Sorge um BIP-Wachstum
Import-Anstieg alarmiert Analysten

Die boomende deutsche Exportwirtschaft hat im März eine Atempause eingelegt. Vor allem das bessere Abschneiden der Importe lässt Sorge für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im ersten Quartal aufkommen.

HB BERLIN. Mit 77 Mrd. Euro fielen die Ausfuhren bereinigt um saisonale Effekte 3,2 Prozent niedriger aus als im Februar, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Die Importe verringerten sich um bereinigt 1,6 Prozent auf 62,7 Mrd. Euro.

Im Vergleich mit dem Vorjahresmonat blieben die Zuwächse jedoch enorm: Die Exporte legten um 18,1 Prozent zu, die Importe sogar um 28,3 Prozent. Dabei stiegen die Einfuhren aus Ländern außerhalb der Euro-Zone um 42 Prozent sehr stark. Dahinter steht Analysten zufolge der Ölpreisanstieg, aber auch die zunehmende Fertigung von Vorprodukten im billigeren Ausland.

Experten warnten einhellig davor, den Rückgang zum Februar überzubewerten, schließlich hätten die drei vorherigen Monate Zuwächse gebracht. „Der Export-Zug wird weiterfahren: Wir haben eine gute Auftragslage, die Weltwirtschaft wächst weiter“, sagte Ulrike Kastens vom Bankhaus Sal. Oppenheim. Commerzbank-Experte Matthias Rubisch nannte es allerdings überraschend, dass die Importe erneut besser abschnitten als die Exporte.

Dieser Effekt könnte vor allem für die Berechnung des Bruttoinlandsproduktes (BIP) im ersten Quartal eine Rolle spielen. Für den Wachstumsbeitrag des Außenhandels ist die Differenz zwischen Ex- und Import entscheidend, wobei die Daten um Preiseffekte wie die gestiegenen Ölpreise bereinigt werden. Diese Bereinigung funktioniert aber erfahrungsgemäß nicht vollständig. Das BIP wird am Donnerstag bekannt gegeben.

„Der starke Import-Anstieg ist mit Blick auf das BIP problematisch“, sagte Kastens. Möglicherweise habe es im ersten Quartal keinen positiven Wachstumsbeitrag vom Außenhandel gegeben. Auch Rubisch warnte: „Jetzt wird es beim Wachstum richtig eng: Beim Bau haben wir ebenfalls ein dickes Minus, beim Konsum ist allenfalls eine Stagnation zu erwarten.“ Allenfalls ein Lageraufbau und Investitionen könnten zu Wachstum geführt haben. Im Mittel gehen Banken und Institute von einem BIP-Zuwachs um 0,6 Prozent zum Vorquartal aus. Kastens sagte, die Abwärtsrisiken für diese Vorhersage seien gewachsen.

Für den starken Importanstieg dürfte den Experten zufolge neben dem Ölpreis auch die seit Jahren stattfindende Verlagerung der Produktion von Vorprodukten ins Ausland eine Rolle spielen, die dann in Deutschland nur noch endgefertigt werden. Rubisch sagte, dieser als Basarökonomie bekannte Effekt könnte wieder ein Thema werden, vor allem wenn das Wachstum schwach bleibe: „Für die deutsche Wertschöpfung bleibt immer weniger übrig, wenn der Außenhandel wegen des starken Imports immer weniger zum Wachstum beiträgt.“

Trotz des Rückgangs zum Februar markierten die absoluten Ex- und Importzahlen erneut ein neues Rekordhoch. Die Handelsbilanz schloss mit einem Überschuss von 14,3 Prozent nach 13,0 Prozent im Februar, die Leistungsbilanz wies ein Plus von neun nach elf Mrd. Euro aus. Während sich die Exportzuwächse relativ gleichmäßig auf die Europäische Union und Drittländer verteilten, stiegen die Importe aus Drittländern stark an.

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