Spekulation um Zinserhöhung
Bundesbank-Chef sieht Inflationsgefahr

Spekulationen, dass die Leitzinsen in Europa steigen, bekommen neue Nahrung: Bundesbank-Präsident Axel Weber hat vor steigenden Inflationsrisiken in der Euro-Zone gewarnt.

HB WASHINGTON. Weber nährte damit Erwartungen von Experten, die von einer weiteren Leitzinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) in Kürze ausgehen. Weber sagte am Freitag kurz vor Beginn des Finanzminister- und Notenbank-Präsidenten-Treffens der sieben führenden Industrieländer (G-7) in Washington, zwar sei in Deutschland und Europa mit einer Fortsetzung des kräftigen Aufschwungs zu rechnen, doch könnten mittelfristig die Inflationsgefahren zunehmen. Die Inflationsrate in der Euro-Zone könnte die Marke von zwei Prozent übersteigen. Die Hauptgefahr für eine stärkere Teuerung komme inzwischen von der Binnenentwicklung in den Euro-Ländern, etwa dem Risiko stärker steigender Löhne. Weber plädierte wie Finanzstaatssekretär Thomas Mirow zudem erneut für mehr Transparenz bei den hochspekulativen Hedge-Fonds.

Die Europäische Zentralbank hatte am Vortag den Leitzins unverändert gelassen. Die meisten Experten erwarten nun im Sommer eine Erhöhung auf vier Prozent von jetzt 3,75 Prozent. „Wir sehen, wenn man die mittlere Frist anschaut, eine Inflationsentwicklung als wahrscheinlich, die so um die zwei Prozent liegt, vielleicht leicht darüber“, sagte Weber, der auch im EZB-Rat sitzt. Die Inflationsrisiken seien größer als die Chancen auf einen Rückgang. Diese Aufwärtsrisiken für die Teuerung würden damit zusammenhängen, dass bei einem sehr günstigen konjunkturellen Umfeld „auch der interne Inflationsdruck zunehmen könnte“, sagte Weber. Er führte an, dass in den letzten Monaten die Kernrate der Inflation entsprechend volatil war und insgesamt zugenommen habe.

Für Deutschland und Europa sieht Weber nach eigenen Angaben „eine anhaltend günstige“ Grundtendenz beim Wachstum. Dabei hätten sich die Wachstumsraten der drei großen Wirtschaftsräume Nordamerika, Europa und Japan bei jeweils rund 2,25 Prozent Wachstum stark angenähert. In der Euro-Zone könne das Wachstum im ersten Quartal 2007, wenn auch verlangsamt durch die Mehrwertsteuererhöhung in Deutschland, letztlich besser ausfallen als von der EZB ursprünglich erwartet. „Der Aufschwung in Deutschland hat an Kraft und Breite gewonnen“, äußerte sich Weber zufrieden. Die Stimmungsindikatoren zeigten nach oben.

Nicht äußern wollten sich Mirow und Weber im Vorfeld der Konferenz dazu, welche Formulierung im G-7-Kommunique zur jüngsten Währungsentwicklung gewählt wird. Der Euro war in diesen Tagen sowohl gegenüber dem Yen als auch dem Dollar auf neue Spitzenwerte gestiegen. Weber sagte lediglich, im starken Euro spiegle sich auch die Stärke der europäischen Wirtschaft wider. Beide betonten, Deutschlands Hauptsorge sei, dass es zu abrupten und ungeordneten Schwankungen an den Devisenmärkte komme. Das aber sehe er derzeit nicht, ergänzte Weber. In G-7-Kreisen hieß es allerdings, die Finanzminister würden in ihrer Abschlusserklärung wohl beim Thema Währungen keine neuen Formulierungen wählen. Der Dollar legte daraufhin deutlich zu. Der Euro stieg zum Yen auf ein Rekordhoch.

Zu den wichtigen Themen der G-7-Konferenz wird nach den Worten von Finanzstaatssekretär Mirow, der Finanzminister Peer Steinbrück vertritt, die Reform des Internationalen Währungsfonds (IWF) gehören. Entscheidungen dazu werde es aber wohl noch nicht geben. Bei der Neufestsetzung der IWF-Quoten, die auch über den Einfluss im Fonds entscheiden, plädierte Mirow dafür, dynamisch wachsenden Volkswirtschaften mehr Gewicht zu geben. Bei der Bemessung der Quoten sollte das entscheidende Kriterium die Offenheit einer Volkswirtschaft mit deren Einbindung in die Weltwirtschaft sein. Dabei dürfe der inter-europäische Handel nicht herausgerechnet werden.

Mirow trat der Darstellung entgegen, Deutschland habe sich angesichts erheblichen Widerstands von G-7-Partnern von seinem Ziel verabschiedet, mehr Transparenz bei den hochspekulativen und kapitalkräftigen Hedge-Fonds zu schaffen. „Das ist nicht so“, sagte Mirow. Deutschland strebe weiterhin schrittweise die Schaffung eines Verhaltenskodexes auf freiwilliger Basis für die Fonds an. Weber unterstützte Mirow in diesem Bestreben. Man müsse die derzeit guten und krisenlosen Zeiten in der Weltwirtschaft nutzen, um späteren Risiken, die durchaus mit Hedge-Fonds und ihrer Einbindung in Bankengeschäfte beständen, vorzubeugen. Am Rande der IWF- und G-7-Konferenz in Washington werden in verschiedenen Foren diese Fragen mit Vertretern von Hedge-Fonds und aus der Finanzbranche diskutiert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%