Sorge vor höheren Preisen
Deutscher Einzelhandel verzeichnet Umsatzdelle

Die höhere Mehrwertsteuer hat Supermärkten, Kaufhäusern und Fachgeschäften im ersten Halbjahr viele Kunden abspenstig gemacht. Doch die Kauf-Unlust der Deutschen soll nicht lange anhalten.

HB BERLIN. Der Einzelhandel verkaufte von Januar bis Juni insgesamt 0,8 Prozent weniger als vor einem Jahr, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Preisbereinigt fiel das Umsatzminus mit 1,5 Prozent noch größer aus. „Die Mehrwertsteuer hat uns eindeutig das Geschäft verhagelt“, sagte Hubertus Pellengahr vom Einzelhandelsverband HDE.

Aus Sorge vor höheren Preisen hätten viele Kunden weniger ausgegeben. Wegen kräftiger Lohnzuwächse und sinkender Arbeitslosigkeit rechnet die Branche für das Gesamtjahr aber mit einem leichten Umsatzplus von einem Prozent.

Zuletzt zeigte sich der Einzelhandel leicht erholt vom kräftigen Einbruch zu Jahresbeginn. Im Juni verkauften die Händler preisbereinigt 0,7 Prozent mehr als im Mai. Damit lag der Umsatz im Frühjahr um fast ein Prozent höher als im ersten Vierteljahr. „Der private Konsum hat deshalb die Konjunktur im zweiten Quartal angekurbelt“, sagte Volkswirt Alexander Koch von UniCredit.

2008 wird der Konsum nach Prognosen der meisten Experten und Forschungsinstitute zur wichtigsten Wachstumsstütze aufsteigen und damit Exporte und Investitionen ablösen. Weil immer mehr Deutsche wieder in Lohn und Brot finden, dürften sie auch zu größeren Ausgaben bereit sein. Im ersten Halbjahr kletterten zudem die Tariflöhne nach Angaben des gewerkschaftsnahen WSI-Instituts mit 3,7 Prozent so stark wie seit Jahren nicht.

„Eigentlich spricht alles für einen Aufwärtstrend beim privaten Konsum“, sagte Commerzbank-Ökonom Matthias Rubisch. Auf eine Trendwende hoffen vor allem die Waren- und Kaufhäuser, deren Geschäfte in den ersten sechs Monaten besonders schlecht liefen. Ihr Umsatz schrumpfte um 3,6 und preisbereinigt (real) um 4,5 Prozent. Der Versandhandel beklagte ebenfalls kräftige Einbußen von 2,6 und real von 3,1 Prozent.

Mit Lebensmitteln, Getränken und Tabakwaren wurden 0,3 und real 2,3 Prozent weniger erlöst. Dagegen stemmte sich der Einzelhandel mit Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren erfolgreich gegen den Abwärtstrend. Hier gab es ein Plus von 2,7 und real von 1,6 Prozent. Auch mit kosmetischen, pharmazeutischen und medizinischen Produkten stieg der Umsatz.

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