Schweizer Nationalbank-Chef
Hildebrand: Der Unkonventionelle

International reißt das Lob für Philipp Hildebrand nicht ab. Der designierter Chef der Schweizerischen Nationalbank sei eine "exzellente Wahl", sagen Experten. Mit seinen ausgezeichneten akademischen Fähigkeiten gilt der 45-Jährige als Verfechter einer unkonventionellen Geldpolitik.

FRANKFURT/BERLIN. "An den Finanzmärkten zu Hause", "mit gesamtwirtschaftlichen Zusammenhängen exzellent vertraut", "international erfahren", "diplomatisch elegant und mit den meisten Partnern auf sehr gutem Fuß" - die Komplimente reißen nicht ab, wenn die Rede auf den designierten Präsidenten der Schweizerischen Nationalbank (SNB), Philipp Hildebrand, kommt. Offenbar hat der Schweizer Bundesrat mit dem 45-Jährigen eine über die Landesgrenzen hinaus überzeugende Wahl getroffen, als er den bisherigen SNB-Vize zum Nachfolger von Jean-Pierre Roth bestellte, der Ende 2009 in den Ruhestand tritt. Hildebrand selbst hatte noch vor wenigen Tagen seine Chancen für das Amt allenfalls mit 60 zu 40 bewertet. "So was weiß man vorher nie", sagte er dem Handelsblatt.

"Die Schweiz hat eine kluge Entscheidung getroffen, einen sehr sympathischen jungen Präsidenten zu berufen, der aufgrund seiner langjährigen Erfahrung im Ausland und in der Privatwirtschaft eine wichtige Brücke seines Landes zu praktisch allen wichtigen Foren und Gremien bilden kann und wird", urteilt Gert Häusler, Partner des US-Finanzinvestors Ripplewood Holdings. "Nationale politische Erwägungen hat man intelligenterweise zurückgestellt im Vergleich zur extrem gewachsenen Bedeutung der internationalen Finanzszene für die Schweiz", sagte er.

Mit Anerkennung spart auch nicht Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. "Mit Philipp Hildebrand kommt ein erfahrener Geldpolitiker mit exzellenter Kenntnis der Bankwirtschaft an die Spitze der SNB", sagt Ackermann, der ebenfalls Schweizer ist. Hildebrand werde auch in den einschlägigen internationalen Gremien nicht zuletzt aufgrund seiner ausgezeichneten akademischen Leistungen deutliche Spuren hinterlassen.

Hildebrand war im Juli 2003 in das Direktorium der SNB eingetreten. Im Mai 2007 hatte ihn der Bundesrat zum Vizepräsidenten ernannt. In dieser Funktion war er unter anderem für "Finanzsysteme" verantwortlich. Hermann Remsperger, der im Direktorium der Bundesbank für internationale Beziehungen zuständig ist, kennt Hildebrandt aus unterschiedlichen Notenbankgremien. "Seine Beiträge gehen immer an die Wurzeln der Probleme", beschreibt er Hildebrand. "Er kombiniert in geradezu idealer Weise Marktkenntnisse mit gesamtwirtschaftlichem Sachverstand."

Eine Eigenschaft, die in der aktuellen Finanzkrise sehr von Nutzen sein dürfte. Als Verfechter einer unkonventionellen Geldpolitik wird an erster Stelle Hildebrand genannt. Diese Geldpolitik geht weit darüber hinaus, den Zinshebel zu bewegen. So steuert die SNB seit März einen Leitzins von 0,25 Prozent an und erwirbt zu diesem Zweck auf Schweizer Franken denominierte Obligationen privater Schuldner. Um eine weitere Aufwertung des Franken zu verhindern, kauft die SNB am Markt Devisen. Hildebrand räumt ein, dass solche Methoden der Krisenbekämpfung mit längerfristigen Risiken verbunden sind. Zu wenig oder nichts zu tun, würde aber noch viel größere Gefahren mit sich bringen, meint er.

Louis Moore Bacon, CEO von Moore Capital Management, macht darauf aufmerksam, dass Hildebrands Karriere umgekehrt zu der verlaufen ist, die sich inzwischen bei Notenbankern eingebürgert hat. Heute gingen pensionierte Notenbanker gerne in die Privatwirtschaft und dann zu einem Hedge-Fonds, erklärt Moore Bacon. Hildebrand sei von einem Hedge-Fonds zu einer privaten Bank gegangen und dann in die SNB gewechselt. Nach einem kurzen Auftakt beim Weltwirtschaftsforum in Genf war er 1995 zu Moore Capital Management gewechselt, war ab 2000 für die Vontobel Gruppe in Zürich tätig und trat 2001 in die Union Bancaire Privée in Genf ein. "Vielleicht sticht er deshalb unter seines Gleichen so hervor", sagt Moore Bacon. Dennoch: Die Arbeit der Schweizer Notenbanker muss anstrengend sein. Trotz Krise erhöhte sich das Direktorium 2008 kräftig seine Bezüge. So stieg Hildebrands Grundgehalt laut Geschäftsbericht auf 814 700 Franken, von weniger als 600 000 im Jahr zuvor. Honi soit qui mal y pense.

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