Spotanalyse
Wie Volkswirte den aktuellen Ifo-Index bewerten

Der Geschäftsklimaindex des Münchner Instituts für Wirtschaftsforschung (Ifo) ist im Juni genau wie von Analysten erwartet auf 93,3 von 92,9 Punkten im Mai gestiegen.

HB BERLIN Dabei bewerteten die rund 7000 befragten Firmen sowohl ihre gegenwärtige Lage als auch ihre Aussichten geringfügig besser. Volkswirte sagten zu den am Montag veröffentlichten Daten in ersten Reaktionen:

David Brown, Bear Stearns International: „Der schwache Anstieg läutet keine Wende für die deutschen Industrie-Aussichten ein. Der Index spiegelt den Anstieg des ZEW nach Schröders Ankündigung von Neuwahlen und damit die Hoffnung auf Reformen nur geringfügig wieder. Diese Hoffnungen auf eine Erholung sind aber nur eine Fata Morgana. Das Reformprogramm hat Schröders Regierung zu Fall gebracht und für die nächste Regierung wird es auch kein Spaziergang. Die deutsche Wirtschaft ringt noch immer mit den alten Problemen einer schwachen Nachfrage, hoher Arbeitslosigkeit und einem hohen Ölpreis. Die deutsche Erholung steckt immer noch in ernsten Problemen und vor 2006 wird es keinen Aufschwung geben.“

Jürgen Michels Citigroup: „Der Anstieg liegt in erster Linie in den verbesserten Aussichten begründet. Hier hat die Hoffnung auf einen Regierungswechsel, aber auch die Abwertung des Euro eine Rolle gespielt. Insgesamt deuten die Zahlen an, dass wir durchaus Hoffnung haben, im zweiten Halbjahr wieder eine leichte Erholung zu sehen. Nach einer Stagnation im zweiten Quartal rechne ich im dritten Quartal mit 0,2 und im vierten Quartal mit 0,3 Prozent Wirtschaftswachstum.

Der Ölpreis ist allerdings eindeutig ein Hemmschuh für die Wirtschaft - das betrifft sowohl den Export als auch die inländische Nachfrage. Der jüngste Anstieg ist wahrscheinlich noch nicht voll in den Ifo-Index eingeflossen, deshalb gibt es womöglich das Risiko eines Rückschlags in den kommenden Monaten.“

Andreas Scheuerle Dekabank: „Wir hatten eine Seitwärtsbewegung erwartet, hatten aber auch auf einen stärkeren Anstieg der Geschäftserwartungen gesetzt. Wir haben den Abwärtstrend Gott sei Dank gestoppt. Das ist eine sehr gute Nachricht. Ich erwarte auch, dass wir in der Zukunft wieder bessere Zahlen beim Geschäftsklima bekommen werden. Aber: Der Ölpreis kann uns sicher noch im einen oder anderen Monat einen Strich durch die Rechnung machen.

Wir sehen um die Jahresmitte eine sehr schwache Konjunktur, erwarten dann aber im vierten Quartal mit einer Belebung der Weltwirtschaft wieder ein stärkeres Wachstum in Deutschland. Was wir nicht berücksichtigt haben, sind die Neuwahlen. Wenn das Ergebnis positiv aufgenommen wird, kann das zusammen mit besseren Zahlen vom Arbeitsmarkt und vielleicht auch mit der Fußball-WM zu mehr Konsum führen.“

Matthias Rubisch, Commerzbank: „Der Index hat die Erwartungen erfüllt und hat sich endlich stabilisiert. Damit bleibt eine wirtschaftliche Erholung im zweiten Halbjahr weiterhin im Bereich des Möglichen. Von Euphorie wegen der Neuwahlen kann man allerdings wirklich nicht sprechen. Das wirtschaftliche Umfeld ist einfach weiter zu schlecht. Im Moment bereitet vielen Firmen die Abschwächung der globalen Wirtschaft sorgen. Der Ölpreis steigt immer noch weiter, deshalb kann man auch hier in kommenden Monaten keine kräftige Verbesserung erwarten. Die Aussicht auf Neuwahlen ist jetzt im Index enthalten und wird ebenfalls nicht mehr für Schub sorgen.

Es ist etwas überraschend, dass das Klima im Einzelhandel gestiegen ist trotz der Diskussion über eine Erhöhung der Mehrwertsteuer.“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%