Sekung um ein Prozent
Island senkt Leitzinsen

Die isländische Zentralbank hat erstmals seit dem Zusammenbruch des gesamten Finanzsystems des Landes im vergangenen Herbst die Leitzinsen wieder gesenkt.

STOCKHOLM. Zentralbankchef Svein Harald Øygard erklärte in Reykjavik, dass die Senkung der Leitzinsen um einen Prozentpunkt auf 17 Prozent die Stabilität der isländischen Krone nicht gefährden würde, da die Leitzinsen international sehr viel niedriger lägen. Der Inselstaat im Nordatlantik hatte nach einer schuldenfinanzierten Expansion seiner Banken die drei größten Institute, Landsbanki, Kaupthing und Glitnir, im Herbst verstaatlicht.

Die Investmentbank Straumur Burdaras wurde Anfang dieses Monats verstaatlicht und beantragte Gläubigerschutz. Im Spätherbst erhielt das Land mit seinen nur 320 000 Einwohnern einen 5,1 Mrd. Dollar-Kredit des Internationalen Währungsfonds und einiger EU-Staaten. Der Wert der isländischen Krone war im vergangenen Jahr um fast Zweidrittel gegenüber dem Euro gefallen. Deshalb hatte die Zentralbank scharfe Restriktionen im internationalen Zahlungsverkehr erlassen, die weiter bestehen.

Trotz einer weiterhin angespannten Wirtschaftslage und einer ungeklärten politischen Situatiuon mit einer Übergangsregierung – Neuwahlen finden am 25. April statt - mehren sich die Zeichen für eine leichte Erholung: Nach Angaben des IWF ist der Wert der isländischen Krone gegenüber dem Euro in den vergangenen Wochen um fast zwölf Prozent gestiegen.

Gleichzeitig ist auch die Inflation erstmals wieder rückläufig. Lag die Inflationsrate im Januar noch bei 18,6 Prozent, sank sie im Februar auf 17,6 Prozent. Die Notenbank in der Hauptstadt Reykjavik geht von einem deutlichen Sinken der Inflationsrate im laufenden Jahr aus und rechnet Anfang 2010 mit einer Inflation von nur noch 2,5 Prozent. Sorgen bereitet dagegen die weiter ansteigende Zahl der Arbeitslosen: Sie steuert auf die Zehnprozentmarke zu.

Analysten gehen davon aus, dass die Zentralbank in Reykjavik den Leitzins bei ihrer nächsten Sitzung am 8. April erneut senken wird.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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