Sorge um Konjunktur durch Kreditkrise
Fed beruhigt, aber Skepsis bleibt

Der Dreh der US-Notenbank Fed an der Zinsschraube hat weltweit nach der jüngsten Talfahrt Erleichterung ausgelöst. Der Dax schnellte am Freitag binnen Minuten von einem knappen Minus ins Plus. Auch an der Wall Street zogen die Kurse an. Experten sehen in der Entscheidung der Fed ein deutliches Signal.

HB WASHINGTON. Die US-Notenbank hat auf die Krise an den Finanzmärkten reagiert und aus Sorge um das Wirtschaftswachstum überraschend einen Leitzins gesenkt. Die Währungshüter um ihren Chef Ben Bernanke reduzierten den für die Refinanzierung der Banken wichtigen Diskontsatz am Freitag um einen halben Prozentpunkt auf 5,75 Prozent. Damit drehte die Federal Reserve (Fed) zum ersten Mal seit den Turbulenzen nach den Anschlägen vom 11. September 2001 zwischen zwei regulären Sitzungen an der Zinsschraube.

"Die Bedingungen an den Finanzmärkten haben sich verschlechtert", hieß es in der Erklärung des für die Geldpolitik verantwortlichen Offenmarktausschusses (FOMC) der Notenbank. Besonders die angespannte Situation an den Kreditmärkten sowie die Unsicherheit der Anleger könnten das Wirtschaftswachstum abbremsen, warnte die Fed. Die Risiken für die Konjunktur seien merklich gestiegen. Die Senkung des Diskontsatzes nannte die Fed eine vorübergehende Maßnahme, bis "wieder geordnete Verhältnisse an den Finanzmärkten" hergestellt seien.

Die meisten Experten lobten den Schritt der Fed, viele Praktiker in den Handelsräumen blieben aber skeptisch. "Der ganze Markt ist nach wie vor überschattet von der US-Hypothekenkrise", sagte ein Börsianer. Obwohl die Fundamentaldaten in Ordnung seien, breite sich die Sorge aus, dass die Weltwirtschaft doch einen nachhaltigen Dämpfer erleiden könne.Ein anderer Händler meinte: Würde der Markt tatsächlich glauben, dass das Schlimmste überstanden ist, dann stünden wir nicht mehr da, wo wir jetzt stehen".

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Der Diskontsatz ist der Zins, zu dem sich Banken bei der Fed unmittelbar Geld ausleihen können. Die Zinssenkung macht somit die Kapitalbeschaffung für die Finanzinstitute billiger und erhöht die Liquidität im Bankensektor. Aus Angst vor den kaum mehr zu überblickenden Risiken im Zuge des Zusammenbruchs des US-Immobilienmarktes haben viele Institute ihre Bedingungen für die Vergabe von Darlehen massiv verschärft, und dies auch untereinander. Zur Verbesserung der Liquiditätslage pumpten die Notenbanken daher zuletzt rund um den Globus Milliardensummen in den Geldmarkt, was die Talfahrt an den Börsen aber nicht nachhaltig stoppen konnte.

Den als Schlüsselzins geltenden Zielsatz für Tagesgeld, der für die Geldmarktzinsen maßgeblich ist, ließ die Fed unverändert bei 5,25 Prozent. Sie stellte aber klar, dass sie die Entwicklung an den Märkten weiter genau beobachte und handeln werde, wenn die Probleme anhielten.

Experten sahen darin ein Signal, dass die US-Währungshüter bei ihrer nächsten Sitzung am 18. September auch den Zielsatz für Tagesgeld senken könnten, um einen Abschwung zu verhindern. Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise prognostizierte eine Reduzierung um einen Viertel Prozentpunkt. "Eine nächste Zinssenkung um wiederum 25 Basispunkte dürfte auf der darauffolgenden Sitzung anstehen,", sagte er.

Die Investmentbank Goldman Sachs rechnet nun bis Jahresende sogar mit Senkungen um insgesamt 75 Basispunkte. Bislang hatten die Experten des Instituts keine Änderung erwartet, da die Fed erst vor knapp zwei Wochen noch vor Inflationsgefahren gewarnt hatte. Thomas Mayer, Chefvolkswirt Europa von der Deutschen Bank, verwies vor allem auf den psychologischen Aspekt der US-Notenbank-Entscheidung. "Die Fed hat damit klar gezeigt, dass sie die Lage ernst nimmt", betonte er.

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