Spotanalyse der Experten zum ZEW-Index
Volkswirte: Euro und Neuwahlen beflügeln Konjunkturhoffnungen

Der Saldo der ZEW-Konjunkturerwartungen der rund 300 befragten Analysten und institutionellen Anleger ist im Juni auf 19,5 von 13,9 Punkten gestiegen. Die aktuelle Lage beurteilten die Experten allerdings noch ungünstiger als bislang, der entsprechende Indikator sank auf minus 70 von minus 69,3 Punkte.

HB BERLIN. Von Reuters befragte Volkswirte hatten mit einem Anstieg des Erwartungsindex auf 17,5 Punkte gerechnet und sagten zu den Daten in ersten Reaktionen:

Stefan Mütze Helaba: „Grund für den Anstieg war sicher in erster Linie der schwächere Euro. Das hat wohl die Erwartungen für die exportorientierte Industrie verbessert. Wir hatten auch zeitweise einen niedrigeren Ölpreis, auch wenn sich dies zuletzt wieder in die andere Richtung entwickelt hat. Auch die geplante Neuwahl dürfte eine positive Rolle gespielt haben. Für das dritte und vierte Quartal erwarten wir wieder bessere Frühindikatoren und dann auch eine bessere Wirtschaftsentwicklung.“

Rainer Guntermann, Dresdner Kleinwort Wasserstein: „Die Argumente für den Anstieg sind vergleichsweise klar: Wir hatten einerseits einen deutlichen Rückgang des Euro-Wechselkurses im Umfragezeitraum. Und zweitens führt die Aussicht auf Neuwahlen zu der Hoffnung, dass sich das Reformtempo wieder erhöhen wird und letztlich auch die Unternehmen und Verbraucher davon profitieren werden. Ob sich das realisiert, steht auf einem anderen Blatt.

Nicht viel Beachtung gefunden hat offenbar der hohe Ölpreis - im kommenden Monaten wird er sicher eine Rolle spielen als warnender Zeigefinger. Auch in anderen Umfragen wie dem Ifo oder dem Einkaufsmanagerindex wird sich eine Sentiment-Verbesserung widerspiegeln. Es ist aber zu früh, um von einer Trendwende zu einer nachhaltigen Aufwärtsbewegung zu sprechen. Mit dem ZEW könnte etwas Luft auf den jüngsten Zinssenkungsspekulationen herausgelassen werden.“

Fabienne Riefer, Postbank: „Das hat in etwa unsere Erwartung getroffen. Ich denke, die entscheidenden Punkte waren die Aussicht auf Neuwahlen und der schwächere Euro, der dem Export mit einiger Verzögerung wieder neuen Schwung verleihen dürfte. Allerdings lässt sich mit dem Rekord-Ölpreis ein neuer Belastungsfaktor ausmachen. Es ist also fraglich, ob die bessere Laune lange anhalten wird.

Es weist weiter auf ein sehr moderates Wachstum hin. Rezessionsgefahren sehen wir nicht. Es geht weiter schleppend voran. Wir setzen noch immer darauf, dass das Wachstum auf breiterem Fundament steht und die Binnenwirtschaft langsam anzieht. Aber Wachstumsraten wie das eine Prozent aus dem ersten Quartal sehen wir von nun an auf längere Zeit nicht.“

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