Skeptische Beurteilung der Aussichten
Verbraucher fallen als Konjunkturstütze aus

Die Stimmung der deutschen Verbraucher hat sich im Juli einer Umfrage zufolge wegen der anhaltenden Debatten um den Wirtschaftsstandort Deutschland deutlich verschlechtert. Alle für das Konsumklima wichtigen Indikatoren zeigten inzwischen auch im längerfristigen Trend wieder abwärts, das GfK-Konsumklima habe sich daher für August auf 3,4 von revidiert 3,9 Punkten für den laufenden Monat abgeschwächt, sagte Rolf Bürkl, Konsum-Experte der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) am Mittwoch in Nürnberg.

HB NÜRNBERG. „Viele Bundesbürger gehen offenbar davon aus, dass sie die Verlierer der Reformdiskussion sein werden und deshalb halten sie sich bei ihren Konsumausgaben zurück.“ Von Reuters befragte Volkswirte hatten erwartet, dass sich das Konsumklima auf dem Niveau des Vormonats stabilisiert.

Der Blick in die Zukunft war in der GfK-Umfrage im Juli von Pessimismus geprägt: Sowohl die weitere Konjunkturentwicklung als auch ihre zukünftigen Einkommen schätzten die Befragten weit skeptischer als zuletzt ein. Auch ihre Bereitschaft zum Kauf von langlebigen Produkten wie Fernsehern oder Autos nahm wieder stark ab. Die GfK befragt monatlich rund 2 000 Personen und berechnet aus der Umfrage das Konsumklima für den Folgemonat.

Nachdem viele Experten dank des boomenden Exports ihre Wachstumsprognosen für Deutschland für 2004 angehoben haben, gilt ein stärkerer Konsum - auf den fast 60 % des Bruttoinlandsprodukts entfallen - als Schlüssel für ein Anhalten der Wirtschaftserholung. Die Umfrage liefert nach Einschätzung der GfK aber wenig Grund zur Hoffnung. „Der Export wird in diesem Jahr zum wiederholten Male die Konjunktur alleine stützen müssen“, sagte Bürkl.

Anders als bei den Unternehmen, deren Stimmung sich laut Ifo-Geschäftsklima im Juli unerwartet deutlich aufhellte, lasten die jüngsten Debatten um Arbeitszeit, Stellen-Verlagerung und Reformen den Verbrauchern schwer auf dem Gemüt. „Neben der Angst vor Arbeitslosigkeit spielt derzeit die Diskussion um die Neugestaltung der gesetzlichen Krankenversicherung eine wichtige Rolle“, erläuterte Bürkl. Der Indikator Einkommenserwartungen sank mit minus 14 Zähler auf den niedrigsten Stand seit Januar. „Viele Bürger befürchten offenbar, dass dies zu einer weiteren Belastung führen wird.“ Auch die Diskussionen um Kosteneinsparungen bei Unternehmen wie DaimlerChrysler heizten die Sorgen um die Zukunft an.

Die Verbraucher bewerteten auch anders als viele Ökonomen die Konjunkturaussichten wieder skeptischer. Der entsprechende Indikator gab um 8,5 auf minus 20,5 Punkte und damit den niedrigsten Stand seit Mai 2003 nach. Angesichts der Zukunftssorgen hielten sich die Bürger beim Einkaufen sehr zurück, erklärte Bürkl. Der Indikator Anschaffungsneigung rutschte um fast 13 auf minus 37,4 Zähler ab. Branchen wie der Einzelhandel leiden seit fast drei Jahren unter der fehlenden Konsumfreude der Deutschen und haben nach dem schwachen ersten Halbjahr die Hoffnung auf eine Wende noch in diesem Jahr fast aufgegeben.

Seite 1:

Verbraucher fallen als Konjunkturstütze aus

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%