Sinkender Dollar, steigende US-Zinsen und hoher Ölpreis
Asiens Wachstumszug verliert an Tempo

Hohe Ölpreise, der sinkende Dollar und steigende Zinsen in den USA werden die hohen Wachstumsraten Asiens im kommenden Jahr abbremsen. „Wir rechnen für 2005 mit einem Zinsniveau in den USA von etwa drei Prozent“, sagt der Chefökonom der Asiatische Entwicklungsbank (ADB), Ifzal Ali, dem Handelsblatt.

FRANKFURT. Das wirke sich negativ auf den Konsum und die Investitionen in der Boomregion aus. Er forderte die betroffenen Länder auf, Konsequenzen zu ziehen – etwa durch die Flexibilisierung ihrer Wechselkurse. Trotz der Abschwächung liegen die Wachstumsraten Asiens aber nach wie vor deutlich über denen aller EU-Staaten.

Die ADB geht von einem Ölpreisniveau von 36 bis 38 pro Barrel Brent-Rohöl 2005 aus. „Der Ölpreisanstieg ist keine zyklische, sondern eine strukturelle Veränderung. Die Preise bleiben hoch,“ sagte Ali. Trotz der steigenden Ölpreise werde die Region Asien-Pazifik 2004 mit durchschnittlich 7,2 Prozent Zuwachs beim Bruttoinlandsprodukt die höchste Wachstumsrate seit der Finanzkrise 1997/98 ausweisen. „Das ist wesentlich besser als wir noch vor sechs Monaten erwartet hatten“, sagt Ali. Allerdings gibt es erhebliche regionale Differenzen. Die ADB rechnet im kommenden Jahr für China mit acht bis 8,5 Prozent Wachstum.

Aus asiatischer Sicht ergibt sich für 2005 ein wenig erfreuliches globales Szenario. Asien könne sich den Risiken eines weiter fallenden Dollars kaum entziehen, sagte der ADB-Ökonom. Eine Ausweitung des Haushalts- und Leistungsbilanzdefizits der USA könne entscheidend zur Verwundbarkeit der Weltwirtschaft beitragen, vor allem weil Japan und die EU auf eine mögliche Abschwächung der Konjunktur in den USA sehr empfindlich reagieren dürften. Es sei aber in niemandes Interesse, wenn die notwendige Korrektur der Doppeldefiziten in den USA einen scharfen Einbruch der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage in den USA auslösen würde.

Die ADB nimmt daher die asiatischen Währungspolitiker, vor allem in Peking, deutlich in die Pflicht „Wir müssen für eine globale weiche Landung sorgen. Es wird allmählich Zeit, dass asiatische Staaten mehr Flexibilität bei der Gestaltung ihrer Wechselkursmechanismen zeigen.“ Die nicht an den Dollar gekoppelten Währungen Asiens haben in den vergangenen Monaten bereits nominale Aufwertungen von neun bis zwölf Prozent erlebt. Ali befürchtet, dass sich dieser Prozess „erheblich beschleunigen“ werde, wenn China den Renminbi höher bewertet.

Peking hat bereits durchblicken lassen, dass es seine Währung vom Dollar lösen und an einen internationalen Währungskorb binden könnte, will sich einem Diktat der USA aber nicht beugen. Die ADB geht im Fall währungspolitischer Maßnahmen von größeren Korrekturen aus. „Wenn die chinesischen Behörden mehr Flexibilität zulassen, werden sie es wohl nicht bei marginalen Änderungen belassen,“ sagt Ali voraus. Nach Ansicht der ADB sei eine deutliche Aufwertung durchaus im Interesse Asiens. Sie könne eine Entlastung bei den Ölpreisen und einen geringeren Inflationsdruck bewirken. Die meisten asiatischen Staaten hängen stark von Ölimporten ab. Südkorea ist beispielsweise der viertgrößte Ölimporteur der Welt. Auch China, Indien und Thailand haben mit steigenden Preisen auf Grund der Ölimporte zu kämpfen. Die Analysten von Consensus Economics in Großbritannien, die regelmäßige Konjunktureinschätzungen auf Basis von 130 regionalen Bankenanalysen veröffentlichen, gehen allerdings von einem sich leicht abschwächenden Inflationsdruck 2005 aus.

Da das Wachstum in Asien immer weniger von Exporten und dafür stärker von der Binnennachfrage getrieben werde, sei der Dämpfungseffekt einer Aufwertung begrenzt, warnt die ADB. In den Staaten Südostasiens und Südasiens trägt die inländische Nachfrage, belebt auch von einer regen Investitionstätigkeit im verarbeitenden Gewerbe, inzwischen bis zu 80 Prozent zum nationalen Wachstum bei. Die Phase des exportgestützten Wachstums in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts werde sich nicht wiederholen.

Begünstigt werde die Abkoppelung von der Nachfrage in den USA, Japan und der EU auch durch die wachsende Vernetzung durch regionale und bilaterale Freihandelsverträge. „Asien ist heute in der Lage, wesentlich mehr Widerstand gegenüber globalen Turbulenzen zu leisten als noch vor wenigen Jahren.“ Die ADB rechnet mittelfristig mit durchschnittlichen Wachstumsraten von sieben bis acht Prozent für die Region. Bis zum Jahr 2020 werde Chinas gesamtwirtschaftliche Leistung auf das heutige Niveau Japans wachsen und Indien die Größe Chinas erreichen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%