Sinkender Preisdruck Niedrige Inflationsrate ruft EZB auf den Plan

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Senkung des Leitzins eine Option

Nach Einschätzung von Volkswirten der Commerzbank gibt es aber keinen Anlass zu der Sorge, dass die Euroländer in eine Deflation rutschen könnten. Unter Deflation versteht man eine gefährliche Spirale aus sinkenden Preisen und schrumpfender Nachfrage.

„Wir halten die niedrige Inflationsrate dagegen für ein positives Zeichen“, schreibt die Commerzbank. Denn sie sei vor allem der Entwicklung in den Krisenländern geschuldet. Die sinkenden Preise in Griechenland und Spanien zeigten, dass die Unternehmen ihre Lohnstückkosten senkten und dadurch wettbewerbsfähiger würden. Die Inflationsrate habe zudem im Oktober ihren Tiefpunkt nahezu erreicht.

Die EZB hat den Leitzins im Kampf gegen die Euro-Schuldenkrise bereits auf das historisch niedrige Niveau von 0,5 Prozent gesenkt. EZB-Chef Mario Draghi lässt sich allerdings ausdrücklich die Möglichkeit offen, diesen Schlüsselzins weiter zu kappen, um die Wirtschaft anzuschieben. „Geht es der EZB um die Abwehr von Deflationsgefahr, braucht sie keine weiteren Argumente, um den Leitzins noch einmal zu senken“, meint Nordea-Ökonom Holger Sandte. Nächste Woche werde die Zentralbank wohl noch nicht handeln: „Aber Dezember könnte der Monat sein, denn da legt die EZB neue Wachstums- und Inflationsprojektionen vor, die dann auch das Jahr 2015 umfassen werden“, fügte Sandte hinzu.

Eine andere Möglichkeit, mehr Geld ins Finanzsystem zu schleusen, wäre eine Neuauflage einer langfristigen Kreditlinie für die Banken. Ob die Zentralbank auf dieses Ende 2011 und Anfang 2012 eingesetzte Instrument - im Fachjargon LTRO genannt - zurückgreifen wird oder andere Mittel bevorzugt, ließ EZB-Ratsmitglied Nowotny offen. Damals hatte die EZB über zwei günstige dreijährige Kreditlinien mehr als eine Billion Euro in das Banken-System gepumpt. Der Euro verlor daraufhin im Vergleich zum Dollar an Wert. Einige Banken haben das Geld bereits vorzeitig zurückgezahlt. Die übrigen Geldinstitute müssen es bis zum Schluss der dreijährigen Laufzeit ab Ende kommenden Jahres zurückzahlen. Die Mehrheit der von Reuters befragte Analysten erwartet, dass die EZB den Banken wohl Anfang 2014 erneut günstige Langfristkredite zur Verfügung stellen wird.

Dass sich der Preisdruck in der Euro-Zone so weit von der Stabilitätszone entfernt hat, liegt nach Ansicht des US-Finanzministerium auch an der Export-Abhängigkeit Deutschlands. Das Ergebnis seien deflationäre Tendenzen im Euro-Raum und in der gesamten Welt, so das US-Ministerium. Die Bundesregierung wies die Kritik zurück.

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30 Kommentare zu "Sinkender Preisdruck: Niedrige Inflationsrate ruft EZB auf den Plan"

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  • Genau und heutzutage gibt es sogar Farbfernseher. Lächerlicher Vergleich!

  • Der Warenkorb ist ein naive Betrachtung der Realität. Blick auf die langfristige Aktien- und auch in vielen, zumind. Ballungszentren, rasante Immobilienentwicklung gibt einen Eindruck über die tatsächliche Geldmengenentwicklung/Inflation. Diese Preisentwicklungen sind ja bekanntermaßen nicht im Warenkorb enthalten. Das ist falsch und verzerrt die Realität. Nun darum geht es allerdings nicht. Ich behaupte hier: Das viele Geld macht uns alle arm! Warum ist das so? Der gigantischen, weltweiten Verschuldung steht eine analoge Vermögensentwicklung gegenüber. Diese verteilt sich auf immer weniger Menschen (nachzulesen in div. Studien (Allianz/Dresdner...). Diese Entwicklung war zuerst nur in der USA bekannt: Wenige haben fast alles. Nun ist das bei uns identisch. So, die Wenigen, die immer mehr Ihre zunehmende Liquidität anlegen müssen - investieren klassischerweise in Aktien und Immobilien, die nachfragebedingt teurer werden (müssen) - steigende Kurse! Wie macht das die Masse arm? Der Durchschnittsbürger kann es sich nicht mehr leisten, diese gestiegenen Preise zu bezahlen. Also, können das Spiel nicht mehr mit spielen. Steigende Inflation führt in die Armut zumind. der Massen... Überlegen Sie doch einmal selbst. Warum steigen immer in den selben Lagen die Preise? Meist bevorzugte Innenstadtlagen, die der normale Bürger nicht mehr heben kann. Oder haben Sie 80 bis 100 Mio. für eine Münchner 1A - Lage?
    Zusammenfassung: Die Gelddruckmaschine der bösartigen Zentralbanken führt zur Armut. Nachgelesen ist das auch im Buch „Spielgeld- ein neues Wirtschaftssystem“. Der Autor nimmt unser Wirtschaftssystem ganz schön auf die Schippe.

  • Sie sind so blöd, dass Sie nicht merken, wie Ihr Vermögen bereits massiv entwertet und kastriert wird. Das ist die Folge des Einheitseuros für unser Land. Wenn Sie allerdings kein Vermögen aufgebaut haben, können Sie Ihr dummes Zeug bellen!

  • ----Ein Auto in Einfachstausführung kostete Anfang der 60-er Jahre (VW-Käfer) 5000 DM. Und einen "Dacia Logan" können Sie jetzt für 7300 Euro (Liste) bestellen.

    Und der ist immer noch eine deutliche Verbesserung auf den VW-Käfer:

    Leistung: 75 PS (VW-Käfer: 40 PS)
    Höchstgeschwindigkeit: 162 km/h (VW-Käfer: 120 km/h)
    Verbrauch gesamt: 7,0 Liter/100km (VW-Käfer: 10 Liter/100km)---

    Sie vergessen bei der Aufzählung zu erwähnen, daß damals die Zapfsäulen, an denen Sie ihren Käfer betankten, nur Felder für Pfennigbeträge hatten. Das Feld für DM-Beträge hatten die Zapfsäulen damals noch gar nicht.

  • Oh ja, billig wie nie. Deswegen musste ich 27 Euro Strom für den vergangenen Abrechnungszeitraum (12Monate) nachzahlen, obwohl ich 770 KWh eingespart habe!!..

  • Was ist an einer Deflation schlecht? Der Vergleich mit Japan, der überall auf der Welt gezogen wird, scheitert immer an den unterschiedlichen Ausgangssituationen, die in keiner Analyse eingang finden.
    Eine Deflation führt nicht zu einem Rückgang von Konsum und Investition. Wer dies nicht glaubt, der soll sich mal kurz umschauen, wie die Leute Handys, Smartphones, Fernseher und sonstige Elektronikartikel kaufen, bei denen sie genau wissen, dass diese in ein paar Wochen billiger sind, trotzdem kaufen sie sie heute.
    Somit ist eine Deflation in der Eurozone nichts negatives und erfordert kein Handeln der EZB!!!

  • Die Deutschen haben Deutschland stark gemacht, nicht der Euro. Es gilt das bislang unwiderlegt Argument, dass Deutschland bereits vor der Euro-Einführung Exportweltmeister war und nach der Einführung erst mal jahrelang der "sick man of Europe" da das Kapital in den Süden ging.
    Wenn man die bisherigen Transfers, die bislang eingegangenen Risiken sowie die Risiken und wahrscheinlichen Transfer unserer Kinder und Kindeskinder in die Peripherie berücksichtigt ist der Euro nichts anderes als ein Albtraum, der ganze Generationen um die Früchte ihrer Arbeit bringen wird, solange bis das Experiment beendet ist.

  • Gegen all die Lügen, die ständig über den Medien verbreitet werden, war die DDR echt ein Kindergarten!

  • Was für ein Quatsch, die Inflation ist zu niedrig. Inflation ist kein Selbstzweck und auch nicht etwas Gutes - das ist Geldentwertung.

    Anscheinend ist die Welt verrückt geworden. Wir haben keine Deflation, bloß weil die Preise einmal weniger stark steigen.

  • Stom ist billig wie lange nicht mehr.

    Wo gibt es diesen Strom?
    Mein Versorger hat mich informiert:
    Bisher 22,18 Cent Kilowattstunde
    Neu 26,39 Cent Kilowattstunde

    26,39 dividiert durch 22,18 = = = 1,1898
    Man könnte auch sagen, der Preis wird um
    18,98 Prozent steigen.
    So sieht Deflation aus.

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