Spanien und Italien
Miese Konjunkturdaten belasten Euro-Sorgenkinder

Das schwache Wirtschaftswachstum in Spanien und Italien schürt das Misstrauen der Märkte. Die neuen Konjunkturdaten bestätigen den Ruf der beiden Staaten als Wackelkandidaten in der Euro-Krise.
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Rom/MadridSpanien und Italien werden ihrem Ruf als Sorgenkinder gerecht. Nach Erkenntnissen der spanischen Notenbank schwächte sich das Wachstum der viertgrößten Volkswirtschaft in der Euro-Zone im zweiten Quartal wieder ab. Von April bis Juni legte die Wirtschaft in Spanien im Vergleich zum Vorquartal nur um 0,2 Prozent zu, wie die Bank von Spanien am Freitag mitteilte. Zum Vorjahresquartal habe das Wachstum 0,7 Prozent erreicht. Grundsätzlich sei im Zuge der Schuldenkrise eine nachlassende Dynamik festzustellen. Analysten hatten mit 0,1 Prozent zum Vorquartal und mit 0,7 Prozent zum Vorjahr gerechnet. Die offiziellen Daten werden am 16. August vorgelegt.

Lediglich der Tourismus habe für Wachstum gesorgt, schrieb die spanische Notenbank in ihrem Monatsbericht. Dies habe den Negativtrend im privaten Konsum und dem produzierenden Gewerbe ausgleichen können. Im ersten Quartal 2011 war die spanische Wirtschaft noch um 0,3 Prozent zum Vorquartal und um 0,8 Prozent zum Vorjahr gewachsen. Die Regierung in Madrid rechnet für das Gesamtjahr mit einem Plus von 1,3 Prozent. Analysten halten diese Prognose aber für zu optimistisch. Von Reuters befragte Volkswirtschaftler erwarten im Schnitt nur 0,7 Prozent.

Die Bank von Spanien forderte die Eurozone auf, die Gipfelbeschlüsse vom 21. Juli entschlossen umzusetzen. Vor zwei Wochen hatten die Staats- und Regierungschefs der Eurozone unter anderem die Kompetenzen des Euro-Rettungsschirms EFSF ausgeweitet, um schneller auf Marktentwicklungen reagieren zu können. Um eine Ansteckung Spaniens zu verhindern, sei aber auch ein entschlossenes wirtschaftspolitisches Handeln der Regierung in Madrid erforderlich, mahnte die Notenbank.

Auch Italiens Wirtschaft kommt kaum aus der Krise. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg zwischen April und Juni um 0,3 Prozent zum Vorquartal, wie das italienische Statistik-Institut am Freitag in Rom mitteilte. Volkswirte hatten im Schnitt mit diesem Anstieg gerechnet. Im ersten Quartal war das BIP um 0,1 Prozent gestiegen. Im Vergleich zum Vorjahresquartal lag das Wachstum im zweiten Quartal wie erwartet bei 0,8 Prozent.

Die italienische Industrie entwickelte sich im Juni unerwartet schwach. Im Vergleich zum Vormonat sank die Produktion um 0,6 Prozent wie die Statistikbehörde Istat am Freitag in Rom mitteilte. Im Vergleich zum Juli 2010 gab es saisonbereinigt nur ein Plus von 0,2 Prozent, Ökonomen hatten aber mit einem Anstieg um 1,7 Prozent gerechnet.

Die Bekanntgabe der Zahlen drückte umgehend die Stimmung an den Börsen.

Italien steht - wie auch Spanien - derzeit massiv im Fokus der Finanzmärkte und gilt als größter Wackelkandidat in der Euro-Schuldenkrise. Die Regierung in Rom stemmt sich gegen ein Überschwappen der Krise von Griechenland und Portugal, die bereits unter den Rettungsschirm schlüpfen mussten. Wegen des Vertrauensverlustes muss Italien Investoren für seine Staatsanleihen derzeit deutlich gestiegene Zinsen bieten: Das verteuert die Refinanzierung für die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone massiv und verschlechtert die Lage damit erneut.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Gero Brandenburg
Gero Brandenburg
Handelsblatt Online / Redakteur

Kommentare zu " Spanien und Italien: Miese Konjunkturdaten belasten Euro-Sorgenkinder"

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  • Na na na, wer wird denn so zynisch sein. Wenn die bisherigen Sparbemühungen noch nicht dazu geführt haben dass die Wirtschaft wächst, dann muss eben ein wenig mehr gespart werden. Irgendwann wird das schon zum Ziel führen. Sieht man doch in Griechenland ;-)

    Und den Italienern muss man eines immerhin lassen. Die Privatleute haben den Braten schon gerochen und bringen Ihre Moneten in die Schweiz. Ob die da wirklich sicherer ist steht auf einem anderen Blatt, aber grundsätzlich werden die Italiener schon wissen warum.

  • Die Katastrophe geht in die Euro-Schlußrunde .
    Die einzige LÖsung ist der Nord - Euro u. Süd -Euro wie
    von Ex-BDI O- Henkel gefordert .
    Deutschland u. die anderen Nordländer müssen sich endlich
    retten mit dem Nord -Euro .
    Die Südländer waren schon vor dem Euro fast bankrott.
    Wenn die Versager -Truppe Barroso , Trichet ,Junker
    dies nicht wollen , so müssen sie entmachtet werden !!!

    Die einzige Lösung für Deutschland u. Bürger !!!

  • In Irland gehts nur zu 50% darum was der Staat macht. Die anderen 50% betreffen ihre Banken. Wenn die in die Grätsche gehen, kann Irland sparen was es will.

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