Sinn gegen Moody's
Streit über Exportfixierung Deutschlands

Unter prominenten Konjunkturexperten ist ein Streit darüber entbrannt, ob Deutschlands Exportabhängigkeit dem Lande eher schadet oder nützt. Während der Chef des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, die Exportabhängigkeit als "Stoßdämpfer der Welt" bezeichnete, glaubt die Ratingagentur Moody's daran, dass Deutschland nun solider als andere Länder durch dir Krise komme.
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HB BERLIN. Ifo-Chef Hans-Werner Sinn monierte, Deutschland habe als Exportweltmeister zu lange einem falschen Geschäftsmodell angehangen und zahle nun in der Krise die Zeche dafür. Die Ratingagentur Moody's hält diese Sichtweise für falsch. "Aus unserer Sicht ist Deutschland darum sogar solider aufgestellt aus viele andere Länder", sagte Europa-Analyst Alexander Kockerbeck der "Börsenzeitung" (Samstagausgabe). Sobald der Welthandel wieder in Schwung komme, werde Deutschland am meisten davon profitieren.

Sinn sagte der "Wirtschaftswoche" laut einem am Samstag veröffentlichten Bericht, Deutschland sei durch die Exportlastigkeit unfreiwillig in die Rolle des Stoßdämpfers der Welt geraten. Kein anderes großes Land werde derzeit von außen so stark gebeutelt wie Deutschland. Das Grundproblem aber habe mit der aktuellen Krise nichts zu tun. Deutschland habe mit seiner nivellierenden Lohnpolitik seine arbeitsintensiven Binnensektoren zu schnell der internationalen Niedriglohnkonkurrenz preisgegeben und damit vernichtet.

Kockerbeck dagegen lobt die Globalisierung der Produktion in Folge des hohen Kostendrucks nach der Wiedervereinigung. Deutschland werde deshalb die gegenwärtige Krise dank seiner Exportlastigkeit besonders schnell überwinden. Besonders schlecht stünden dagegen Länder wie die USA, Großbritannien oder Spanien da, die ihren privaten Konsum jahrelang auf Pump finanziert hätten. "Der jetzt anstehende Prozess des Schuldenabbaus im privaten Sektor kostet Wachstum und wird sich über viele Jahre hinziehen", prognostizierte Kockerbeck mit Blick auf diese Länder.

Auch Deutschland müsse jedoch die Konjunktur mit einer Stärkung der Binnennachfrage auf eine ausgeglichenere Basis stellen, räumt Kockerbeck ein. Hierzu müsse die Kaufkraft durch eine Senkung der Lohnnebenkosten und einen Anstieg der Erwerbstätigkeit gestärkt werden.

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