD-Länder am unteren Rand. Beim Wachstum schlecht, bei der Beschäftigung Spitze – wie passt das zusammen?

Thomas Straubhaar, Chef des Hamburgischen Weltwirtschaftsarchivs, und Heinz Werner vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg, haben den Schweizer Arbeitsmarkt eingehend untersucht. Ihr Befund könnte für Deutschland so wegweisend sein, dass sich „hier zur Sicherheit kaum jemand damit auseinander gesetzt hat“, wie Werner vermutet. Der Schweizer Arbeitsmarkt verfügt über Hilfsmittel, die eine höhere Wirkung erzielen, als es jede Hartz-Reform in Deutschland bisher vermocht hat.

Das beginnt bei den regionalen Arbeitsvermittlungzentren. Sie wurden Ende der 90er-Jahre eingerichtet, als die Arbeitslosigkeit auf mehr als 5 % nach oben geschnellt war, und sind am ehesten mit den deutschen Personalserviceagenturen vergleichbar. Sie beraten Arbeitslose, klären deren Ansprüche auf Unterstützung, akquirieren Stellen und verhängen Sanktionen gegen Arbeitsunwillige. Im Jahr 2000 kam eine typisch schweizerische Idee dazu: Die 150 von den Kantonen finanzierten Vermittlungszentren sind einer Kontrolle unterworfen. Kantone, in denen die Vermittler gute Erfolge aufweisen, erhalten vom Bund 3 % mehr Geld erstattet als die Vermittlungszentren kosten.

Dass die Kosten überschaubar bleiben – dafür sorgen sparsame Leistungen an die Arbeitslosen. Arbeitslosengeld in Höhe von maximal 80 % des letzten Verdienstes gibt es in der Regel nur 150 Tage lang. Der Arbeitslose muss mit Unterschrift des Arbeitgebers nachweisen, dass er mindestens zehn Bewerbungen im Monat geschrieben hat. Wer keine Stelle findet, erhält nur dann weiter Geld, wenn er bei einem Beschäftigungsprogramm mitmacht – ohne neuen Anspruch auf Leistungen.

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