Sparen statt verprassen
US-Amerikaner misstrauen dem Aufschwung

Verbraucher in den USA behalten ihre Dollarscheine derzeit lieber für sich, zahlen Schulden ab oder sparen. Und das obwohl es an den Börsen aufwärts geht und auch der Arbeitsmarkt sich wieder aufgerappelt hat.
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New York/Los AngelesDie US-Börsen auf Rekordjagd und der Jobmarkt im Aufwind: Dennoch lassen sich die Verbraucher nicht aus der Reserve locken. Wie eine am Dienstag veröffentlichte Reuters/Ipsos-Umfrage unter US-Bürgern ergab, schränken sich sogar rund zwei Drittel der Erwachsenen bei ihren monatlichen Ausgaben ein. Hauptgrund für die Kaufzurückhaltung ist der Wille zum Sparen oder der Zwang, Schulden abzuzahlen.

Aufschwung hin oder her: Die Zeit der locker sitzenden Kreditkarten ist schon seit Jahren vorüber. Vielen Bürgern machen die gestiegenen Benzin-Preise und die höheren Sozialversicherungsausgaben arg zu schaffen.

Wer sich einschränken muss, lässt zunächst Restaurant- und Kinobesuche weg oder gibt weniger für Reisen aus. Große Restaurant-Ketten wie DineEquity und Brinker International können ein Lied davon singen: Sie klagen über Gästeschwund. Dies alles will nicht so recht zu der aufgehellten Verbraucherstimmung in den USA passen. Das entsprechende Barometer von Thomson Reuters und der Universität Michigan stieg im Februar auf den höchsten Wert seit November. Ein Barometer, das die Konsumneigung wohlhabender Amerikaner misst, passt da schon eher ins Bild.

Das sogenannte Mendelsohn Affluent Barometer, das die Verbraucherstimmung in Haushalten mit einem Jahreseinkommen von mehr als 100.000 Dollar untersucht, zeigt nach oben. 52 Prozent der Befragten setzten im Februar darauf, dass sich ihre finanzielle Lage binnen Jahresfrist verbessert haben wird. Damit ist das Lager der Optimisten innerhalb von zwei Monaten um elf Prozentpunkte gewachsen.

Durch die Folgen der Finanzkrise hat sich die soziale Kluft vertieft. Das Heer der Niedriglöhner ist gewachsen und die Mittelschicht geschrumpft, da der Staat den Rotstift angesetzt hat und auch in der Industrie viele Stellen gestrichen wurden.

Der Arbeitsmarkt hat sich zuletzt jedoch mit einem kräftigem Stellenaufbau und der niedrigsten Erwerbslosenquote seit Jahren wieder aufgerappelt. Insbesondere der Bau verspürt wieder Aufwind und stellt fast ein Fünftel der neuen Jobs in den USA.

Auch der auf der Fördermethode des "Frackings" basierende Boom im Gas- und Ölgeschäft sorgt für regionale Impulse am Arbeitsmarkt. Bei dem Verfahren werden Wasser und Sand mit Chemikalien vermischt und dann unter hohem Druck in Schiefergestein gepresst, um dieses aufzubrechen und unerschlossene Reserven freizusetzen. In Williston im US-Bundesstaat North Dakota läuft das "Fracking" bereits auf Hochtouren: Zur Freude von Aufseher Kim Hale, der nach mehr als drei Jahren Arbeitslosigkeit endlich wieder einen Job hat: "Ich glaube, der Boom dauert noch länger an. Ich bleibe solange, bis ich gekündigt werde."

Kommentare zu " Sparen statt verprassen: US-Amerikaner misstrauen dem Aufschwung"

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  • Also ich misstraue dem Aufschwung auch nicht. Aber wenn die gefühlten Parameter gerade so abstürzen, dann kommt schon ein gewisses Mistrauen hoch.

    Die Märkete in Asien knicken iwi in ihrer Substanz ein und mit den tatsächlichen Wirttschafts Daten sieht es auch nicht besonders gut aus. auch wenne s die Medien kaum bringen, abver selbst die Insider stoßen kräftig ab. Und auch Volkswagen geht nicht von einem echten Wachstum in 2013 aus.

    Evlt bessert es sich zum Jahresende, aber der aktuelle Aufschwung erscheint mir wie ein Strohfeuer oder das Aufflackern des verlöschenden Lichts.

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