Sorgenkind Bausektor
Bundesbank: Arbeitsmarkt bleibt Achillesferse

Nach Einschätzung von Bundesbank-Präsident Axel Weber bleibt der Arbeitsmarkt für die deutsche Wirtschaft die Achillesferse. Die Konjunktur sei nach wie vor kein Selbstläufer.

HB FRANKFURT. Es gebe aber Potenzial, dass das Wirtschaftswachstum in Deutschland weiter anziehe, sagte Weber am Dienstag bei der Jahres-Pressekonferenz der Bundesbank in Frankfurt. . Zwar sei die Binnennachfrage weiterhin schwach, dafür sehe es bei den Exporten besser aus. Daher bleibe Deutschland anfällig für außenwirtschaftliche Schwankungen. Vom Ölpreis erwartete Weber eine Beruhigung. Mit Blick auf den EU-Stabilitäts- und Wachstumspakt stellte er fest, die öffentlichen Haushalte in Deutschland seien in einer Besorgnis erregenden Schieflage.

Für das laufende Jahr rechnet die Bundesbank nach Angaben Webers mit einem unbereinigten Wachstum von 1,7 %. Für 2005 prognostiziert die Bank ein kalenderbereinigtes Wachstum von 1,3 %, wobei sie eine Rate von 1,5 % aber nicht ausschließt. Der Sachverständigenrat rechnet mit kalenderbereinigt 1,6 (unbereinigt 1,4) Prozent Wachstum nach 1,3 (1,8) Prozent in diesem Jahr. Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten bereinigt 1,7 (1,5) Prozent für 2005. Die Prognosen aller führenden wirtschaftspolitischen Beratungsinstitute sind damit deutlich niedriger als die der Bundesregierung, die von bereinigt 1,9 (1,7) Prozent ausgeht.

Die Auswirkungen der Arbeitsmarktreformen seien noch nicht klar, stellte Weber fest. Hartz IV dürfte zu Beginn nächsten Jahres zu einem Sprung in der registrierten Arbeitslosigkeit führen. Danach sei aber mit einer Entspannung zu rechnen, so dass im Verlauf eine Erholung eintreten sollte. Im Durchschnitt rechnet Weber damit, dass die Arbeitslosigkeit in Deutschland 2005 im Durchschnitt höher als im laufenden Jahr ausfallen wird.

Die preistreibenden Rohstoffmärkte würden sich wieder etwas beruhigen, erwartete Weber. Der Ölpreis dürfte nicht mehr als „Konjunkturkiller“ wie in den Krisen der 70er Jahre wirken. Er befürchte kaum Zweitrundeneffekte, das Preisklima sei im Kern günstig. Wegen des starken Ölpreisanstiegs liegt die Teuerungsrate in der Euro-Zone seit Monaten etwas über zwei Prozent und ist damit höher als von der Europäischen Zentralbank (EZB) erwünscht, die Raten unter, aber nahe zwei Prozent anstrebt. Die Inflationsrate wird nach Einschätzung der EZB im Laufe des kommenden Jahres wieder unter zwei Prozent sinken. Die EZB-Volkswirte sagten in ihren jüngsten Prognosen für 2005 eine Spanne von 1,5 bis 2,5 % Preisanstieg voraus, der sich 2006 auf 1,0 bis 2,2 % abschwächen soll.

Die öffentlichen Haushalte in Deutschland seien in einer Besorgnis erregenden Schieflage, stellte der Bundesbankchef außerdem fest. Die Bundesregierung geht davon aus, dass die europäische Defizit-Grenzmarke von drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes im kommenden Jahr mit 2,9 % unterschritten wird. Für die Folgejahre sagt die Regierung eine Abnahme der Defizitquote um jeweils 0,5 %punkte pro Jahr auf 1,5 % im Jahr 2008 voraus.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%