Sinkender Preisdruck
Niedrige Inflationsrate ruft EZB auf den Plan

Heizöl, Benzin und Strom sind billig wie lange nicht mehr. Die Inflationsrate sinkt auf ein Vier-Jahres-Tief. Die Märkte fürchten schon die Deflation und rechnen mit einem Eingriff der EZB. Die signalisiert Bereitschaft.
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Luxemburg/ BrüsselDer deutlich sinkende Preisdruck in der Euro-Zone bietet der Europäischen Zentralbank Spielraum für eine weitere Lockerung der Geldpolitik. Waren und Dienstleistungen verteuerten sich im Oktober nur noch um 0,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie das Statistikamt Eurostat am Donnerstag in einer ersten Schätzung mitteilte. Eine niedrigere Inflationsrate gab es zuletzt im November 2009. Der Preisdruck ist damit weit schwächer als es der EZB lieb sein kann, die eine Inflationsrate von knapp unter 2,0 Prozent anstrebt.

Dies löste an den Märkten Spekulationen aus, die Zentralbank könne gegensteuern und die Geldschleusen noch weiter öffnen. Signale kamen vom österreichischen Ratsmitglied Ewald Nowotny. Die EZB will Banken demnach mit frischem Geld versorgen, bevor langfristige Kreditlinien im Volumen von mehr als einer Billion Euro auslaufen: „Es ist klar, dass Liquidität bereitgestellt wird“, sagte Nowotny dem TV-Sender CNBC.

Der Devisenmarkt reagierte umgehend auf die niedrigen Inflationsdaten, die eine Woche vor der nächsten Zinssitzung der EZB besonders beachtet wurden: Der Euro fiel auf 1,3615 Dollar von zuvor 1,3690 Dollar. Hinzu kommt, dass auch die Arbeitslosigkeit in der Euro-Zone auf Rekordniveau bleibt: Die Daten seien ein „übles Duo“, meint Ökonom Jeremy Stretch von CIBC. Diese ungute Kombination aus schwachem Preisdruck und hoher Arbeitslosigkeit sei geeignet, die EZB auf den Plan rufen.

Die Inflationszahlen überraschten selbst Experten: Im September lag die Teuerungsrate noch bei 1,1 Prozent. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes war in Deutschland im Oktober die Jahresteuerung von 1,4 Prozent im Vormonat auf 1,2 Prozent gesunken. Die Daten der Luxemburger Statistiker unterscheiden sich wegen unterschiedlicher Berechnungsmethoden von denen der nationalen Statistikbehörden. Als Gründe für den Rückgang beim Heizöl gilt das relativ milde Wetter zum Start der Heizsaison. An den Tankstellen sind die Preise nach Angaben von Volkswirten niedrig, weil der Ölpreis stabil und der Euro stark ist, zudem ist die Nachfrage nach Benzin jahreszeitlich bedingt niedrig.

Von Reuters befragte Ökonomen hatten erneut mit einer Rate auf diesem Niveau gerechnet. Die EZB will sie unter, aber nahe der Marke von zwei Prozent halten. Dass die Inflation nun so weit unten den Zielwert abgerutscht ist, dürfte den Währungshütern vor ihrer nächsten Zinssitzung erhebliches Kopfzerbrechen bereiten. Abschreckendes Beispiel ist Japan, das vor anderthalb Jahrzehnten in eine Deflation rutschte. Dieser Teufelskreis aus fallenden Preisen und sinkenden Investitionen hemmt die Wachstumskräfte des Landes bis heute. Nur dank hoch dosierter Geldspritzen der Notenbank stieg die Jahresteuerung im September auf 0,7 Prozent und damit auf dasselbe Niveau wie im Euro-Raum.

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  • Genau und heutzutage gibt es sogar Farbfernseher. Lächerlicher Vergleich!

  • Der Warenkorb ist ein naive Betrachtung der Realität. Blick auf die langfristige Aktien- und auch in vielen, zumind. Ballungszentren, rasante Immobilienentwicklung gibt einen Eindruck über die tatsächliche Geldmengenentwicklung/Inflation. Diese Preisentwicklungen sind ja bekanntermaßen nicht im Warenkorb enthalten. Das ist falsch und verzerrt die Realität. Nun darum geht es allerdings nicht. Ich behaupte hier: Das viele Geld macht uns alle arm! Warum ist das so? Der gigantischen, weltweiten Verschuldung steht eine analoge Vermögensentwicklung gegenüber. Diese verteilt sich auf immer weniger Menschen (nachzulesen in div. Studien (Allianz/Dresdner...). Diese Entwicklung war zuerst nur in der USA bekannt: Wenige haben fast alles. Nun ist das bei uns identisch. So, die Wenigen, die immer mehr Ihre zunehmende Liquidität anlegen müssen - investieren klassischerweise in Aktien und Immobilien, die nachfragebedingt teurer werden (müssen) - steigende Kurse! Wie macht das die Masse arm? Der Durchschnittsbürger kann es sich nicht mehr leisten, diese gestiegenen Preise zu bezahlen. Also, können das Spiel nicht mehr mit spielen. Steigende Inflation führt in die Armut zumind. der Massen... Überlegen Sie doch einmal selbst. Warum steigen immer in den selben Lagen die Preise? Meist bevorzugte Innenstadtlagen, die der normale Bürger nicht mehr heben kann. Oder haben Sie 80 bis 100 Mio. für eine Münchner 1A - Lage?
    Zusammenfassung: Die Gelddruckmaschine der bösartigen Zentralbanken führt zur Armut. Nachgelesen ist das auch im Buch „Spielgeld- ein neues Wirtschaftssystem“. Der Autor nimmt unser Wirtschaftssystem ganz schön auf die Schippe.

  • Sie sind so blöd, dass Sie nicht merken, wie Ihr Vermögen bereits massiv entwertet und kastriert wird. Das ist die Folge des Einheitseuros für unser Land. Wenn Sie allerdings kein Vermögen aufgebaut haben, können Sie Ihr dummes Zeug bellen!

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