Singapur
„Wir wollen nicht die Schweiz beerben“

Singapur will keine Fluchtburg für vermögende Privatanleger wie die Schweiz werden. Das Land setzt in den kommenden Jahren auf eine starke Industrie und wachsende Forschungsausgaben. Deutschland dient als Vorbild.
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Singapur gründet seine Wachstumsstrategie für die nächsten Jahre auf einer starken Industrie und wachsenden Forschungsausgaben. Der Stadtstaat will sich nicht auf eine Rolle als Finanz- und Dienstleistungszentrum für den asiatischen Markt konzentrieren, so wie es etwa London für Europa tut.

Und er will schon gar nicht die Rolle einer Fluchtburg für vermögende Privatanleger einnehmen, aus der sich die Schweiz gerade auf massiven internationalen Druck hin zurückzieht. „Wir wollen nicht die Schweiz beerben“, stellt Alan Yeo im Gespräch mit dem Handelsblatt klar. Yeo ist Regionaldirektor für Europa des Singapore Economic Development Board, das weltweit um Investoren für das ökonomische Herz der Boomregion Südostasien wirbt.

Die Singapurer Strategie ist es laut Yeo vielmehr, die Position des Landes als Sitz regionaler oder globaler Hauptquartiere, Forschungszentren und High-Tech-Produktionsstätten auszubauen. Vier Branchen hat die Regierung dabei als strategisch definiert: Chemie, Pharma und Biotech, Elektronik und Maschinenbau.

Der Anteil der Industrieproduktion am Bruttoinlandsprodukt, derzeit 21 Prozent, soll bei 20 bis 25 Prozent und damit ähnlich hoch wie in Deutschland bleiben. Die Forschungs- und Entwicklungsausgaben sollen von 2,6 auf 3,5 Prozent des BIP steigen. Als Zukunftsbranchen interessiert sich das Land für Nanotechnologie, Luft- und Raumfahrt, Umwelttechnik und erneuerbare Energien.

Die Parallelen zur Branchenstruktur der deutschen Industrie sind unverkennbar, und so hat das Singapore  Economic Development Board ein besonderes Augenmerk auf Deutschland gerichtet. „Die deutsche Industrie passt mit ihrer nachhaltigen Ausrichtung besonders gut zu uns“, sagt Yeo. Bisher nimmt Singapur dennoch erst Rang 32 auf der Liste der deutschen Außenhandelspartner ein, mit einem Handelsüberschuss von 1,5 Milliarden Euro bei Exporten von 6,6 Milliarden Euro.

Unter den Auslandsinvestoren in Singapur liegt Deutschland auf dem elften Rang und ist damit nur viertgrößter Investor aus der EU. Das investierte Volumen hat sich aber immerhin von 2003 bis 2011 auf umgerechnet sieben Milliarden Euro mehr als verdoppelt.

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