September-Zahlen Deutschlands Exportumsatz nähert sich Billionengrenze

Die deutschen Exporte sind im September doppelt so stark wie erwartet gestiegen. Die Exporte in die Staaten außerhalb der Europäischen Union zogen besonders stark an. Die Prognose des Branchenverbands BGA für das Gesamtjahr fällt entsprechend euphorisch aus.
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2011 soll erstmals die Billionengrenze geknackt werden. Quelle: dpa

2011 soll erstmals die Billionengrenze geknackt werden.

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HB BERLIN. Die Unternehmen setzten im Ausland 3,0 Prozent um als im Vormonat, teilte das Statistische Bundesamt am Montag mit. Von Reuters befragte Analysten hatten lediglich mit einem Plus von 1,5 Prozent gerechnet. In den beiden Vormonaten hatte es noch jeweils ein leichtes Minus gegeben. Insgesamt wurden Waren im Wert von 86,9 Mrd. Euro verkauft - 22,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Exporte in die Staaten außerhalb der Europäischen Union zogen mit 37,7 Prozent besonders stark an, während die Ausfuhren in die EU nur um 14,1 Prozent zulegten.

Der Branchenverband BGA rechnet für 2010 mit einem Exportplus von 16 Prozent auf 937 Mrd. Euro - das wäre der stärkste Zuwachs seit zehn Jahren. Von Januar bis September lag das Plus sogar bei 19,0 Prozent. 2011 soll erstmals die Billionengrenze geknackt werden. Wegen der Wachstumsschwäche in den USA und einigen Euro-Ländern sowie dem Auslaufen staatlicher Konjunkturprogramme bei wichtigen Handelspartnern dürften die Geschäfte in den kommenden Monaten aber nicht mehr so rasant wachsen: Im September fielen die Auslandsaufträge der exportabhängigen Industrie sogar um 6,6 Prozent.

Nach Einschätzung des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) nähert sich der Umsatz der Exporteure sogar schon in diesem Jahr der Billionengrenze. „Die Rekordmarke von 2008 kommt in Reichweite“, sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Axel Nitschke. „Das krisenbedingte Tal ist klar durchschritten.“ Im September habe der Exporterlös bereits den dritten Monat über dem entsprechenden Vergleichswert des Rekordjahres 2008 gelegen. Vor zwei Jahren verkauften die Unternehmen Waren im Wert 984 Mrd. Euro ins Ausland - so viel wie nie zuvor. Im Krisenjahr 2009 brach der Umsatz dann um 18,4 Prozent ein.

Die rasche Erholung liegt vor allem an der starken Nachfrage aus den boomenden Schwellenländern China, Indien und Brasilien. „Die deutsche Exportwirtschaft ist fast perfekt aufgestellt: Sie ist in den Ländern aktiv, die richtig Dampf machen“, sagte Nitschke. „Und sie bietet die Produkte an, die im Aufschwung der Weltkonjunktur gebraucht werden.“ Das seien vor allem Maschinen und Anlagen, aber auch Autos sowie Umwelt- und Medizintechnik.

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6 Kommentare zu "September-Zahlen: Deutschlands Exportumsatz nähert sich Billionengrenze"

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  • @Profit

    nur unsere Nachkommen werden dies beurteilen können und hoffentlich daraus lernen.

  • @Dobriden: ich möchte ihnen insofern widersprechen, als der Euro von Anfang an ein schwerer Fehler war. Man kann Volkswirtschaften nur dann zu einem Währungsraum verschmelzen, wenn sie ähnliche bzw. ergänzende Wirtschaftsstruckturen besitzen (sehr gut argumentiert: Präsident Klaus, Tschechien). Konkret: Eine Währungsunion zwischen "nordeuropäischen" und zwischen "südeuropäischen" Ländern: Ja. Für ganz Europa war dies ein Fehler, weil z.b. jetzt ein "natülicher" Anpassungmechanismus in Form von Wechselkursen nicht mehr besteht. Das alles hat nichts mit europäischer Gesinnung oder einer Frage von "Krieg oder Frieden" (Kohl) zu tun, sondern ist eine Frage rationaler Zweckmäßigkeit. Mit dem Euro wird nur Zwietracht zwischen den Völkern in Europa gesät!

  • Des Rätselslösung könnte sein dass sehr viele Güter bestellt wurden als der Dollar sehr stark war. Die andere Frage wäre: wie lange werden sich unsere EU-Partner das gefallen lassen? Weil unsere Wirtschaft auch auf deren Kosten boomt. Über den permanenten deutschen Exportüberschuss wird aus den anderen EU-Länder Kapital entzogen, Kapital das für investitionen dort dringend notwendig wäre. Es wird leider in Deutschland nicht europäisch genug gedacht. Das könnte langfristig zum Zerfall der Eurozone führen. Historisch gesehen (noch) eine verpasste Chance.

  • Die Schwellenländer werden eben nicht mehr so stark zulegen,sondern einknicken, auch wenn die bankenanalysten dies nicht aussprechen wollen. Von nun an wird es abwärtsgehen mit dem deutschen Jubelexport, keine frage. Und im nächsten Jahr wird keine "billionengrenze geknackt", das ist reines Wunschdenken. Laßt erstmal die Sparpakete wirken, freunde, dann wird euch das hochgejubel im Hals steckenbleiben. Eure Jubelexporte diesjahr waren nämlich nur geborgt.

  • @Siggi40: Verstehe ihr Argument nicht ganz. Normalerweise sollten deutsche Unternehmen, die exportieren, ihre Rechnung auf Euro bzw. auf Euro-basis ausstellen. Wenn ihre Überlegung stimmt, müssten sie (bRiC u.a.) doch gerade Güter aus dem Dollar-Raum bestellen, um ihre Dollar schnell "los zu werden"? Diese wäre natürlich positiv insofern, als der Dollar tendenziell steigen würde. Aber genau das passiert nicht, weil bestimmte deutsche Produkte komparative (technische) Vorteile besitzen.

  • Da die Weltbank einen neuen Goldstandard etablieren möchte, macht China (und viele andere auch) genau das Richtige, indem es ihre bald wertlosen Dollarreserven in Produktionsanlagen und Autos Made in Germany umtauscht.
    Um so mehr Dollars im 3-Schicht-betrieb gedruckt werden, um so euphorischer auch die börsen. Die börsenkurse explodieren, bevor sie implodieren, klar.

    Unser derzeitiger erfreulicher Export ist einmalig, aber befristet und wird sich auch nicht mehr wiederholen. Alle Länder wollen ihre Dollarreserven loswerden, nachvollziehbar. Und was gibt es besseres, als Maschinen und Fahrzeuge Made in Germany, deren Wert durch eine Währungsreform nicht sinkt. im Gegenteil, damit sichert man sich bereits den Export nach dem Armageddon.

    Das Problem ist nur, was machen unsere europäischen Nachbarn? Noch schlimmer, was machen die Tomys und die Amis? Müssen wir die jetzt alle auf Jahrzehnte durchfüttern? Mit immer mehr 1-Euro-Jobbern? Dann haben wir tatsächlich bald Vollbeschäftigung.

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