Sonderbericht
IWF sieht Euro-Zone noch tief in der Rezession

Keine Entwarnung: Trotz konjunktureller Besserungszeichen befinden sich die Euro-Länder nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) noch ganz im Würgegriff der Rezession. Der IWF hat außerdem Empfehlungen für die Europäische Zentralbank parat.

HB WASHINGTON. In einem am Donnerstag in Washington veröffentlichten Sonderbericht zur Entwicklung im Euro-Raum hieß es: "Die Eurozone bleibt inmitten vorsichtiger Zeichen einer Besserung und unsicherer Zukunftsperspektiven in der Rezession." Auf einen Aufschwung deute derzeit noch nichts hin. Erholungen bei Stimmungsindikatoren und einigen volkswirtschaftlichen Daten in jüngster Zeit signalisierten nur eine geringere Geschwindigkeit der wirtschaftlichen Abwärtsbewegung. Das Ausmaß und der Zeitpunkt eines Aufschwungs blieben aber unsicher.

Der IWF rechnet für die Euro-Länder, wie der Fonds schon früher mitgeteilt hatte, für das laufende Jahr mit einer Schrumpfung der Wirtschaft um 4,8 Prozent. Im kommenden Jahr werde das Minus dann aber nur noch bei 0,3 Prozent liegen.

Es sind nach IWF-Angaben drei Faktoren, die die Erholung derzeit behinderten. Zum einen bleibe die Lage im Finanzsystem angespannt, wobei inzwischen der realwirtschaftliche Einbruch den Finanzsektor zusätzlich belaste. Zum zweiten sieht der Fonds eine eher bescheidende Nachfrage bei einem sehr brüchigen Vertrauen in die Wirtschaftsentwicklung. Schließlich wirkten sich strukturelle Verknöcherungen, etwa am Arbeitsmarkt in den Euro-Ländern, negativ auf die Wachstumsaussichten aus.

Weitgehend Einigkeit sieht der IWF bei seinen Gesprächen mit führenden Vertretern der Euro-Region darin, dass eine Stabilisierung des Finanzsektors der Schlüssel für einen späteren Aufschwung darstellt. Zwar hätten die Euro-Länder hierfür einiges in die Wege geleitet, doch mahnte der Fonds ein "proaktiveres" Vorgehen an, etwa in Hinblick auf die Rekapitalisierung geschwächter Banken. Auch der IWF bemängelt die gedrückte Kreditvergabepraxis der Banken im Euro-Raum an den Privatsektor. Offenbar hätten die Maßnahmen zum Abbau der hohen Fremdfinanzierungen und zur Stärkung der Kapitalbasis von Banken hätten offenbar die Kreditvergabe negativ beeinflusst.

In Hinblick auf die Preisentwicklung im Euro-Raum sieht der IWF einen deutlichen Druck zur Dämpfung der Teuerung. Dies sei wesentlich eine Folge der stark gesunkenen Rohstoffpreise, aber auch der stark eingebremsten Wirtschaftsentwicklung. Angesichts dessen dürfte die Inflationsrate in diesem und im nächsten Jahr deutlich unter der Quote von zwei Prozent bleiben. Die Gefahr einer Deflation sieht IWF-Vertreter Mark Belka, wie er in Paris sagte, allerdings derzeit nicht.

Das IWF - Expertenteam plädierte dafür, dass die EZB die Leitzinsen erst einmal niedrig hält und so lange den Märkten ungeschmälert Liquidität zu festen Zinsen zuführt, wie der rückläufige Preisdruck anhält. Durch die Konjunktur- und Hilfsprogramme gegen die Krise wird sich die Haushaltslage der Euro-Länder laut IWF drastisch verschlechtern. Die Defizitquote im Euro-Raum werde bis 2010 auf 6,9 Prozent steigen nach 0,6 Prozent in 2007.

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